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GP Singapur - Festival der Strafen

Kam Schumacher zu billig davon?

Michael Schumacher GP Singapur 2011 Foto: Daniel Reinhard 53 Bilder

Die Rennkommissare hatten beim GP Singapur viel zu tun. Sie spielten 17.500 Euro in die FIA-Kasse, doch in den entscheidenden Szenen fiel ihr Urteil entweder zu milde oder zu hart aus. Meinten wenigstens die Beteiligten.

26.09.2011 Michael Schmidt

Der GP Singapur war wieder so ein Rennen, bei dem der Zuschauer daheim auf der Couch der beste Schiedsrichter sein durfte. Jede Menge kontroverse Szenen, jede Menge schwierige Entscheidungen. Die FIA-Rennkommissare Tadovan Novak, Gerd Ennser, Harold Netto und Heinz-Harald Frentzen hatten im Verlauf der 61 Runden viel zu tun. Es brannte an allen Ecken und Enden. Und es hagelte Strafen. Andere kamen beinahe ungeschoren davon. Hinterher kam es im Fahrerlager zu hitzigen Diskussionen. Waren die Urteile alle gerecht?

Rosberg vs Massa erledige sich von selbst

Der Reihe nach. Den ersten Zwischenfall gab es gleich beim Start. Nico Rosberg hatte durch die Auslaufzone von Kurve eins abgekürzt und einen Platz gegen Felipe Massa gewonnen. Der Fall wurde in der Rennleitung kurz diskutiert. Doch in der Hektik der Startrunde ist es schwer, sich ein Video anzuschauen und gleichzeitig ein Auge auf dem Renngeschehen zu halten. Der Casus Rosberg erledigte sich dann von selbst. Als Felipe Massa sich daran machte, seinen Platz zurückzuerobern, leistete Rosberg wenig Gegenwehr.
 
Dann stand wieder einmal Lewis Hamilton im Blickpunkt des Geschehens. Der McLaren-Pilot bremste bei einem Angriff auf Massa zu spät und perforierte mit seinem Frontflügel den rechten Hinterreifen des Ferrari. Beide mussten zur Reparatur an die Box. Für beide war das Rennen um die vorderen Plätze gelaufen. Die Durchfahrtstrafe für Hamilton war vertretbar, auch wenn er alles versucht hatte, den Zusammenstoß noch zu vermeiden, als er merkte, dass es für einen Überholversuch nicht reicht.

Alguersuari mault wegen Durchfahrtsstrafe

Gleiche Strafe für Jaime Alguersuari. Der Spanier war dem Lotus von Jarno Trulli gegen den linken Hinterreifen gefahren, was den Lotus-Piloten zu einem außerplanmäßigen Boxenstopp zwang. Alguersuari beschwerte sich hinterher: "Ich weiß wirklich nicht, warum ich eine Strafe bekam. Trulli habe ich nur leicht berührt." Leicht oder schwer, spielt hier keine Rolle. Das Ergebnis war das gleiche wie bei Hamilton. Der Unfallgegner hatte den Schaden. Entweder man drückt bei Hamilton und Alguersuari beide Augen zu, oder man büßt beide.

Bruno Senna hätte vermutlich das gleiche wie Hamilton und Senna geblüht, doch seine Kollision mit Sergio Perez wurde erst nach dem Rennen abgewickelt. Da man dem Brasilianer keine Durchfahrtsstrafe mehr geben konnte, muss er 7.500 Euro zahlen. Die FIA-Kasse dankt es. Natürlich wollte Senna nichts gesehen haben, doch Perez bekam nach dem Re-Start am Ende der Safety-Car-Phase einen deutlichen Streifschuss links hinten.

Frentzen wurde überstimmt

Hätte die Rennleitung bei Nico Rosberg das gleiche Maß angelegt, wäre auch der Mercedes-Fahrer fällig gewesen. Rosberg war in der 28. Runde in der Zielkurve zu weit nach außen getragen worden, was Perez die Chance zum Angriff gab. Beim Bremsduell in die erste Kurve schob Rosberg den Mexikaner in die Auslaufzone. Eigentlich hätte er den Platzgewinn sofort rückgängig machen müssen. Ist aber nicht passiert. "Also ein ganz klarer Fall für eine Durchfahrtstrafe", urteilte Sauber-Teammanager Beat Zehnder. Angeblich hatte sich Frentzen im Gremium der Rennkommissare für eine Bestrafung ausgesprochen, wurde aber von seinen drei Kollegen überstimmt.
 
Der Zwischenfall mit Rosberg und Perez führte nahtlos zu der Szene, die nach dem Rennen die größten Wellen auslöste. Michael Schumacher überholte den Sauber-Piloten in der Luft. Die Kommissare beließen es nach einer Stunde Beratung und Anhörung der Beteiligten bei einer Ermahnung. Was der Altmeister als Missverständnis bezeichnete, sahen andere als klaren Fahrfehler oder Fehleinschätzung der Distanz. Und das nicht zum ersten Mal. Die Kritiker erinnerten an die Kollisionen mit Vitaly Petrov in Istanbul und Valencia und den Zusammenstoß mit Kamui Kobayashi in Silverstone.

Safety-Car rettet Schumachers Platzierung für Suzuka

Perez musste den kaputten rechten Hinterreifen wechseln lassen, hatte aber das Glück, dass er wegen der Safety-Car-Phase lediglich eine Position verlor. Vielleicht hat das Schumacher davor gerettet, in Suzuka nicht fünf Startplätze strafversetzt zu werden. Im Gegensatz zu Valencia und Silverstone, wo Schumacher seinen Fehler zugab, beharrte er diesmal darauf, dass es eher ein klassischer Rennunfall war, wie er in der Hitze des Gefechts eben passiert. Perez fuhr in der Mitte der Straße, und Schumacher erwartete offenbar, dass der Mexikaner noch nach links ziehen würde, um für die folgende Rechtskurve eine bessere Linie zu haben. Doch Perez blieb, wo er war.

Lotus muss 10.000 Euro zahlen

Peter Sauber ärgerte sich: "Michael muss bestraft werden. Was soll sich sonst der Hamilton dabei denken?" Der McLaren-Pilot hatte schon im Vorfeld gemutmaßt, dass in Bezug auf seine Person mit zweierlei Maß gemessen wird. Im Rückblick auf sein Duell mit Schumacher in Monza meinte er: "Hätte ich mir das erlaubt, wäre ich nicht ohne Strafe davongekommen." Komischerweise war der Zweikampf von Monza im Fahrerbriefing von Singapur kein Thema mehr. Als FIA-Rennleiter Charlie Whiting fragte, ob es noch Einwände zu Monza gäbe, blieb Hamilton stumm. Augenzeugen berichteten: "Er riskierte noch nicht mal einen Seitenblick zu Schumacher."

Zum Schluss gab es noch einmal Geld für den Verband. Lotus schickte beim letzten Boxenstopp Heikki Kovalainen in die Bahn von Sebastian Vettel. Da der Fahrer nicht sehen kann, wer hinter ihm in der Fastlane der Boxengasse heranbraust, muss das Team in die Tasche greifen. Lotus kostet der Fehler 10.000 Euro.

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