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Vorschau GP Monaco 2011

200 Fahrmanöver in 75 Sekunden

Barrichello GP Monaco Foto: dpa 30 Bilder

Nur sieben Tage nach dem Krimi von Barcelona steht mit dem GP Monaco das nächste Formel 1-Highlight auf dem Programm. Wer im Casino von Monte Carlo gewinnen will, sollte im Reifenroulette nicht auf die falsche Farbe setzen. Wir sagen Ihnen, wer die besten Karten besitzt.

25.05.2011 Tobias Grüner

Die Formel 1 hat in dieser Saison bereits einiges an Spektakel geboten. Und jetzt geht es auch noch zur schnellsten Hafenrundfahrt der Welt in das kleine Fürstentum Monaco am Mittelmeer. Wer nach Boxenstopp-Orgien, Überhol-Festivals und den spannenden Krimis von Shanghai und Barcelona immer noch über zu wenig Action klagt, der sollte spätestens jetzt voll auf seine Kosten kommen.

Neben der sportlichen Seite steht beim GP Monaco traditionell auch immer Glamour, Luxus und Lifestyle im Mittelpunkt. Zum Formel 1-Wochenende trifft sich die High Society traditionell auf den riesigen Yachten im Hafen. In den edlen Clubs der Stadt werden Grand Prix-Partys gefeiert, auf denen sich die Größen aus Politik, Sport und Hollywood die Klinke in die Hand geben.

Das sportliche Drehbuch könnte in diesem Jahr von den Reifen geschrieben werden. Pirelli hat erstmals den superweichen Gummi im Gepäck, der bei den Wintertests kaum vier Runden überlebt hatte. Es wird spannend, wie die Teams mit den ultraschnellen aber auch ultrakurzlebigen Pneus zurechtkommen. Die große Frage lautet, ob man mit den neuen Reifen und dem beweglichen Heckflügel endlich auch in den engen Gassen von Monaco überholen kann.

Die Strecke: Circuit de Monaco

Keine Rennpiste dieser Welt ist mit Monaco vergleichbar. Nelson Piquet verglich die Fahrt einmal mit einem Hubschrauberflug durchs Wohnzimmer. Die Ecken im Leitplankendschungel sind so eng, dass die Ingenieure sogar den maximalen Lenkeinschlag der Autos vergrößern müssen. Mit der legendären Loews-Haarnadel findet sich auch die langsamste Stelle des gesamten Grand Prix-Kalenders in der 3,340 Kilometer langen Stadtrundfahrt.

Die einzelnen Streckenabschnitte klingen Formel 1-Fans wie Musik in den Ohren: Saint Devote, Mirabeau, Casino, Loews, Tabac, Schwimmbad, Rascasse und natürlich der Tunnel. Der längsten überdachte Streckenabschnitt des Jahres ist mit Top-Speeds von 290 km/h gleichzeitig auch der schnellste Sektor in Monaco. Wegen der hohen Geschwindigkeiten hat die FIA entschieden, den verstellbaren Heckflügel aus Sicherheitsgründen in diesem Bereich nicht zuzulassen.

Die Fahrer hätten gerne komplett auf das DRS (Drag Reduction System) verzichtet. In dem engen Labyrinth aus öffentlichen Straßen, ist es nicht leicht am Steuer den Überblick zu behalten. Zwar besteht die Strecke nur aus 19 Kurven, die Piloten müssen aber rund 130 Lenkbewegungen vollziehen. Zusammengerechnet steht das Lenkrad in einer Runde nur für ca. zehn Sekunden still.

Dazu kommen noch 55 Gangwechsel und 20 weitere Eingaben, wie z.B. DRS, KERS und die Verstellung verschiedener Parameter am Motor, Differenzial oder Funk. Durchschnittlich müssen die Piloten in den 75 Sekunden rund 200 Dinge erledigen – und dabei sind die Betätigung von Gas und Bremse noch gar nicht einberechnet.

Das Monaco-Setup:

Die Ingenieure stehen in Monaco immer wieder vor einer unlösbaren Aufgabe. Nirgendwo sind die Durchschnittsgeschwindigkeiten so niedrig. Statt auf Top-Speed werden hier alle Flügel auf Abtrieb ausgerichtet. Die meisten Teams haben ein spezielles Monaco-Aeropaket am Start, das nur hier zum Einsatz kommt. An allen erlaubten Ecken des Autos versuchen die Aerodynamiker Zusatzflügelchen zu postieren, damit die Fahrer in den Kurven nicht die Bodenhaftung verlieren.

