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GP Kanada 2013 (Rennanalyse)

Ferrari macht es Vettel leicht

Lewis Hamilton vs. Fernando Alonso - GP Kanada 2013 Foto: xpb 54 Bilder

Der Grand Prix von Kanada hinterließ einige offene Fragen. Warum war Vettel so schnell und Lotus so langsam? Wie kam Di Resta nach vorne? Und warum wurden Ferrari und Mercedes von den Reifen genarrt? Und was war mit Van der Garde los? Unsere Rennanalyse gibt die Antworten.

10.06.2013 Tobias Grüner

Warum war Vettel so dominant?

Sebastian Vettel feierte den leichtesten Sieg der Saison. Der Weltmeister gab sogar zu, dass er zwischendurch kurz eingeschlafen war, als er in Kurve 2 durch die Wiese rödelte. Als er 15 Sekunden Vorsprung – also einen Extrastopp – herausgefahren hatte, schaltete er in den Tempomat. In den Schlussrunden hatte er sogar noch die Muße, Scherze mit dem Kommandostand zu treiben. Doch viele Fans fragten sich, warum der Red Bull an diesem Tag so überlegen war? Die Antwort ist die Summe aus vielen Faktoren.

Der Stop & Go-Kurs in Montreal kommt dem RB9 perfekt entgegen. Traktion ist die Stärke des Autos. Die Schwachpunkte - schnelle Kurven und hoher Reifenverschleiß - sind hier kein Thema. Dass Vettel auf der Geraden nicht so schnell war wie die Konkurrenz spielte ebenfalls keine Rolle. Überholen musste er ja nicht. An der Spitze konnte er sich das Rennen perfekt einteilen und die Reifen so behandeln, dass sie in den vorher optimal berechneten Stints maximalen Grip liefern.

Teamkollege Mark Webber hätte auf ähnlichem Niveau fahren können. Doch der Australier steckte ständig im Verkehr. "Der Mercedes hinterlässt zum Beispiel so viel heiße, verwirbelte Luft, dass man ihm kaum folgen kann", schimpfte der Australier später. Der einzige Pilot, der Vettel hätte gefährlich werden können, hieß Fernando Alonso. Doch bis sich der Spanier von Startplatz 6 nach vorne gearbeitet hatte, war Vettel schon weit enteilt. "Wir haben das Rennen im Qualifying verloren. Wenn wir direkt hinter Sebastian gestartet wären, hätte es ein ganz anderes Bild ergeben", so das Fazit von Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali.

Warum war Lotus so schlecht?

Lotus kam in Kanada weder im Qualifying noch im Rennen vom Fleck. Die Stärke des Autos auf anderen Strecken wurde den Piloten in Montreal zum Verhängnis. Statt Reifen zu schonen kamen die Gummis in Montreal erst gar nicht auf Temperatur. Selbst am warmen Rennsonntag nicht. "Das Streckenlayout ohne schnelle Kurven und der glatte Asphalt bringen einfach keine Energie in den Reifen", klagte Teamchef Eric Boullier.

Grosjean hatte mit seiner Startplatz-Strafe nach dem Crash in Monaco sowieso kaum Chancen auf die vorderen Plätze. Kimi Räikkönen wurde im Rennen durch ein Bremsproblem, Spritsparzwang und dem Fehler beim Boxenstopp eingebremst. Da war es schon ein Erfolg, dass er mit seiner Einstopp-Strategie wenigstens seine Punkteserie fortsetzen konnte. Mit 24 Rennen in Folge in den Punkterängen zog der Iceman mit Rekordmann Michael Schumacher gleich.

Warum kam Di Resta mit einem Stopp gut über die Runden?

Paul di Resta war der Mann des Rennens. Von Startplatz 17 fuhr der Schotte bis auf 7 nach vorne. Der Force India-Pilot war der einzige, der mit seiner Einstopp-Strategie richtig Erfolg hatte. Allerdings hatte er dabei auch Glück. Jean-Eric Vergne und Valtteri Bottas hielten das Feld in der Anfangsphase lange auf. Im Stau konnte sich Di Resta das Rennen einteilen und Reifen schonen. 56 Runden hielt er auf dem ersten Satz Medium-Gummis durch. Die Rundenzeiten waren bis zum Ende ordentlich.

