Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Entwicklungswettlauf in Kanada

Auspuff-Krieg geht in die nächste Runde

Williams Technik GP Spanien 2011 Foto: xpb 33 Bilder

Sauber, Williams, Force India, Lotus und Virgin wollten den Auspuff von Red Bull kopieren. Mit gemischtem Erfolg. Beim GP Kanada geht der Auspuff-Krieg in die nächste Runde - allerdings ohne Sauber.

09.06.2011 Michael Schmidt

Barcelona sollte der Startschuss sein. Da wollten Sauber, Williams, Force India, Lotus und Virgin einen Auspuff präsentieren, dessen Endrohre nach Red Bull-Vorbild zwischen die Hinterräder und den Unterboden zielen. Das dichtet den Diffusor zur Seite hin ab und beschleunigt die Strömung in den seitlichen Kanälen unterhalb des Bodens.

Der Trick macht allerdings nur Sinn, wenn man gleichzeitig die Technik des heißen Anblasens beherrscht. Dabei liefert der Motor auch dann weiter Auspuffgase, wenn der Fahrer vom Gas gegangen ist. Wer nur kalt anbläst, also lediglich Luft durch die Zylinder pumpt, füttert den Diffusor zwar konstant mit der künstlichen Strömung an, aber es fehlt der nötige Druck, der den extra Abtrieb generiert.

Für Williams, Sauber und Virgin war Barcelona schon der zweite Anlauf. Alle drei packten nach dem Freitagstraining wieder ein. Williams, weil erneut der Unterboden durchgebrannt war, Virgin weil es Risse in den Endrohren gab, und Sauber weil Schwankungen im Anpressdruck auftraten. Den Fahrern fehlte das Vertrauen ins Auto. Das gleiche Resümee zogen die Force India-Piloten. Es kam zu unerwünschten Balanceverschiebungen. Die Techniker schoben es darauf, dass ihnen noch die Erfahrung für die Feinanstimmung des Motorkennfeldes und des Fahrzeug-Setups fehlte.

Erste Erfolge bei Lotus und Force India

Nur Lotus zog den Versuch durch. Auch auf die Gefahr hin, dass im Rennen etwas kaputtgeht. "Wir wollten lernen. Das geht nur, wenn man fährt", erklärte Technikchef Mike Gascoyne. Jarno Trulli kam mit einem gebrochenen Auspuff ins Ziel. Bis Monte Carlo war das Problem aus der Welt geschafft.

Force India und Williams versuchten es in Monaco erneut. Mit unterschiedlichem Erfolg. Bei Force India blieb der neue Auspuff an Bord. "Er bringt uns klar mehr Abtrieb. Je mehr wir bei der Motorabstimmung dazulernen, umso größer wird der Vorteil", erzählt Sportdirektor Otmar Szafnauer. Motorenpartner Mercedes hat die Technik des heiß Anblasens im Griff. Einziges Manko: Adrian Sutil und Paul di Resta müssen am Start drei Prozent mehr Benzin mitschleppen als üblich. Das Einspritzen bei extremer Spätzündung geht auf den Spritverbrauch.

Williams mit viertem Auspuff-Anlauf in Kanada

Williams baute nach Shanghai und Barcelona ein drittes Mal auf die konventionelle Variante zurück. Dabei lief eigentlich alles nach Plan. "Der Auspuff hält, die Umgebung ist gegen Hitze geschützt, und Pastor Maldonado fühlte sich mit mehr Abtrieb im Heck deutlich wohler", verrät Technikchef Sam Michael.

Am Ende gaben die Zweifel von Rubens Barrichello den Ausschlag. Der Brasilianer warnte vor einem Renneinsatz, weil sich mit dem neuen Auspuff komplett die aerodynamische Balance verschiebt und man damit Gefahr gelaufen wäre, das Problem mit dem hohen Verschleiß der Hinterreifen zu verschärfen. Sam Michael entschied deshalb: "Wir studieren noch einmal alle Trainingsdaten und setzen den Auspuff in Montreal dann zum ersten Mal ein."

Williams muss auf einen Teil des theoretischen Vorteils dieser Auspuffanordnung verzichten. Motorenlieferant Cosworth kann nur kalt Anblasen. "Der Unterschied zwischen kalt und heiß Anblasen liegt bezogen auf den zusätzlichen Anpressdruck bei 40 Prozent", sagt Force India-Mann Szafnauer.

Sauber bläst Auspuff-Experiment ab

Sauber fährt auch in Montreal mit Endrohren, die nach innen auf das Anlasserloch im Diffusor zielen. Die Eidgenossen haben ihr Entwicklungsziel nicht erreicht. Da greift man lieber auf Bewährtes zurück. Ob der seitlich austretende Auspuff jemals kommt, ist fraglich. Wenn die FIA ab dem GP England den Spuk des heiß Anblasens tatsächlich verbietet, dann macht Entwicklungsarbeit auf diesem Gebiet wenig Sinn.

Virgin denkt genauso. Das nächste große Faceflift zum GP England wird einen Auspuff wie beim Sauber C30 haben. Zielrichtung nach innen. Es ist die erste Arbeitsprobe des neuen Designteams, das von Pat Symonds beraten wird.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden