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Vorschau GP Italien 2012

Formel 1 im Geschwindigkeitsrausch

Crash GP Italien Monza 2011 Foto: xpb 54 Bilder

Im Tempo-Tempel von Monza verabschiedet sich die Formel 1 von Europa. In unserer Vorschau sagen wir Ihnen, welche Herausforderung die Piloten in Italien erwartet und wer die besten Siegchancen bei der Highspeed-Hatz im Königlichen Park besitzt.

05.09.2012 Tobias Grüner

In Spa hat sich die Formel 1 spektakulär aus der Sommerpause zurückgemeldet. Nur sieben Tage danach geht es in Italien erneut um wichtige WM-Punkte. Zum Ausklang der Europa-Saison steht am Wochenende die schnellste Strecke im Kalender im Programm. Das Autodromo di Monza gehört mit den Strecken in Spa, Silverstone und Monte Carlo zu den Dinosauriern im Rennkalender.

Für Ferrari ist es gleichzeitig das große Heimspiel. Mit Fernando Alonso an der WM-Spitze werden die Tribünen im Königlichen Park sicher wieder prall gefüllt sein. Allerdings büßte der Spanier zuletzt einiges von seinem Vorsprung ein. Durch den ersten Ausfall des Jahres nach dem Massencrash am Start von Spa rückte Sebastian Vettel auf 24 Zähler an den WM-Führenden heran. Wenn es dumm für Alonso läuft, könnte er die Spitze in Monza sogar verlieren.

Für Romain Grosjean hat der Crash in Spa noch dramatischere Auswirkungen. Der Franzose wurde von den FIA-Stewards als Auslöser der Massenkollision identifiziert und zu einem Rennen Sperre verdonnert. Vertreten wird Grosjean in Monza durch den belgischen Ersatzmann Jérôme D'Ambrosio, der im vergangenen Jahr noch für Marussia am Start war.

Die Strecke: Autodromo di Monza

5,793 Kilometer lang, 75 Prozent Vollgasanteil und Durchschnittsgeschwindigkeiten von 250 km/h - Monza ist vor allem schnell. Auf keiner anderen Strecke werden die Motoren so hart gefordert. Die vorhergesagten Temperaturen von bis zu 30°C lassen die Sorgenfalten bei den Ingenieuren zusätzlich anwachsen. Neben den Motoren sind auch die Bremsen stark belastet. Vier Mal geht es pro Runde aus mehr als 300 km/h in die Eisen.

Das ungewöhnliche Layout, das eigentlich nur aus Geraden besteht, die durch drei Kurven und drei Schikanen unterbrochen werden, ist immer wieder Garant für Action. Auf den langen Vollgaspassagen sind enge Windschattenduelle keine Seltenheit. Überholmanöver sind somit auch ohne die Hilfe von DRS möglich. Pirelli geht bei der Highspeed-Jagd auf Nummer sicher und bringt wie schon in Spa die beiden härtesten Mischungen mit. Experten rechnen dadurch mit nur wenigen Boxenstopps.

Fast Facts zum GP Italien

Höchste Querbeschleunigung: 3,1g (für 4 Sekunden in Kurve 11)
Längste Vollgaspassage: 1.200 Meter (Zielgerade)
Anteil der Bremsphasen an der Rundenzeit: 10 Prozent
Anteil der Geraden an einer Runde: 65 Prozent
Anzahl der Gangwechsel pro Runde: 40
Vollgasanteil auf einer Runde: 70 Prozent
Geringste Geschwindigkeit: 70 km/h
Höchste Kurvengeschwindigkeit: 300 km/h
Distanz von der Pole Position bis zur ersten Kurve: 800
Top-Speed: 320 km/h
Spritverbrauch: 2,53 kg/Runde
Zeitverlust pro 10 Kilo Zusatzgewicht: 0,38 Sekunden
Reifenverschleiß: 3/5
Bremsenverschleiß: 5/5

Das Setup:

Vom Setup scheint die Aufgabe für die Ingenieure auf dem Papier einfach: Der Luftwiderstand muss so weit wie möglich reduziert werden, um auf den langen Geraden hohe Geschwindigkeiten zu erzielen. Wer zu viel Abtrieb für Top-Speed opfert wird allerdings in den Kurven bestraft. Hier gilt es, den schnellsten Kompromiss zu finden. Im Qualifying sind Autos mit steileren Heckflügel zumeist im Vorteil, da diese auf allen Geraden flach gestellt werden dürfen. Im Rennen darf DRS nur im Zweikampf auf der Zielgerade und vor der Ascari aktiviert werden, wodurch sich das Kräfteverhältnis verschieben kann.

