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GP Kanada 2012 (Analyse)

Reifendrama im Montreal-Finale

Lewis Hamilton GP Kanada 2012 Foto: xpb 63 Bilder

Der GP Kanada 2012 wurde an der Boxenmauer entschieden. In unserer Rennanalyse sagen wir Ihnen, wer sich die beste Strategie für das Reifendrama auf dem Circuit Gilles Villeneuve überlegt hat.

10.06.2012 Tobias Grüner

Warum pokerte Ferrari mit einer Einstopp-Strategie?

Als Lewis Hamilton in der 50. Runde zum zweiten Boxenstopp kam, gab es für Ferrari zwei Alternativen. Entweder man folgt der Strategie des McLaren und fährt einen sicheren Podiumsplatz nach Hause oder man riskiert eine Einstopp-Strategie und versucht sich den Sieg zu schnappen. Die Strategen entschieden sich für die zweite Variante und verloren das Pokerspiel.

"Die Strategie war richtig", verteidigte Alonso später. "Wir hatten die ganze Zeit einen konstanten Reifenabbau. Doch in den letzten zehn Runden brachen die Reifen dann plötzlich komplett ein. Unser Problem war nicht die Taktik sondern der Verschleiß. Grosjean hat mit der gleichen Strategie das Rennen beinahe gewonnen. Deshalb bereue ich es nicht, dass wir es probiert haben."

Doch die Konkurrenz wunderte sich, dass Ferrari nicht früher bemerkte, dass der Poker nicht aufging. "Alle unsere Daten haben besagt, dass wir das nicht machen sollten und dass die anderen einen Fehler begehen" analysierte McLaren-Teamcher Martin Whitmarsh. "Es hätte nur funktioniert, wenn Lewis die Reifen nicht auf Temperatur gebracht hätte. Aber die erste Sektorbestzeit bedeutete für Alonso: Game Over. Jetzt mussten sie wechseln. Es gab nichts mehr zu gewinnen. Nur noch Risiko."

Warum funktionierte die Taktik bei Grosjean und Perez?

Während bei Vettel und Alonso der Versuch der Einstopp-Strategie grandios scheiterte, fuhren Romain Grosjean und Sergio Perez mit der gleichen Taktik bis aufs Podium. Die Konkurrenz rieb sich verwundert die Augen. Wie schafften es Lotus und Sauber, die Reifen so lange am Leben zu halten? Die Antwort darauf liefert das Qualifying. Beide Autos haben eine ausgeprägte Schwäche, die Reifen auf eine schnelle Runde auf Temperatur zu bringen. Auf die Distanz profitiert man aber vom geringen Verschleiß.

Grosjean startete von Rang sieben mit Supersoft-Reifen undzögerte den ersten Wechsel trotz Verkehr bis zur 21. Runde raus. Dabei hatten die Gummis schon die schnelle Runde im Qualifying drauf. "Wir haben mit dem Setup etwas Quali-Pace geopfert, um im Rennen schnell zu sein. Diese Strategie ist aufgegangen", freute sich Teamchef Eric Boullier. Am Ende rollte Grosjean nur 2,5 Sekunden hinter Sieger Hamilton ins Ziel.

Sergio Perez startete auf Platz 15 noch deutlich weiter hinten. Er durfte dafür nagelneue Gummis aufschnallen und startete im Gegensatz zu Grosjean mit der härteren Mischung. Mit schwerem Auto zu Beginn konnte der Sauber-Pilot die gelb-markierten Pirellis lange in Schuss halten. Erst in der 41. Runde kam er an die Box - so spät wie kein anderer. Mit leichterem Auto und neuen Supersofts zündete Perez im zweiten Stint dann den Turbo. "Wäre er vorher nicht im Verkehr aufgehalten worden, wäre sogar noch mehr drin gewesen", bedauerte Teamchef Peter Sauber später.

Warum war Jenson Button so viel langsamer als Hamilton?

Jenson Buttons Misere ging auch in Montreal weiter. Während Lewis Hamilton den Sieg feierte, blieb der Weltmeister von 2009 zum dritten Mal in den letzten vier Rennen ohne Punkte. Button konnte die Pace seines Teamkollegen nie mitgehen. "Er hatte eine andere Hinterradaufhängung als Lewis. Eine ältere Version", erklärte Teamchef Whitmarsh später. "Scheinbar hat das Setup nicht gepasst. Normalerweise ist Jenson dafür bekannt, gut mit den Reifen auszukommen. Aber dieses Mal wurde der linke Hinterreifen quasi aufgefressen."

Warum landete Mercedes nur auf Platz sechs?

Mercedes reiste als Mitfavorit nach Montreal. Mit dem sechsten Platz durch Nico Rosberg wurde das Punktekonto aber nur mit acht Zählern aufgestockt. Bei Michael Schumacher schlug wieder einmal der Technikteufel zu. Eine Mischung aus Hydraulikproblem und einer defekten Steckverbindung am Seilzug legte den beweglichen Heckflügel lahm. Teamchef Ross Brawn entschuldigte sich später bei seinem Schützling für den erneuten Defekt.

Dass Rosberg nie in der Lage war, um die Podiumsplätze zu kämpfen, schien die Teamleitung nicht besonders zu beunruhigen. "Wir haben unsere Piloten gebeten, in den ersten Runden die Reifen zu schonen, aber als Nico frei Bahn hatte, hatten wir eines der schnellsten Autos im Feld", analysierte Brawn. Norbert Haug fügte an: "Am Ende lagen wir 14 Sekunden hinter dem Sieger - genauso groß war der Abstand auch nach zehn Runden."

Das Problem von Mercedes lag im Qualifying. Dort konnte man nicht wie geplant in die ersten Reihen fahren. Die Silberpfeile hatten den Top-Speed-Vorteil des DRS-Tricks in zusätzlichen Abtrieb eingetauscht. Dadurch war man zwar in den Kurven schnell unterwegs und konnte die Reifen besser schonen, hatte aber auf der Geraden das langsamste Auto. Im Rennen konnte man so nicht überholen, was dazu führte, dass Rosberg ständig hinter der Konkurrenz fest hing.

In unserer Fotogalerie zeigen wir Ihnen noch einmal die Bilder des Rennens.

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