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Rennanalyse GP Monaco 2011

Was Sie noch nicht übers Rennen wussten

Sebastian Vettel Foto: xpb 57 Bilder

Der Grand Prix von Monaco hinterließ einige offene Fragen, die wir wie immer detailliert in unserer Rennanalyse beantworten. Welche Strategie war die beste? Warum musste Lewis Hamilton nach dem Rennen  zu den Stewards? Und was war nur bei Mercedes los?

29.05.2011 Michael Schmidt

Hätte Vettel ohne die Rennunterbrechung gewonnen?

Als Sebastian Vettel beim Start in Führung ging, drohte das übliche Vettel-Rennen. Vom Start bis ins Ziel an der Spitze. Doch es kam alles ganz anders. Jenson Buttons früher Boxenstopp brachte Schwung in die Partie. Das zwang Red Bull zum Konter. Der ging prompt schief. Die Kommunikation zwischen Boxenmauer und Mechanikern war gestört. Vettel bekam soft statt supersoft. Diese Konfusion kostete 3,5 Sekunden und die Führung.

Die nächsten 16 Runden sah Button wie der sichere Sieger aus. Sein größter Vorsprung betrug 14,9 Sekunden. "Ich habe nicht mehr an den Sieg geglaubt", gab Vettel zu. Dann zeigte sich der Renngott zum ersten Mal gnädig. Button wechselte zum zweiten Mal, und nur zwei Runden später kam das Safety-Car. Vettel blieb gegen den Rat seines Teams draußen. Richtig gepokert. Er wäre bei einem Stopp in der Safety-Car-Phase wieder hinter den McLaren gefallen.

Merke: Es gibt in Monaco nichts Wichtigeres als Position zu halten oder zu gewinnen. Egal zu welchem Preis. Vettels taktischer Weitblick hatte Alonso-Qualitäten. Den bekam er als nächsten Gegner serviert. Ferrari nutzte die Safety-Car-Phase zum zweiten Stopp. Damit hatten Alonsos Reifen 18 Runden weniger auf der Lauffläche. Button setzte mit seinem dritten Stopp noch einen drauf. Der Unterschied in der Laufleistung zu Vettels Reifen betrug 32 Runden.

Ab Runde 62 war das Spitzentrio zusammengeschweißt. Doch Vettel blieb vorn. Alonso kündigte einen Totalangriff für die letzten zehn Runden an. Auf der Zielgeraden oder am Ausgang des Tunnels. Vettel meint: "Ich wäre vorne geblieben." Alonso sagt: "Ich hätte es geschafft. Weil ich alles riskieren konnte und Vettel nichts." Das leuchtet ein.

Wie Button nach Meinung von Martin Whitmarsh noch an beiden vorbeigehen hätte sollen, bleibt das Geheimnis des McLaren-Chefs. Selbst Button zweifelt daran: "Ich habe mir das Duell zwischen Fernando und Sebastian erste Reihe Mitte angesehen und gehofft, dass sich die zwei in die Haare bekommen."

Die rote Flagge in Runde 71 erlöste Vettel. Für den Sprint zum Schluss durften alle Reifen wechseln. Das hat Vettel wahrscheinlich den Sieg geschenkt. Alonso machte im Ziel den Eindruck, als hätte er es wirklich mit der Brechstange probiert.

Welche Strategie war die beste: Ein, zwei oder drei Stopps?

Schauen wir auf die Statistik. Ein Reifenwechsel landete auf Platz eins (Vettel) und Platz fünf (Kobayashi). Zwei Boxenstopps wurde Zweiter (Alonso), Vierter (Webber), Sechster (Hamilton), Siebter (Sutil), Achter (Heidfeld), Neunter (Barrichello) und Zehnter (Buemi). Der einzige Fahrer mit drei Stopps, der es in die Punkteränge schaffte, war der Drittplatzierte Button.

Es ist eine alte Monaco-Regel, dass weniger Stopps der Schlüssel zum Erfolg sind. Weil man damit seine Position auf der Strecke am wenigsten oft riskiert. Und die ist in der Stadt das wichtigste, weil Überholen trotz Pirelli und trotz Heckflügel und trotz KERS immer noch ein Gewaltakt ist. Vettel als Spitzenreiter der Sieganwärter zeigte es. Kobayashi als Führender des Verfolgerpulks bewies es ebenfalls.

Alonsos Zweistopprennen hätte aufgehen können, aber nur mit großem Risiko. Buttons Strategie war nur möglich, weil Rosberg mit seiner Schleichfahrt hinter Vettel, Button, Alonso und Webber eine 34-Sekunden-Lücke riss. Das war das Loch, in das Button nach dem ersten Reifenwechsel reinfallen konnte. Ohne das erste Safety-Car hätte Buttons Alternativtaktik zumindest Platz zwei ergeben. Dann hätte er sich aber den dritten Stopp ersparen müssen, um nicht hinter Alonso zu fallen. Und dann wäre sein Reifenvorteil gegen Vettel auch geringer ausgefallen.

Der Fehler bei Button lag darin, dass McLaren drei Mal in Folge auf supersoft setzte. Damit verbaute man sich jede Flexibilität. Button hätte auf jeden Fall noch einmal stoppen müssen, um wenigstens ein Mal mit der Mischung "soft" gefahren zu sein. Hätte McLaren im dritten Turn auf soft gesetzt, hätte man noch einen Satz supersoft in der Hinterhand gehabt.

Was war mit Mercedes los?

