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Rennanalyse GP Japan 2010

Alonso als heimlicher Sieger von Suzuka

Tonio Liuzzi Foto: xpb 32 Bilder

In der Rennanalyse beantworten wir die offenen Fragen des GP Japan: Warum zählt der dritte Platz von Fernando Alonso wie ein Sieg? Wieso ging der Reifen-Poker von Jenson Button nicht auf? Und warum ist Lewis Hamilton trotz glücklicher Zielankunft der große Verlierer?

10.10.2010

Warum ist Fernando Alonso der heimliche Sieger?

Der Spanier strahlte nach seinem dritten Platz in Japan mit ähnlich bereitem Grinsen wie nach seinen beiden Rennsiegen von Monza und Singapur. Der Grund ist simpel: Die Team-Simulationen hatten prognostiziert, dass die Strecke in Suzuka dem aktuellen Ferrari F10 nicht schmecken kann. Das Problem sind die superschnellen S-Kurven im ersten Sektor mit ihren schwingenden Radien und Highspeed-Richtungswechseln.
 
Die Bestätigung der Prognose erfolgte im Zeittraining: Fernando Alonso konnte sich zwar mit sechs Zehntelsekunden Rückstand auf die Pole-Zeit von Sebastian Vettel für Startplatz fünf qualifizieren und erbte obendrein wegen der Rückversetzung von Lewis Hamilton noch eine weitere Startposition. Doch allein im ersten Sektor büßte der Ex-Weltmeister fünf Zehntelsekunden auf Vettels Sektorbestzeit ein - also fast exakt die Zeit, die ihm zur Pole-Zeit von Vettel fehlte.

Bei der Top-Speedmessung im ersten Sektor lag Alonso nur an 13. Stelle, sein Teamkollege Felipe Massa war gar nur Sechzehnter. "Uns war vor dem Rennen klar, dass die Red Bull auf dieser Strecke unantastbar sein würden", so Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali. "Doch wir hatten die Befürchtung, dass wir Mühe haben würden, uns vor McLaren-Mercedes zu klassieren. Daher ist der dritte Platz äußerst wertvoll."

Alonso gab zu, dass auch Glück im Spiel war: "Hamiltons Zurückversetzung um fünf Plätze hat uns ebenso geholfen wie Kubicas früher Ausfall im Rennen. Im Rennen haben wir nur auf McLaren geachtet und versucht, den Vorsprung zu halten. Wir können mit dem dritten Platz hochzufrieden sein!"

Wieso ging der Reifenpoker von Jenson Button nicht auf?

McLaren-Mercedes-Pilot Jenson Button war der einzige Top-Ten-Qualifikant, der auf den harten Reifen ins Rennen ging. Der Hintergedanke bestand darin, dass die weichen Reifen unter der hohen Benzinlast zu Rennbeginn nach einer gewissen Zeitspanne sehr stark abbauen würden. Durch den starken Regen am Sonntag wurde die Strecke zudem grün gewaschen, was den Effekt in der Theorie noch hätte verstärken müssen. Bei normalem Rennverlauf wären alle Top-Piloten nach cirka zehn Runden in Probleme geschliddert.

Doch das Gegenteil war der Fall: Die weiche Mischung lieferte den Top-Fahrern im ersten Stint über gut 25 Runden Grip, weil das Rennen gleich in der ersten Runde mit dem Safety Car neutralisiert wurde und so die Belastung für den Reifen sank. Als die Button-Gegner zum Reifenwechsel in die Boxen abbogen, lag der Brite zwar in Führung, doch Vettel & Co zoomten sich mit schnellen Rundenzeiten auf weichen Reifen schnell wieder in den Windschatten des McLaren-Mercedes-Piloten.

