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Rennanalyse GP Österreich 2016

War die Strafe für Rosberg gerecht?

Nico Rosberg - Mercedes - Formel 1 - GP Österreich - 3. Juli 2016 Foto: sutton-images.com 62 Bilder

Auf dem Red Bull Ring ging es nicht nur hoch und runter, sondern auch drunter und drüber. In unserer Rennanalyse sagen wir Ihnen, ob die Strafe für Rosberg gerecht war und welche Taktik sich beim GP Österreich ausgezahlt hat.

03.07.2016 Michael Schmidt 9 Kommentare

War die Rosberg-Strafe gerecht?

Mercedes-Teamchef Toto Wolff wollte sich bei der Schuldfrage nicht festlegen: „Zu einer Kollision gehören immer zwei.“ Die Mehrheit im Fahrerlager gab Nico Rosberg die Schuld. Die Sportkommissare auch. Sie verdonnerten Rosberg zu einer 10-Sekunden Strafe und zu zwei Punkten im Strafregister. Doch lagen sie damit richtig? Rosberg hatte ab Halbzeit des Rennens zunehmende Bremsprobleme. In den letzten zwei Runden stellte auch noch das Brake-by-wire seinen Dienst ein. Damit war die Bremsleistung weiter eingeschränkt. Rosberg behauptete nach dem Rennen, dass die Bremsprobleme für die Kollision keine Rolle gespielt hätten.

Das würde bedeuten, dass er sich absichtlich so weit nach außen treiben ließ, damit dem Angreifer die Straße ausgeht. So wie es Lewis Hamilton zuvor schon ein paar Mal mit ihm gemacht hatte. In Suzuka 2015, Austin 2015 und Montreal 2016. Es ist also legitim, wenn Rosberg das gleiche Spiel spielt. Der WM-Spitzenreiter hat dabei aber übersehen, dass Hamilton am Bremspunkt eine Nasenlänge Vorsprung hatte. Und dass er unter keinen Umständen zulassen würde, in der Auslaufzone der Remus-Kurve zu verhungern.

Rosberg musste damit rechnen, dass Hamilton nicht freiwillig zurücksteckt. Und wegen des knappen Vorsprungs sich strategisch in einer günstigeren Position befand. Denn damit war ein Kontakt Flügel gegen Reifen programmiert. Klar, dass da der Flügel eher nachgibt. Hamilton stellte im umgedrehten Fall immer sicher, dass Rad auf Rad trifft. Um im Notfall weiterfahren zu können. So hat sich Rosberg mit dem Hamilton-Trick selbst ausgetrickst. Muss man ihm deshalb eine Strafe geben? Das war überflüssig. Rosberg strafte sich selbst genug. Hätte er zurückgesteckt, hätte er jetzt 6 WM-Punkte mehr.

Warum änderte Mercedes Hamiltons Taktik?

Nach der Serie der ersten Boxenstopps war klar: Rosberg fährt mit zwei, Hamilton mit einem Stopp. Hamilton kam 11 Runden später zum ersten Reifenwechsel an die Box. Umso erstaunter war er, dass er in Runde 54 erneut an die Box gerufen wurde. Und dann für das Finale auch noch die härteren Reifen bekam. Hamilton vermutete sofort ein Schurkenstück. Deshalb die Nachfrage beim Renningenieur. Hätte er ein bisschen nachgedacht, musste ihm klar sein, dass er im Gegensatz zu Rosberg keinen frischen Satz Supersoft mehr in der Hinterhand hatte.

Doch war der Stopp überhaupt nötig? Die Mercedes-Ingenieure bestätigten hinterher, dass es Hamilton mit dem zweiten Satz bis ins Ziel geschafft hätte. Doch die letzten 10 Runden wären ihm wie 30 vorgekommen. Teamchef Toto Wolff liefert die Aufklärung: „Hätten wir Lewis draußen gelassen, wäre er zwar ins Ziel gekommen, aber Nico hätte ihn am Ende des Rennens mit seinen frischeren Reifen überrannt. Könnt ihr euch vorstellen, wie sich Lewis dann aufgeregt hätte?“

Nico Rosberg - Mercedes - Formel 1 - GP Österreich - 3. Juli 2016Foto: xpb
Nico Rosberg verlor den Frontflügel.

Hat Ferrari mit Vettel zu hoch gepokert?