Neben dem Anpressdruck ist auch die Traktion entscheidend. Wer auf den vielen Bodenwellen zu hart liegt, kann die Kraft der V8-Motoren nicht auf die Straße bringen. Wer es sich aerodynamisch erlauben kann, mehr Bodenfreiheit zu fahren, hat einen Vorteil. Da die Geraden in Monte Carlo eher kurz sind, ist KERS nicht ganz so wichtig wie auf anderen Strecken. Es ist zu erwarten, dass das ein oder andere Team auf den Elektro-Boost verzichtet, um damit die Balance des Autos und der Bremsen zu verbessern.

Die Updates:

Wie bereits erwähnt haben fast alle Teams ein spezielles Technikpaket im Gepäck. Vor allem Front- und Heckflügel müssen an das spezielle Streckenlayout angepasst werden. Mercedes hat zudem angekündigt, weitere Verbesserungen an der Kühlung vorzunehmen. Sauber will ein mechanisches Update bringen, um die Schwäche in langsamen Kurven zu beseitigen. Ferrari will mit der dritten Update-Stufe die Schmach von Barcelona beseitigen. Mit dabei ist auch ein neues Getriebe.

Die Favoriten für den GP Monaco:

Monaco bedeutet Abtrieb. Und Abtrieb bedeutet in der Formel 1 Red Bull. Zusammen mit dem großen Federweg auf der Hinterachse ist das Auto von Sebastian Vettel wie gemalt für die Kurvenhatz im Fürstentum. Bereits im vergangenen Jahr konnte das Team hier einen Doppelsieg feiern. Sorgen machen muss sich Red Bull nur um die Reifen. Nicht einmal Hersteller Pirelli kann sagen, wie sich die neuen Gummis der Marke supersoft auf dem Straßenkurs verhalten. Fehler bei der Strategie dürfen sich die Ingenieure wegen der Überholprobleme in Monaco nicht leisten.

Hinter Red Bull ist auch wieder McLaren ganz vorne zu nennen. Die chromglänzenden Autos haben zuletzt in Barcelona mit einer ultraschnellen Rennpace überrascht. Auch Renault ist auf Stop-and-Go-Kursen für eine Top-Platzierung gut, wie man bereits in Melbourne gesehen hat. Dahinter wir es spannend, ob sich Ferrari und Mercedes nach der Demütigung von Barcelona wieder aufrappeln können. Für Ferrari spricht das reifenschonende Auto, für Mercedes der kurze Radstand im engen Kurvengeschlängel.

Expertenmeinung: Sam Michael (Technikchef Williams)

"Der Spanien-Monaco-Doppelschlag hält einige Logistik-Herausforderungen für die Ingenieure und das Team an der Strecke bereit. Alle Veränderungen an den Autos müssen mit den Erfahrungen von Barcelona schnell angepasst werden. Es ist also eine arbeitsreiche Woche. Monaco ist ein Straßenkurs mit wenig Grip, der die weichsten Federn und die höchste Fahrzeughöhe der ganzen Saison verlangt. Wenig Untersteuerns und eine gute Traktion gehören hier normalerweise zu den Schlüsseln einer guten Rundenzeit."

So lief das Rennen im Vorjahr: GP Monaco 2010

2010 fuhr Red Bull in Monaco Kreise um die Konkurrenz. Webber gewann von Pole Position. Nachdem Sebastian Vettel schon am Start Robert Kubica überholen konnte, geriet der Doppelsieg nie in Gefahr. Interessanter lief das Rennen für Fernando Alonso. Nach einem Crash im Freien Training musste der Ferrari von ganz hinten starten. In einer sehenswerten Aufholjagd kämpfte er sich noch bis auf Rang sechs nach vorne.

Nach dem Rennen gab es noch einmal Aufregung, weil sich Michael Schumacher im Anschluss an eine Safety-Car-Phase in den Schlussrunden in der letzten Kurve an Alonso vorbeigedrückt hatte. Die Regelwächter sprachen daraufhin mit eine 20-Sekunden-Zeitstrafe gegen Schumi aus, die den Deutschen auf Platz zwölf zurückwarf. In unserer Fotogalerie haben wir noch einmal die schönsten Bilder vom Monaco-Rennen 2010.

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