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GP Indien 2013 (Rennanalyse)

Welche Taktik war die beste?

Adrian Sutil - Force India - Formel 1 - GP Indien - 27. Oktober 2013 Foto: xpb 65 Bilder

Welche Taktik war die Beste? Warum musste Red Bull eine Strafe zahlen? Warum herrschte an der Box gleich zu Beginn soviel Betrieb? Die Antworten gibt es in unserer Rennanalyse.

27.10.2013 Bianca Leppert

Warum war Sebastian Vettels Sieg in Gefahr?

Zum einen zitterte man bei Red Bull um den Triumph von Sebastian Vettel, weil an seinem Auto ein Lichtmaschinen-Problem wie bei Mark Webber hätte auftreten können. Zum anderen gab es nach dem Rennen noch Grund zur Sorge. Denn der viermalige Weltmeister hat gegen die Regeln der FIA verstoßen.

Eigentlich muss jeder Fahrer sein Auto direkt nach der Zielankunft ins Parc Fermé fahren. Doch der 26-Jährige zog es vor, auf der Zielgeraden die Reifen rauchen zu lassen und sich vor seinem RB9 niederzulegen. "Rocky, mein Ingenieur, hat mir über Funk das übliche Prozedere durchgegeben, aber ich habe geantwortet: 'Nein, nicht dieses Mal.' Wir dürfen es eigentlich nicht, aber es hat sich in diesem Moment richtig angefühlt." Damit hat er aber den Artikel 43.3 des Sportgesetzes gebrochen. Ein kostspieliges Vergnügen: Red Bull muss 25.000 Euro Strafe zahlen, Vettel bekam eine Verwarnung.

Warum wechselten einige Piloten in der Mitte des Rennens auf die weichen Reifen?

Vor dem Rennen ging man davon aus, dass diejenigen, die auf den Medium-Reifen ins Rennen gehen, sich den ungeliebten weichen Pneu bis zum Ende des Rennens aufsparen werden. Denn mit weniger Sprit im Tank lässt sich der Zeitgewinn besser ausnutzen und die Belastung des sensiblen Gummis ist nicht so hoch. Doch als Mark Webber in Runde 28 an die Box abbog, zog man bei Red Bull schon in der Mitte des Rennens die Soft-Mischung auf.

Auch bei Sergio Perez, Daniel Ricciardo und Jenson Button entschied man sich für diese Variante. Die Gründe waren unterschiedlich. Bei McLaren wollte man den Vorteil nutzen in "free air" zu fahren, also ohne Verkehr. Bei Red Bull begründete man die Reifenwahl anders. Man wollte nicht riskieren, dass das Safety Car auf die Strecke kommt und damit die Strategie durcheinander bringt – in diesem Fall hätte man womöglich zu früh auf hart oder weich wechseln müssen.

Welche Taktik war die beste?

Schon im Qualifying deutete sich an, dass sich das Rennen zum Taktik-Poker entwickeln würde. Mark Webber, Fernando Alonso und die beiden McLaren-Piloten starteten in den Top-Ten mit der härteren Mischung, die anderen waren mit weichen Reifen ins Rennen gegangen. Außerhalb der Top-Ten, wo sich die Fahrer frei entscheiden können, wählten Daniel Ricciardo, Adrian Sutil, Valtteri Bottas, Esteban Gutierrez und Max Chilton die Medium-Reifen. Bis auf Romain Grosjean und Sutil, die sich mit nur einem Stopp als Reifenflüsterer erwiesen, waren die meisten auf zwei Stopps unterwegs.

Eigentlich waren beide Strategien richtig – sowohl die, das Rennen mit Medium-Reifen zu beginnen, wie auch die, auf weichen Reifen loszufahren. Denn Vettel hätte das Rennen mit hoher Wahrscheinlichkeit auch ohne den Ausfall von Webber gewonnen. Und Perez, der als Neunter mit den Medium-Reifen startete, hat mit einer Verbesserung auf Platz fünf auch alles richtig gemacht.

Wieso herrschte zu Beginn des Rennens schon so viel Betrieb an der Box?

Kurz nach dem Start hatten die Mechaniker schon einiges zu tun. Der erste Kandidat, der in die Boxengasse abbog, war Paul di Resta im Force India. Der Schotte entledigte sich seiner weichen Reifen schon nach der ersten Runde. "Das war von Anfang an so geplant", sagte Force India-Teammanager Otmar Szafnauer. Jean-Eric Vergne machte es ihm nach. Charles Pic kam hingegen unfreiwillig zum Service. Er geriet mit Teamkollege Giedo van der Garde aneinander. Der Franzose handelte sich einen Plattfuß hinten rechts ein. Eine Runde später begrüßten die Boxencrews Sebastian Vettel und Fernando Alonso. Vettel kam planmäßig.

Für Alonso, der mit den Medium-Reifen unterwegs war, hätte es nicht dümmer laufen können. Er beschädigte sich die linke Endplatte des Frontflügels und bekam gleich eine neue Nase und neue Medium-Reifen verpasst. Für Jenson Button lief es ähnlich tragisch. Er steuerte in Runde 6 die Box mit einem schleichenden Plattfuß an. Er wurde von Alonso berührt. "Durch den Kontakt wurden das Auto und die Felge beschädigt. Das hat sich aber erst drei Runden später bemerkbar gemacht."

Warum haben die Reifen bei Force India so lange gehalten?

Vor dem Rennen gab Pirelli Empfehlungen an die Teams heraus. Der weiche Reifen sollte nicht länger als 15 Runden drauf bleiben, die härtere Mischung nicht länger als 35. Das interessierte bei Force India niemanden. Adrian Sutil stellte mit dem weichen Reifen sozusagen einen neuen Rekord auf. Er hielt am Ende 19 Runden und machte so eine Einstopp-Strategie möglich. Paul di Resta zauberte mit dem härteren Reifen 30 Runden hin. Auf die Empfehlungen von Pirelli angesprochen, schüttelte Teammanager Otmar Szafnauer nur den Kopf.

"Wir haben Adrian reingeholt, als es so aussah, dass die weichen Reifen schneller sind. Bemerkenswert ist, dass sie 19 Runden durchgehalten haben. Mit wenig Sprit an Bord waren sie natürlich besser, als am Anfang." Zudem fand Force India zum ersten Mal seit der Einführung der neuen Pirelli-Reifen ein passendes Setup. Pirelli-Motorsportchef Paul Hembery fand es nicht so gut, dass sich manche Teams über die Richtlinien hinwegsetzten. "Wir sind enttäuscht, dass sich einige Teams gegen unsere Empfehlungen entschieden haben und die Mischungen länger gefahren sind, als wir geraten haben."

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