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GP Kanada 2012 (Vorschau)

Ist Schumi die Nummer sieben?

Michael Schumacher Mercedes 2012 Foto: Wilhelm 51 Bilder

Der Grand Prix von Kanada 2011 ging als eines der besten Formel 1-Rennen aller Zeiten in die Geschichtsbücher ein. In unserer Montreal-Vorschau sagen wir Ihnen, warum auch die 2012er Ausgabe das Zeug zum Klassiker hat.

06.06.2012 Tobias Grüner

An den 12. Juni 2011 werden sich die Formel 1-Fans wohl noch lange erinnern. Jenson Button sprach danach vom verrücktesten Tag in seiner Karriere. Zuvor hatte sich der Brite in einer mehr als vierstündigen Regenschlacht vom letzten Platz bis auf die oberste Stufe des Podiums gekämpft. Den zehnten Grand Prix-Sieg des McLaren-Piloten konnten auch eine Kollision mit Teamkollege Lewis Hamilton, eine Durchfahrtstrafe und eine mehr als zweistündigen Regenunterbrechung nicht verhindern.

In einem Rennen voller Dramen hatte am Ende Sebastian Vettel das Nachsehen. Erst in der allerletzten Runde musste der spätere Weltmeister seine Führung nach einem kleinen Ausrutscher auf halbfeuchter Piste abgeben. Auch für Michael Schumacher, der zwischenzeitlich aussichtsreich im Rennen lag, gab es am Ende mit Rang vier eine Enttäuschung.

Am Wochenende geht es erneut auf dem Circuit Gilles Villeneuve um WM-Punkte. Und wieder steht den Fans ein Krimi zur Primetime (Start: 20 Uhr) ins Haus. Mit sechs unterschiedlichen Siegern in den ersten sechs Rennen hatte die Saison 2011 schon einige Überraschungen hervorgebracht. Kann sich nun tatsächlich ein siebter Name in die Siegerlisten eintragen? Kandidaten gibt es genug. Michael Schumacher, Lewis Hamilton, Kimi Räikkönen - oder gar einer der Sauber-Fahrer? Wir sagen Ihnen, worauf es in Kanada ankommt.

Die Strecke - Circuit Gilles Villeneuve:

Nach dem Klassiker in Monaco steht in Montreal der nächste Stadtkurs auf dem Programm. Vom Layout ist der Circuit Gilles Villeneuve auf der Ile Notre Dame mitten im Sankt Lorenz-Strom aber nicht mit dem engen Gewurschtel im Fürstentum zu vergleichen. Sechs Mal beschleunigen die Autos auf der 4,361 Kilometer-Runde auf mehr als 250 km/h. Und ebenso oft müssen die Piloten knallhart in die Eisen steigen.

Um schnelle Rundenzeiten zu produzieren müssen die Autos in den Schikanen aggressiv über die Kerbs. Die Mauern am Kurvenausgang kommen den filigranen Rennern gleich mehrmals bedrohlich nahe. Vor allem die Bande in der Zielschikane ist schon vielen großen Namen zum Verhängnis geworden, was ihr den Spitznamen "Wall of Champions" einbrachte. Eine Veränderung zum Vorjahr gibt es in puncto DRS: Die Piloten dürfen den Heckflügel im Rennen nun nur noch auf der langen Vollgaspassage aus der Haarnadel heraus flach stellen und nicht mehr zusätzlich auch noch auf der Zielgerade.

Fast Facts:

Höchste Querbeschleunigung: 3g (für 1,3 Sekunden in Kurve 5)
Längste Vollgaspassage: 950 Meter
Anteil der Bremsphasen an der Rundenzeit: 15 Prozent
Anteil der Geraden an einer Runde: 56 Prozent
Anzahl der Gangwechsel pro Runde: 53
Vollgasanteil auf einer Runde: 59 Prozent
Geringste Geschwindigkeit: 60 km/h (Kurve 8)
Höchste Kurvengeschwindigkeit: 300 km/h (Kurve 12)
Distanz von der Startlinie bis zur ersten Kurve: 150 Meter
Top-Speed: 318 km/h
Spritverbrauch: 2,11 Kilo/Runde
Zeitverlust pro 10 Kilo Zusatzgewicht: 0,32 Sekunden
Reifenverschleiß: 1/5
Bremsbelastung: 5/5

Das Setup für den GP Kanada:

Zum ersten Mal geht es für die Piloten in diesem Jahr auf eine Strecke, auf der die Flügel spürbar flacher gestellt werden müssen. Die langen Geraden verlangen nach einem guten Top-Speed, sonst verliert man Rundenzeit und wird für die Konkurrenz zur leichten Beute. Die Ingenieure müssen in Sachen Abtrieb einen guten Kompromiss finden, um in den kurvigen Abschnitten nicht zu viel Zeit zu verlieren.