Als Button zur Box abbog, lag Vettel nur noch eine Sekunde hinter ihm. Der Brite kehrte somit nur als Fünfter wieder auf die Strecke zurück. Dass die Strategie mit den harten Reifen im Startturn durchaus funktionieren kann, bewies Sauber-Pilot Kamui Kobayashi: Der Japaner konnte trotz harter Reifen zwei Gegner selber überholen und profitierte zudem von den frühen Boxenstopps seiner direkten Gegner. Am Ende verbesserte sich Kobayashi von Startplatz 14 auf den siebten Schlussrang.

Warum ist Lewis Hamilton der große Verlierer des Japan-GP?

Von außen betrachtet könnte man den sechsten Rang von McLaren-Mercedes-Pilot Lewis Hamilton durchaus als Erfolg werten: Der Brite erreichte das rettende Ziel ohne dritten Gang und könnte das Resultat nach Startplatz acht als Schadensbegrenzung abhaken. Doch in Wahrheit ist das Gegenteil der Fall: Nach zwei Nullnummern in Monza und Singapur hätte Hamilton mindestens aufs Podest fahren müssen, um im WM-Titelrennen noch ein ernsthaftes Wort mitzureden.

Stattdessen verbuchten Team und Fahrer nach Singapur eine Pannenserie sondergleichen: Erst übersahen die Techniker bei McLaren-Mercedes, dass beim Unfall in Singapur das Differenzial beschädigt worden war. Man hätte nach dem Ausfall das Getriebe ohne Strafe tauschen dürfen. Stattdessen fiel der Schaden erst nach einer Installationsrunde im dritten Training auf. Der Tausch kostete fünf Startplätze. Dazu beschädigte Hamilton sein Auto im Freitagstraining schwer, wobei ein Riss im Chassis entstand und neue Evolutionsteile beschädigt wurden.

Der eilig eingeflogene Ersatzheckflügel fand am Ende gar keine Verwendung, weil man zu wenig Daten gesammelt hatte. Hamilton spulte bis Samstagmittag gerade mal eine Handvoll Runden ab. Und zu guter Letzt ging im Rennen erneut ein Getriebe kaputt. Je nach Schadensart muss bei Hamilton nun abermals die Schaltbox getauscht werden - und womöglich kassiert der Brite deshalb eine weitere Strafversetzung um fünf Startplätze beim nächsten GP in Südkorea. Fazit: So wird man nicht Weltmeister!

Warum kann Williams seine Quali-Ergebnisse nicht umsetzen?

Rubens Barrichello beendete den Japan-GP auf Platz neun, Teamkollege Nico Hülkenberg schied nach einer unverschuldeten Kollision bereits in der ersten Rennrunde aus. Nach dem Zeittraining hatte man beim britischen Team noch frohlockt: Nach den Startplätzen sieben und neun hatte man sich fürs Rennen deutlich mehr ausgerechnet: "Das Ergebnis zeigt, dass die Entwicklungsteile funktionieren", hielt Williams-Technikdirektor Sam Michael nach dem Zeittraining fest. "Das sollte uns in eine starke Ausgangsposition fürs Rennen bringen."

Doch wie schon in Singapur hatte Rubens Barrichello zu Rennbeginn sichtbar Mühe, eine anständige Pace anzuschlagen, obwohl das Feld die ersten sechs Runden im Bummeltempo hinter dem Safety-Car hinterher zuckelte. Das Problem bei Williams: Im Vergleich zum letzten Jahr geht der Williams FW 32 aggressiver mit dem Reifen um. Das hilft beim schnellen Aufheizen der Reifen im Zeittraining, straft das Team aber bei der Renn-Performance. Dort müssen es die Piloten zu Rennbeginn eher vorsichtig angehen lassen, um die Reifen nicht zu stark zu beanspruchen.

Daraus resultieren verhaltene Rundenzeiten und Positionsverluste zu Rennbeginn. Mit zunehmender Renndauer und weniger Benzinlast reduziert sich das Problem. "Das Auto ist heute über die gesamte Renndistanz nur gerutscht und ich habe keinen Schimmer, warum", gab ein ratloser Barrichello nach dem Rennen zu Protokoll. "Unsere Renn-Pace war enttäuschend", erkannte später auch Sam Michael.

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