Gleiches gilt auch für die Lufthutzen der Bremsen. Große Einlässe verbessern zwar die Kühlung, sorgen aber für mehr Luftwiderstand. Bei den Dämpfern muss ebenfalls ein Kompromiss her: ein weich gefedertes und höher gelegtes Auto verbessert zwar die Traktion beim Beschleunigen und hilft in den Schikanen beim Rumpeln über die Kerbs, sorgt aber auch dafür, dass das Auto aerodynamisch nicht so effizient arbeitet.

Updates für Monza:

In Monza zeigen sich die Formel 1-Autos traditionell komplett verändert. Die extreme Highspeed-Charakteristik der Strecke zwingt die Ingenieure dazu, spezielle Teile anzufertigen, die nach dem GP Italien wieder in die Tonne wandern. Wichtiges Teil ist dabei der Heckflügel, der sich durch ein fast waagerechtes Hauptblatt und einen deutlich flacheren Flap auszeichnet. Da das Heckleitwerk ohnehin schon wenig Luftwiderstand bietet, ist der DRS-Effekt nur noch halb so groß wie gewöhnlich.

Die Favoriten:

Wer einen Indikator für die Stärken in Monza sucht, schaut sich am besten das Rennen in Montreal an. Auch dort sind die Geraden sehr lang und die Kurven sehr eckig. McLaren ist aber nicht nur wegen des Kanada-Siegs auf der Favoritenliste ganz oben angesiedelt. Mit Erfolgen vor und nach der Sommerpause in Ungarn und Belgien hat das Team aktuell einen kleinen Lauf. Der Chrompfeil scheint aerodynamisch sehr effizient und hat zudem mit dem Mercedes-Motor das stärkste Triebwerk im Heck.

Ein großes Fragezeichen steht natürlich jedes Jahr hinter der Qualität des speziellen Monza-Pakets. Im Vorjahr hatte Red Bull sein Auto für Monza aufwendig umgebaut und wurde mit der Pole Position und dem Sieg durch Sebastian Vettel belohnt. Auch Lotus und Sauber gehören zu den Podiumskandidaten. Auf den anderen beiden schnellen Strecken des Kalenders in Montreal und Spa konnten beide Autos glänzen.

Besonders schwer einzuschätzen ist der Speed von Ferrari. Das Auto hat sich in dieser Saison bisher als Allrounder präsentiert. Nirgendwo schlecht, aber auch nie absolut überlegen. Auch Mercedes könnte sich in Monza wieder Mal an der Spitze zeigen. Wenn die Reifen halten und der Silberpfeil seine Motorleistung voll ausspielt, könnten die Schumi-Fans vielleicht noch einmal jubeln.

Expertenmeinung: James Allison (Lotus Technik-Direktor)

"In Monza weiß man aus verschiedenen Gründen nie genau, was passieren wird. Die Strecke produziert immer ganz enge Abstände. Und in dieser Saison sind die Zeitunterschiede zwischen den Autos sowieso schon nicht besonders groß. Es könnte also ähnlich wie in Valencia laufen, dass man mit zwei, drei Zehntel Rückstand das die letzte Runde im Qualifying verpasst.

Außerdem ist Monza eine ganz spezielle Strecke. Das Verhältnis zwischen Geraden und Kurven ist so ungewöhnlich, dass man einen Flügel fährt, der eigentlich zu klein für die Kurven ist. Die Fahrer müssen also in den Kurven mit einem Auto kämpfen, das eigentlich für die Geraden optimiert wurde. Das alles führt dazu, dass Vorhersagen schwierig sind. Schon für das letzte Rennen waren die Prognosen nicht ganz richtig, und für Monza ist es noch schwerer.

So lief das Rennen im Vorjahr - GP Italien 2011

Der Grand Prix von Italien begann mit einem Knalleffekt. HRT-Pilot Vitantonio Liuzzi kam beim Anbremsen auf die erste Schikane aufs Gras und drehte sich wie eine Bowlingkugel unkontrolliert in das Feld. Zuerst krachte er in den Renault von Vitaly Petrov, der in einer Kettenreaktion dann auch noch Nico Rosberg aus dem Rennen kegelte.

Am besten war Fernando Alonso aus den Startlöchern gekommen, der von Rang vier aus die Führung übernahm. Die Freude bei den Tifosi währte aber nicht lange. Mit einem spektakulären Manöver drückte sich Sebastian Vettel in der Curva Grande außen über die Wiese am Ferrari vorbei. Danach zog der spätere Weltmeister weg und sicherte sich den zweiten Monza-Sieg. Alonso fiel später sogar noch auf Rang drei hinter Jenson Button zurück.

Die Bilder vom Monza-Spektakel im Vorjahr gibt es in unserer Fotogalerie.

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