Aus den engen Ecken heraus zählt vor allem Traktion. Auf der Hinterachse sollten deshalb etwas weichere Federn verbaut werden. Bei der Bodenfreiheit muss auf die Kerbs und einige Wellen im Asphalt geachtet werden. Außerdem sollten die Ingenieure bei der Wahl des Setups einkalkulieren, dass der Griplevel auf der nicht permanenten Rennstrecke über das Wochenende traditionell stark zulegt. Auch der wechselnde Wind ist ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Technische Updates:

Die meisten Teams kommen erst bei den Europa-Rennen in Valencia bzw. Silverstone mit größeren Update-Paketen. Wichtig ist in Kanada vor allem der Heckflügel. Viele Autos werden mit speziellen Versionen für wenig Abtrieb ausgerüstet, bei denen auch der DRS-Effekt optimiert ist. Nur in Monza können die Piloten man den Flap während einer Runde noch häufiger flach stellen als in Montreal (63 Prozent). Wichtig sind auch die Bremsbelüftungen: Die Hutzen sind wegen der hohen Belastungen etwas größer dimensioniert. Viele Teams treten zudem mit einem frischen Motor in Kanada an.

Die Favoriten für den GP Kanada:

Immer wenn man in dieser Saison dachte, dass sich das Kräfteverhältnis etwas deutlicher abzeichnet, kam auch schon die nächste Überraschung um die Ecke. Prognosen über Stärken unter verschiedenen Bedingungen auf unterschiedlichen Strecken aufzustellen, gleicht einer Chaostheorie-Berechnung. Es gibt einfach zu viele Variablen.

Vom Papier her sieht Mercedes in Kanada gut aus. Im Qualifying kann das silberne Auto seinen DRS-Trick voll ausspielen. Auch die Stärken in Sachen Top-Speed, Traktion und der Stabilität beim Bremsen und in engen Kurven sollten auf dem Circuit Gilles Villeneuve zum Tragen kommen. Schon in Monaco haben Schumacher und Rosberg gezeigt, dass der Mercedes siegfähig ist.

Zünglein an der Waage könnten mal wieder das Wetter und die Reifen spielen. Der Silberpfeil mag es kalt. Nach aktuellen Prognosen soll das Quecksilber am Renntag aber bis auf 27°C klettern. Das käme wiederum den Lotus-Rennern entgegen, die sich auf heißem Asphalt am wohlsten fühlen. Wer Geld wetten will, könnte aber auch gleich Lotto spielen. Red Bull, Ferrari und McLaren sind ebenfalls heiße Kandidaten auf den Sieg. Und mit Sauber und Williams gibt es wieder zwei hochgehandelte Außenseiter.

Expertenmeinung: Norbert Haug (Mercedes-Motorsportchef)

"Auf der Reise nach Montreal stellt sich jeder die Frage: Wird es einen siebten Sieger in sieben Rennen geben? Der Circuit Gilles Villeneuve hat die Angewohnheit, unvorhersehbare Rennen hervorzubringen. In sieben der letzten zehn Rennen musste hier das Safety-Car auf die Strecke. Der Grand Prix im Vorjahr war nicht nur der längste sondern wohl auch einer der spannendsten der Geschichte.

Die Strecke auf dem ehemaligen Olympia-Gelände auf der Ile Notre Dame zeichnet sich vor allem durch enge Kurven aus - drei davon unter 100 km/h - sowie viele lange Geraden, auf denen mehr als 285 km/h erreicht werden. Der Setup-Kompromiss legt den Fokus auf reduzierten Abtrieb und wenig Luftwiderstand. Die Bremsen müssen Schwerstarbeit verrichten.

In zwei der letzten vier Rennen konnten wir ganz vorne mitfahren. Nico hat diese Stärke in 59 Punkte umgemünzt - so viele wie kein anderer Fahrer im Feld. Für Michael liegt unser Augenmerk darauf, ihm ein problemfreies Wochenende in Montreal zu bieten. Wie seine schnellste Qualifying-Zeit in Monaco bewies, hat er immer noch den Speed um ganz vorne mitzufahren. Er hat sieben Mal in Montreal gewonnen, sein Silberpfeil trägt die Nummer sieben und Kanada ist Rennen Nummer sieben der Saison 2012..."

Im Vorjahr war Michael Schumacher schon ganz nah dran am ersten Sieg nach dem Comeback. In unserer Bildergalerie zeigen wir Ihnen noch einmal die Bilder vom Montreal-Spektakel 2011.

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