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Rennanalyse GP Italien

Streit nach dem Italo-Kracher

Start-Crash GP Italien 2011 Foto: xpb 54 Bilder

Der GP Italien bot Action und Spannung vom Feinsten. Nach dem Rennen gab es jedoch noch etwas Streit. Hamilton war sauer auf Schumi. Liuzzi war sauer auf die Rennleitung. In der Analyse beleuchten wir noch einmal die strittigen Szenen.

09.09.2011 Tobias Grüner

Wer löste den Startcrash aus?

Der Grand Prix von Italien begann wie so oft mit einem großen Crash. Wenn 24 Autos mit 280 km/h auf eine enge Schikane zurasen, ist Ärger vorprogrammiert. Ausgerechnet Lokalmatador Tonio Liuzzi nahm mit seinem HRT gleich zwei Autos auf die Hörner und hinterließ nach wenigen Metern ein riesiges Chaos.

"Ich habe einen guten Start erwischt und konnte direkt beide Virgins und beide Lotus überholen", berichtet der Crashpilot von den Sekunden nachdem die Startlichter erloschen. "Dann wollte ich mir noch ein weiteres Auto schnappen, wurde dabei aber abgedrängt. Ich bin auf die Wiese gekommen und verlor die Kontrolle." Liuzzi entschuldigte sich bei Nico Rosberg und Vitaly Petrov, die von dem Hispania-Geschoss schachmatt gesetzt wurden.

Die Rennleitung gab sich damit aber nicht zufrieden. Nach Ansicht der Videobilder wurde der Italiener für das Rennen in Singapur mit einer Rückversetzung um fünf Startplätze bestraft. Obwohl Hispania sowieso traditionell aus der letzten Reihe losfährt, machte sich Liuzzi noch am Abend auf den Weg zu den Kommissaren, um vehement gegen das Urteil zu protestieren - ohne Erfolg.

War Schumis Verteidigungsschlacht fair?

Michael Schumacher zeigte sich in Monza von der kämpferischen Seite. Direkt nach der Safety-Car-Phase überraschte der Altmeister Lewis Hamilton in der ersten Schikane und zeigte seinem Konkurrenten anschließend mehr als 20 Runden lang den Heckflügel. Über Funk beschwerte sich der deutlich schnellere Hamilton bitterlich, dass der Mercedes vor ihm zu oft die Linie wechsele. Die Regeln besagen, dass ein Pilot immer nur eine Seite der Straße verteidigen darf.

Die Rennleitung reagierte auf die Hilferufe des Briten. Gleich drei Mal wurde Mercedes-Teamchef Ross Brawn aufgefordert, seinem Piloten ins Cockpit zu funken, dass er in den Bremszonen seitlich eine Wagenbreite Platz lassen müsse. Schumi parkte seinen Silberpfeil zu oft in der Mitte der Straße und fuhr dem McLaren damit direkt vor die Nase. Doch bis die Rennleitung in solchen Fällen Strafen ausspricht, muss schon viel passieren. Schumacher verteidigte sich somit geschickt am Rande der Legalität.

"Wir sind am Limit gefahren. Ich habe mich natürlich so breit wie möglich gemacht", verteidigte sich Schumacher anschließend. Hamilton nahm es nicht so locker. Er soll laut Beobachtern noch lange nach der Zieldurchfahrt aufgebracht gewesen sein. Schließlich hatte ihn der Zweikampf viel Zeit und mindestens zwei Positionen gekostet. Vor den Mikrofonen spuckte der Engländer jedoch leise Töne. "Es war okay. Ich bin ja irgendwann doch noch vorbei gekommen."

Warum ging Vettels Getriebe-Poker auf?

Vor dem Rennen hatten viele Experten Sorge, dass Sebastian Vettels Strategie-Trick nach hinten losgehen könnte. Mit einem extrem kurz übersetzten Getriebe verzichtete der Red Bull-Pilot freiwillig auf Top-Speed, um schneller aus den engen Kurven zu beschleunigen. Sogar Teamchef Christian Horner war vor dem Rennen noch nicht sicher, ob der Poker aufgeht. Sein Fahrer war dagegen felsenfest davon überzeugt, dass er mit der Pole Position im Qualifying die größte Hürde schon überschritten hatte.

"Ich glaube nicht, dass wir im Rennen ein Risiko eingegangen sind. Nur im Qualifying war es ein kleines Pokerspiel. Mit den kürzeren Gängen konnten wir den Speed mit dem offenen Heckflügel nicht so nutzen. Aber im Rennen hatten wir keine Angst vor den DRS-Zonen." Die Lösung des Rätsels ist einfach: Mit vollen Tanks und schwerem Auto musste Vettel keine Sorge haben, in den Begrenzer zu fahren. Mit der kürzeren Übersetzung hatte er also auch gute Chancen gegen Autos, die in puncto Top-Speed auf den Geraden schneller waren.

Warum ging Ferrari eine andere Strategie?

Ferrari fuhr eine deutlich längere Getriebeübersetzung als Vettel und auch als die McLaren. Dabei stellte sich im Rennen heraus, dass eine enger gestufte Schaltbox wohl die bessere Lösung war. Teamchef Stefano Domenicali wollte aber nicht von einem Fehler sprechen: "Das war die beste Lösung für unser Paket. Wir haben im Freien Training auch mit verschiedenen Getriebevarianten getestet und sind dabei auch mal mit mehr Abtrieb gefahren. Aber für unser Auto war die Variante für mehr Top-Speed einfach die bessere."

Wie wirkt sich das Ergebnis auf den Titelkampf aus?

Nach dem Rennen begannen im Fahrerlager die Rechenspiele. Wann wird Sebastian Vettel Weltmeister, lautete die Preisfrage. Singapur oder Japan sind die beiden wahrscheinlichsten Varianten. Soll die große WM-Party schon beim nächsten Rennen in Singapur steigen, müsste Vettel gewinnen. Gleichzeitig darf sein "Verfolger" Alonso nicht aufs Podium kommen und Button und Webber dürften höchstens auf Rang drei stehen.

Ein paar weitere Rechenspiele verdeutlichen Vettels Dominanz: Selbst wenn der Red Bull-Pilot in den nächsten fünf Rennen Urlaub macht und Alonso alles gewinnt, könnte er beim Finale in Brasilien immer noch um den Titel kämpfen. "Ich bin leider vertraglich verpflichtet, alle Rennen zu fahren", schloss Vettel den Vorschlag für mehr Spannung jedoch aus. Noch nie hat ein Pilot mit acht Saisonsiegen den Titel verpasst. Würde die WM übrigens nach einem Medaillen-System - wie von Bernie Ecclestone favorisiert - gewertet, wäre Vettel mit acht Gold- und vier Silber-Medaillen bereits durch.

Die besten Bilder vom Rennen in Monza finden Sie wie immer in der Fotoshow.

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