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GP Singapur

Die Gründe der Ferrari-Pleite

Fernando Alonso GP Singapur 2011 Foto: Ferrari 19 Bilder

Im Vorfeld des GP Singapur träumte Ferrari vom Sieg. Am Freitag war man nach dem Vergleich der Dauerläufe noch guter Dinge. Doch im Rennen reichte es für Singapur-Spezialist Fernando Alonso nicht einmal zum Podest. Der Ferrari tat etwas, dass er sonst nie tut. Er fraß seine Hinterreifen.

26.09.2011 Michael Schmidt

Die Monza-Pleite war gerade verdaut, da richtete Fernando Alonso seinen Blick nach vorne. "Wenn ich mir das Restprogramm anschaue, dann liegen unsere größten Siegchancen in Singapur." Der Optimismus hatte gute Gründe. "Wir waren stark in Monte Carlo, doch damals hatten wir noch kein so gutes Auto wie heute. Unser Ferrari ist auf langsamen Strecken, die viel Abtrieb verlangen, besser als auf den schnellen."

Piola-Technik: Updates am Ferrari F150 1:35 Min.

Ferrari hoffte in Singapur auf die Reifen

Das Freitagstraining von Singapur schien Ferraris Hoffnungen zu bestätigen. Im Vergleich der Dauerläufe lag Alonso auf Augenhöhe mit Sebastian Vettel. Was da noch keiner wusste: Vettel war mit deutlich mehr Benzin unterwegs. Schon am Samstag begann Ferrari ein Licht aufzugehen. Alonso musste eine absolute Chaosrunde auf den Asphalt zaubern, um in den Bereich von Webber, Button und Hamilton zu kommen. An Vettels Bestzeit war gar nicht zu denken. Trotzdem rechnete sich der zweifache Singapur-Sieger für das Rennen noch gute Chancen aus. "Unsere Stärke ist der schonende Umgang mit den Reifen. Je härter die Strecke für die Reifen, umso besser für uns."
 
Es sollte ein Trugschluss sein. Alonso stand schon nach zehn Runden an der Box, um seine extraweichen Reifen loszuwerden. Früher kam nur Nico Rosberg zum Service. Alonso hatte nach neun Runden 16,5 Sekunden auf Vettel und 5,7 Sekunden auf Jenson Button verloren. 2Ich bin nur herumgerutscht. Da haben die Reifen noch mehr überhitzt." Das hohe Benzingewicht in der Anfangsphase hat die Reifen zusätzlich gekillt. Hätte Ferrari am Freitag mit mehr Benzin im Tank geübt, wäre man vorgewarnt gewesen.

Rennen auf Hamilton ausgerichtet

Ferrari plante ab diesem Moment nur noch mit den Reifen der Marke "soft". Deshalb kam Alonso in der Safety-Car-Phase auch nicht an die Box, um neue Reifen auszufassen. Er hatte sich seine zweite Garnitur "soft" bereits vier Runden vorher abgeholt. Ein weiterer Wechsel während der Neutralisation hätte bedeutet, dass Alonso im Schlussturn wieder auf "supersoft" hätte wechseln müssen. Das war den Ferrari-Strategen zu heiß. Den Kampf mit Mark Webber um Platz drei hatte man bereits aufgegeben. "Wir haben unser Rennen auf Hamilton ausgerichtet. Risiko hätte uns nicht weiter nach vorne gebracht, höchstens noch hinter den McLaren geworfen."
 
Nach dem Rennen rätselte man im roten Lager, warum der Ferrari diesmal seine Stärke nicht ausspielen konnte. Einen so hohen Reifenverschleiß hatte man in dieser Saison nur einmal gesehen. Beim Saisonstart in Melbourne. Alonso differenzierte: "Schlimm war es nur bei den extraweichen Reifen. Mit den weichen Gummis lagen wir vom Abbau her auf einem Niveau mit Red Bull und McLaren. Nur leider mit einem Speed, der um sechs Zehntel bis eine Sekunde zu langsam war." Der WM-Dritte führte den ungewöhnlich starken Reifenverschleiß auf eine einfache Formel zurück: "Unser Auto hat zu wenig Abtrieb. Kein Grip bedeutet zuviel Rutschen. Und das heizt die Reifen auf." 

Neue Hinterradaufhängung stresst den Hinterreifen

Die Techniker sehen die Gründe in der Streckencharakteristik und den Asphalttemperaturen von konstant 34 Grad. Singapur geht wegen der vielen 90-Grad-Ecken auf die Hinterreifen. Eine Konstellation, die Melbourne nicht unähnlich ist. Und diesmal fuhr Ferrari wieder mit der neuen Hinterradaufhängung, die in Silverstone mit so viel Erfolg debütierte. Sie erlaubt mehr Federweg, stresst aber auf die Reifen mehr. Gut bei kühlen Temperaturen und auf Strecken, auf denen der Hinterreifen weniger stark belastet ist.
 
Ferrari und Alonso sind nun auch mathematisch aus beiden Titelrennen. Alonso will alles Mögliche tun, in der Fahrerwertung auf Platz zwei zu kommen. Er liegt einen Punkt hinter Button und zwei vor Webber. "Das wird schwer genug. Je nach Streckentyp gibt es noch ein paar Chancen, aufs Podest zu fahren. An Siege mag ich nicht mehr denken. Dafür ist der Red Bull zu stark. Wir müssen jetzt Ruhe bewahren und die Weichen für 2012 stellen." Ferrari wird Platz zwei im Konstrukteurspokal kaum noch erobern. McLaren ist schon 84 Punkte weg. "Und die haben zur Zeit das bessere Auto", bedauert Alonso.

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