"Irgendwann mussten wir ihn aber reinholen. Die Lauffläche des Reifens war komplett runter. Die Leinwand kam schon durch", erklärte Force India Technik-Chef Andy Green später. Di Restas sanfte Fahrweise und der reifenschonende Charakter des Autos und der Rennstrecke waren aber nicht die einzigen Gründe dafür, dass es bis weit in die Top Ten ging. Ohne die falsche Strategie von Massa und den Problemenn von Räikkönen und Teamkollege Sutil wäre Platz 7 wohl nicht möglich gewesen.

Warum verloren Massa und Rosberg so viel Zeit?

Während die Teamkollegen auf dem Podium feierten, kamen Nico Rosberg und Felipe Massa mit massiven Rückständen ins Ziel. Der Grund lag in der falschen Reifenstrategie. Beide Piloten ließen nach dem Start auf weichen Reifen auch im zweiten Stint Supersoft aufziehen. Wie sich schnell herausstellte, war es die falsche Wahl. "Wir haben uns da vertan", gab Rosberg anschließend zu. Teamkollege Lewis Hamilton war mit dem Medium-Reifen zur Rennmitte deutlich besser unterwegs.

"Eigentlich waren wir auf der gleichen Strategie. Ich musste leider früher rein. Das war die einzige Chance Webber zu kontern. Das Team hat also durch mich gelernt und die Strategie bei Lewis geändert." Auch bei Ferrari hatte man sich getäuscht. "Wir haben gedacht, wie viele andere auch, dass der Supersoft-Reifen der Reifen für das Rennen sein würde. Doch dann waren die Temperaturen viel höher als gedacht und es war umgekehrt. Da machen schon ein paar Grad den Unterschied", analysierte Teamchef Domenicali.

Warum tat sich Massa so schwer gegen Sutil?

Nachdem Sutil und Massa in der Anfangsphase mit Problemen kämpften, hingen beide zur Rennmitte plötzlich direkt hintereinander. Eigentlich war der Ferrari mit frischeren Reifen das schnellere Auto. Doch ein ums andere Mal musste Massa wieder zurückstecken. Sutil erklärt warum: "Durch den Crash mit Maldonado war mein Heckflügel beschädigt. Dadurch wurde ich auf der Geraden plötzlich sauschnell."

Force India-Technikchef Andy Green hatte berechnet, dass dem Deutschen 15 Punkte Abtrieb im Heck fehlten. Dadurch geriet das Auto in den Kurven zwar etwas aus der Balance, war aber auf den Geraden fast genauso schnell wie Massas Ferrari mit geöffnetem Heckflügel. Sutil konnte Massas Angriffe solange abwehren, bis die Supersoft-Reifen des Ferrari in die Knie gingen. Nur die Durchfahrtsstrafe sorgte am Ende dafür, dass Sutil den Platz gegen Massa doch noch verlor.

Warum muss Giedo van der Garde in Silverstone 5 Plätze weiter hinten starten?

Giedo van der Garde machte sich in Montreal keine Freunde. Sein erstes Opfer hieß Mark Webber. Als der Australier in der Haarnadel zum Überrunden ansetzte, schmiss der Caterham plötzlich die Tür zu. "Ich wurde von einem Bezahlfahrer ohne Rückspiegel ausgebremst und habe dadurch meinen Frontflügel verloren", schimpfte Webber später. Van der Garde keifte zurück: "Er hätte etwas vorsichtiger sein müssen." Die Rennleitung sah die Sache eindeutig: 10 Sekunden Stop and Go-Strafe noch im Rennen.

Doch die Kollision mit Webber blieb nicht der einzige Feindkontakt. In Runde 43 stieß er in der Zielschikane mit Nico Hülkenberg zusammen. Wieder war es ein Überrundungsmanöver, das misslungen war. Zuvor hatte der Caterham den Sauber 91 Sekunden lang blockiert.  "Ja, ja der Giedo. Der sucht sich immer einen zum Rennfahren. Auch, wenn er überrundet wird. Der hat mit mir bis zum Ende der Geraden gekämpft. Beim Einscheren auf die Ideallinie habe ich ihn am Frontflügel berührt", blickte Hülkenberg auf die Situation zurück. Da beide Autos kurz darauf ausfielen, verschoben die FIA-Kommissare die Untersuchung auf später. Nach Anhörung beider Piloten hieß das Urteil: 5 Plätze Strafe für Van der Garde in Silverstone.

In unserer Bildergalerie haben wir noch einmal die besten Fotos vom GP Kanada.

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