Ferraris Plan A war ein Einstopprennen. Damit die aufgehen konnte, mussten es beide Fahrer mit dem ersten Satz Supersoft mindestens bis Runde 20 schaffen. Kimi Räikkönen kam in der 22. Runde an die Box. Und rutschte auf den sechsten Platz ab. Weil er auf den ausgelutschten Supersofts nicht unter 1.11 Minuten kam. Seine direkten Gegner Rosberg, Verstappen und Ricciardo waren auf den frischeren Reifen um bis zu zwei Sekunden pro Runde schneller unterwegs. Trotz dieser Erfahrung ließ Ferrari Sebastian Vettel auf der Strecke. Runde um Runde. Virtuell rutschte der Spitzenreiter im Vergleich zu den Mercedes und Red Bull immer weiter ab.

Man stellte sich die Frage, was es für Vettel durch das Ausharren auf der Strecke zu gewinnen gab. Der frischere Reifensatz am Ende des Rennens? Ein riskanter Schachzug, denn auch Vettel wäre nach dem Boxenstopp auf Platz 6 zurückgefallen. Und hätte dann viel Zeit im Verkehr verloren. Ferrari wusste auch, dass Räikkönens Reifen bereits stark abgefahren waren. Die Gummischicht betrug weniger als 30 Prozent. Spa 2015 hat gezeigt, dass die Pirelli-Reifen in diesem Zustand anfällig gegen jede Beschädigung von außen sind. Ein Stoß gegen einen Randstein. Ein Trümmerteil. Dass Vettel sich auf den Reifen noch wohlfühlte und die Temperaturdaten noch im grünen Bereich lagen, ist bei den Pirelli-Wunderkerzen kein Ruhekissen. Es war ein Risiko ohne Gegenwert.

Hat Hamilton unter Gelb überholt?

Die Szene ging in der Aufregung um die Kollision der Mercedes-Fahrer fast unter. Als Hamilton schließlich an Rosberg in seinem ramponierten Mercedes vorbeiging, wurde stationär eine gelbe Flagge gezeigt. Sie galt Sergio Perez, der seinen Force India nach einem Bremsdefekt im Kiesbett der Kurve 3 versenkt hatte. Komischerweise ging bei der Rennleitung kein Protest ein. Red Bull und Ferrari hätten bei einer Strafe für Hamilton profitiert. Auch die Rennleitung unternahm nichts. Auf Nachfrage bekamen wir die Antwort: „Rosberg fuhr sichtbar mit einem beschädigten Auto. Und er wurde deutlich langsamer. Man kann von den Fahrern dahinter nicht erwarten, dass sie nicht vorbeifahren.“

Sebastian Vettel - Ferrari - Formel 1 - GP Österreich - 3. Juli 2016Foto: sutton-images.com
Sebastian Vettel hatte einen Reifenplatzer.

Wie kam Verstappen vor Ricciardo?

Das Trainingsduell ging zum fünften Mal an Daniel Ricciardo. Doch im Rennen hatte Max Verstappen nun schon zum dritten Mal die Nase vorn. Der Platzwechsel fand gleich in der zweiten Runde statt. Und danach konnte Ricciardo nie mehr mit dem Holländer Schritt halten. Schlimmer noch: Ricciardo brauchte zwei Boxenstopps, Verstappen nur einen. „Ich wurde langsamer und langsamer und alle anderen um mich herum schneller und schneller. Ich muss so schnell wie möglich herausginden, warum das so war und ob es an mir lag“, ärgerte sich Ricciardo.

Verstappen ließ seine Taktik bis zum Schluss offen. „Ich war mir nicht sicher, ob es mit einem Stopp reicht und bin einfach so lange wie möglich gefahren und habe geschaut, ob die Reifen noch halten. Da der Speed aber bis kurz vor Schluss noch gut war, habe ich entschieden noch draußen zu bleiben.“ In der letzten Runde stand dem Wunderkind das Glück bei. Als Räikkönen gerade seinen Angriff plante, wurde wegen des Perez-Unfalls die gelben Flaggen gezeigt.

Neuester Kommentar

Für mich war die Strafe falsch. Wenn einer bestraft werden müßte dann derjenige der Auffährt, Basta.

Peter Backes 7. Juli 2016, 13:39 Uhr
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