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Vorschau GP Singapur 2012

Flutlicht-Spektakel mit Action-Garantie

GP Singapur 2011 Rennen Foto: Red Bull 53 Bilder

Mit dem Nachtrennen in Singapur biegt die Formel 1-Saison 2012 auf die Zielgerade ein. Unter Flutlicht will McLaren seine Siegesserie fortsetzen, um Fernando Alonso noch vom Thron zu stoßen. Bei Red Bull hofft man dagegen auf die Wende.

19.09.2012 Tobias Grüner

Im Vorjahr hatte Sebastian Vettel beim GP Singapur noch den ersten Matchball zum WM-Titel. In dieser Saison ist die Entscheidung in der Fahrer-Wertung noch weit entfernt – vor allem für den aktuellen Champion. Fernando Alonso führt die Tabelle nach 13 Rennen mit 37 Zählern Vorsprung an. Lewis Hamilton, Kimi Räikkönen und Sebastian Vettel streiten sich dahinter um die Rolle des ersten Verfolgers.

Mit dem GP Singapur steht nun eines der wichtigsten Rennen des Jahres auf dem Programm. Hier zeichnet sich traditionell ein erster Trend für den Endspurt im Titelkampf ab. Nach den beiden Highspeed-Strecken in Spa und Monza sind die Autos wieder mit deutlich mehr Abtrieb unterwegs. Um sich für die heiße Schlussphase der Meisterschaft zu rüsten, werden hier häufig die letzten großen Update-Pakete des Jahres präsentiert.

Vorschau Formel 1 GP Singapur 2012: Flutlicht-Spektakel mit Action-Garantie 1:26 Min.

Neben dem besonderen Streckenlayout müssen sich die Piloten jedes Jahr wieder an einen neuen Tagesrhythmus gewöhnen. Das Qualifying beginnt erst um 21:00 Uhr abends. Der Rennstart ist für 20:00 Uhr Ortszeit angesetzt. Die meisten Piloten bleiben einfach auf europäischer Zeit, damit sich der Körper nicht an die ungewohnte Belastung umstellen muss. Doch nicht jeder kann einfach durchschlafen, bis am Nachmittag der Wecker klingelt.

Die Strecke: Marina Bay Street Circuit

Der 5,073 Kilometer lange Kurs im Stadtteil Marina Bay führt die Piloten zu 70 Prozent über öffentliche Straßen. Entsprechend gering ist der Griplevel auf dem Asphalt. Regelmäßige tropische Regengüsse verhindern zudem, dass sich eine klebrige Gummischicht auf der Ideallinie bilden kann. Die vielen Bodenwellen machen den Ritt durch den Leitplankendschungel für die Piloten zur Tortur. Als wären Temperaturen von über 30°C und eine Luftfeuchtigkeit auf Sauna-Niveau nicht schon anstrengend genug.

Viele Stellen zum Ausruhen gibt es auf dem winkligen Stadtkurs mit seinen 23 Kurven nicht. Jeder Fehler kann in der Bande enden. Bei einer Rennzeit von fast zwei Stunden sinkt die Konzentration oft zum Rennende hin. Viele Fahrer bezeichnen den GP Singapur als das körperlich anstrengendste aller Rennen. Im Leitplankendschungel gibt es wenig Platz für Fehler und wenig Raum zum Überholen. Dank DRS und schnell abbauenden Pirelli-Reifen gab es im Vorjahr aber immerhin 54 Manöver zu sehen.

Fast Facts zum GP Singapur

  • Höchste Querbeschleunigung: 2,5g (für 3 Sekunden in den Kurven 22/23)
  • Längste Vollgaspassage: 650 Meter
  • Anteil der Bremsphasen an der Rundenzeit: 20 Prozent
  • Anteil der Geraden an einer Runde: 40 Prozent
  • Anzahl der Gangwechsel pro Runde: 81
  • Vollgasanteil auf einer Runde: 45 Prozent
  • Geringste Geschwindigkeit: 65 km/h
  • Höchste Kurvengeschwindigkeit: 300 km/h
  • Distanz von der Pole Position bis zur ersten Kurve: 300
  • Top-Speed: 305 km/h
  • Zeitverlust pro 10 Kilo Zusatzgewicht: 0,29 Sekunden
  • Reifenverschleiß: 3/5
  • Bremsenverschleiß: 3/5

Das Singapur-Setup:

Die Stop-and-Go-Charakteristik der Strecke führt in Verbindung mit den hohen Außentemperaturen zu einer hohen Bremsbelastung. Entsprechend groß müssen die Belüftungshutzen dimensioniert sein. Auch die Bremsbalance ist wichtig. Ein stabiles Auto in den Bremszonen bringt Vertrauen und Zehntel auf der Uhr. Die Einstellungen des Flügelwerks ist ebenfalls extrem. Die vielen rechtwinkligen Kurven verlangen maximalen Abtrieb. Obwohl es für einen Stadtkurs ungewöhnlich lange Geraden gibt ist Top-Speed zweitrangig.

Das Fahrwerk muss weich und hoch eingestellt werden, um die Bodenwellen und die Kerbs abzufedern und ein Aufsetzen zu verhindern. Wegen des hohen Spritverbrauchs sind die Autos am Start vollgetankt und sehr schwer. Aus den langsamen Kurven ist eine gute Traktion gefordert. Der Verschleiß ist vor allem auf den Hinterreifen überdurchschnittlich hoch. Zum Glück sinken die Asphalttemperaturen nach Sonnenuntergang und lindern damit den Reifenverschleiß.