In Barcelona betrug der Rückstand auf die Spitze eine Runde. In Monte Carlo waren es zwei. Schon nach 26 Runden, also einem Drittel des Rennens, rauschte der Express an der Spitze zum ersten Mal an Schumacher und Rosberg vorbei. Das ist indiskutabel. Die Autos sind zu langsam, es passieren zu viele Pannen, und das Problem mit dem hohen Reifenverschleiß flackert immer wieder auf.

Michael Schumacher kann die Liste der Gebrechen schon nicht mehr hören. Mal streikt KERS, mal der Heckflügel, diesmal der Motormodus beim Start. Im Leerlauf kommt man nur schwerlich in Schwung. Bis Schumacher einen Gang drin hatte, überholten ihn links und rechts fünf Autos. Hamiltons Platz holte er sich umgehend zurück. Dabei ging die Nase zu Bruch. Das erklärte den hohen Reifenverschleiß bis zum ersten frühen Stopp in Runde 9. Es ist kein Trost, dass es danach besser lief und er Rosberg wie in alten Tagen in der Loews-Haarnadel austrickste. Ein Feuer in der Airbox machte Schumachers Rennen ein Ende.

Nico Rosberg erging es kaum besser. In den ersten zwei Turns fraß das Auto wie schon so oft seine Hinterreifen. Und keiner konnte sich erklären warum. Da kann man nicht mehr mit Reifendrücken allein argumentieren. Dass es am Ende noch zur zehntschnellsten Rennrunde reichte, ist auch keine Beruhigungspille. Es verwirrt eher, dass der Mercedes einmal geht und einmal nicht. Da ist im Silberhaus noch viel Arbeit zu tun. Wetten, dass hinter den Kulissen die Fetzen fliegen.

Warum wurde Hamilton nicht härter bestraft?

Lewis Hamilton legte sich in Monaco mit allen an. Es gab Feindberührungen mit Schumacher, Massa, Alguersuari und Maldonado. Dazu ein verpatztes Training, das aus einer möglichen Pole Position einen neunten Startplatz machte, ein schlechter Boxenstopp, weil die Boxencrew nicht bereit war und eine Durchfahrtsstrafe wegen einem Rammstoß gegen Massa. Verständlich, dass da Frust aufkommt.

Nach dem Rennen schob der Pilot den schwarzen Peter der Rennleitung zu: "Zum fünften Mal im sechsten Rennen muss ich nach der Zieldurchfahrt zu den Stewards. Das ist ein Witz", raunte der Brite in die Mikrofone. Warum ausgerechnet er, wurde Hamilton gefragt: "Vielleicht liegt es daran, dass ich schwarz bin. Das würde Ali G. sagen. Ich habe keine Ahnung." Die als Witz gedachte Antwort wurde jedoch von einigen in den falschen Hals bekommen.

Um die Wogen zu glätten, kehrte Hamilton sogar noch einmal an die Rennstrecke zurück, um sich persönlich bei der Rennleitung zu entschuldigen. Nach Angaben von Teamchef Martin Whitmarsh akzeptierten die Herren von der FIA die Erklärung des Engländers, dass die Aussage nicht ernst gemeint war. Nach einem turbulenten Rennen zeigten die Stewards Verständnis, dass Hamilton die Sicherungen durchbrannten.

Die Kollision mit Massa hätte nicht unbedingt eine Strafe erfordert. Auch wenn Massa deswegen einen halben Kilometer weiter im Tunnel crashte. Aber wenn man in Monaco jeden Angriff bestraft, wird wohl gar nicht mehr versucht zu überholen. Massa hätte sich denken können, dass bei der Aktion an seinem Auto etwas kaputtgegangen ist. Gleiches gilt für die Karambolage zwischen Kobayashi und Sutil. Auch das war Brechstange. Aber Sutil war um so viel langsamer als der Sauber-Pilot, dass es früher oder später sowieso passiert wäre.

Dafür hätte man Hamilton spätestens für die Kollision mit Maldonado in die Pflicht nehmen müssen. Und zwar nicht nur mit 20 Sekunden. Es war ja schon das zweite Attentat, das einen Kollegen mögliche Punkte kostete. Und das war noch aussichtsloser als die Nummer mit Massa. Die Zeitstrafe hat Hamilton nicht bestraft. Er blieb Sechster. Damit war sie sinnlos.

Wieso wurden in der Rennpause die Reifen gewechselt?

Es war die dritte Rennpause nach einer roten Flagge in der Formel 1. 2007 am Nürburgring stoppte ein Wolkenbruch das Rennen. 2010 in Korea Dauerregen, der den Fahrern in der Gischt die Sicht raubte. Das Finale in Monte Carlo war ein Sprintrennen über sieben Runden. Die meisten trauten ihren Augen nicht. Vettel und Alonso ließen für den Re-Start in Runde 72 superweiche Reifen aufziehen. Button ging von relativ neuen weichen auf ganz neue weiche Reifen. Seine Supersoft-Sohlen waren ja schon aufgebraucht.

Bei Hamilton wurde ein auf Halbmast hängender Heckflügel repariert. Die Regel sagt: Alles darf getauscht werden, nur Flüssigkeiten nicht. Aber warum die Reifen? Verzerrt das nicht das Rennen? Erklärung: Es könnte ja sein, dass der Rennstopp wie damals am Nürburgring vom Wetter erzwungen wird. Da wäre es wenig sinnvoll, wenn man auf nasser Piste mit Trockenreifen in den Re-Start gehen müsste.

Ach, übrigens: Dem Mann, der die Unterbrechung erzwungen hat, geht es wieder gut. Vitaly Petrov war lange in seinem Renault eingeklemmt. Er wurde mit Blaulicht ins Krankenhaus gefahren. Am Abend tauchte er wieder im Fahrerlager auf. Mit ein paar blauen Flecken an seinen Beinen.

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