Die Updates:

Nach dem Abschluss der Europasaison begibt sich der Formel 1-Zirkus wieder auf Reisen. Sieben Übersee-Rennen stehen noch auf dem Programm. Dazwischen bleibt kaum noch Zeit für große Entwicklungssprünge. Deshalb planen viele Teams ihre letzten große Technik-Offensive in Singapur. Verpufft die Wirkung, lässt sich das im engen Terminkalender kaum noch aufholen.

Ein besonders großes Paket hat Mercedes angekündigt. Bei den Rookie-Tests in Magny Cours wurden zuletzt ein neuer Auspuff, das Dreifach-DRS am Heckflügel und eine veränderte Motorabdeckung mit markanter Finne getestet. Auch die Konkurrenz macht keine Pause. Bei Red Bull, Sauber und McLaren sind ebenfalls größere Updates angekündigt. Lotus will einen neuen konventionellen Heckflügel ausprobieren, der eine deutlich bessere DRS-Wirkung haben soll.

Die Favoriten für Singapur:

Nach den zwei schnellen Rennen in Spa und Monza ist das Rätselraten groß. McLaren hat drei Erfolge in Serie auf dem Konto. Können Jenson Button und McLaren auch im verwinkelten Singapur triumphieren? Die Charakteristik der Strecke, die nach viel Abtrieb und einer guten Traktion verlangt, spricht eigentlich für Red Bull. Zuletzt schwächelte das Weltmeisterteam allerdings. Zudem ist immer noch unklar, ob die Lichtmaschinen-Probleme gelöst sind, die Sebastian Vettel schon zwei Ausfälle bescherten.

Ferrari war bei den letzten Rennen mit mehr Abtrieb nicht ganz bei der Musik. Wir erwarten, dass Fernando Alonso vom Angriffs-Modus in Monza wieder auf Punkte-Verteidigen umstellen muss. Spannend wird sein, ob Sauber oder Lotus wieder in den Kampf um die Podiumsplätze eingreifen können. Bei beiden Teams waren die Leistungen zuletzt etwas wechselhaft. Es kommt vor allem darauf an, wie gut die neuen Teile funktionieren.

Das gleiche gilt auch für Mercedes. Die hohe Belastung der Hinterreifen schmeckt dem Silberpfeil eigentlich nicht. Teamchef Ross Brawn hofft, dass die Probleme mit dem neuen Auspuff gelindert werden. Schlägt das Paket ein, sind Michael Schumacher und Nico Rosberg Kandidaten für das Podium. Wenn nicht, müssen sie sich mit Williams und Force India um die letzten Punkteplätze balgen.

Expertenmeinung – Paul Hembery (Pirelli-Sportchef)

Mit den  Mischungen Soft und Supersoft bringen wir die beiden gleichen Reifen nach Singapur wie im Vorjahr. Sie sind gut geeignet für die Anforderungen eines Stadtkurses. Singapur ist allerdings etwas ungewöhnlich: Es ist heiß und feucht, mit hohen Geschwindigkeiten, harten Bremsmanövern und vielen Kurven. In der Traktion und beim Bremsen werden die Reifen stark beansprucht.

Wegen des langen Rennens starten die Autos mit viel Sprit an Bord. Da müssen die Reifen vor allem zu Beginn des Rennens an ihre Belastungsgrenzen gehen. Es ist deshalb ratsam, im ersten Stint gut mit den Gummis zu haushalten. Die Strategie ist natürlich immer ein wichtiger Faktor – im vergangenen Jahr wurde das Rennen mit drei Stopps gewonnen – dabei ist allerdings anzumerken, dass es bisher in jedem GP Singapur eine Safety-Car-Phase gab. Das hat sicher auf die Pläne aller Teams Auswirkungen.

Das Rennen im Vorjahr – GP Singapur 2011

2011 war in Singapur schon alles bereit für die große Meisterfeier von Sebastian Vettel. Doch am Ende musste die Party verschoben werden. Der spätere Weltmeister erfüllte mit dem Sieg zwar seinen Teil, doch Jenson Button gab Rang zwei den Spielverderber. Vettel fehlte damit noch ein WM-Punkt. In einem taktisch geprägten Rennen ließ der Heppenheimer nichts anbrennen. Vom Start weg dominierte Vettel und ließ sich auch durch eine Schlussattacke Buttons nicht aus der Ruhe bringen.

Für mehr Schlagzeilen sorgten einige Kollisionen. Lewis Hamilton geriet wie so oft in der vergangenen Saison mit Felipe Massa aneinander. Beim Überholversuch schlitzte der McLaren dem Ferrari den Hinterreifen auf. Für Hamilton gab es eine Durchfahrtsstrafe, die er dank einer couragierten Aufholjagd bis auf Platz fünf am Ende noch ausbügeln konnte. Für Michael Schumacher endete seine Kollision nicht so glimpflich. Der Weltmeister knallte Sergio Perez ins Heck und segelte spektakulär in die Bande.

Die Bilder vom Rennen im Vorjahr haben wir in unserer Fotogalerie.

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