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Zweite Formationrunde killt Kupplung

Massa klaut Hamilton den Sieg

Lewis Hamilton - Felipe Massa - GP Ungarn 2015 Foto: xpb 66 Bilder

Lewis Hamilton hatte das perfekte Wochenende. Bis zum Start des Rennens. Da rutschte der Engländer auf Platz 4 ab. Weil die Kupplung zu heiß wurde. In der Folge reihte sich Fehler an Fehler. Nico Rosberg haderte mit einem untersteuernden Auto. Und einem unglücklichen Boxenstopp.

26.07.2015 Michael Schmidt

Es müssen schon viele Dinge passieren, dass Mercedes einen Grand Prix verliert. Die Konstellation vor dem GP Ungarn war für Lewis Hamilton und Nico Rosberg so gut wie sie nur sein konnte. Die beiden Silberpfeile starteten vereint aus der ersten Startreihe. Nach zwei Kurven lagen sie auf den Plätzen 3 und 4. Wie schon in Silverstone hatte ein schlechter Start die Konkurrenz zum Überholen eingeladen. In England war es Williams, in Ungarn Ferrari.

Hat Mercedes ein Startproblem?

Da stellt sich die Frage: Hat Mercedes ein Startproblem? "Wir machen es nicht absichtlich. So viel steht fest", bedauerte ein Ingenieur. "Aber man kann es so sehen. Unsere Starts sind zu wenig konstant. Wir hatten zuletzt Probleme mit der Kalibrierung der Kupplung." Oft reicht schon eine kleine Unregelmäßigkeit aus, um das komplizierte Zusammenspiel der Kräfte beim Start durcheinander zu bringen.

Teamchef Toto Wolff verrät, was Hamilton aus der Bahn geworfen hat. "Die zweite Formationsrunde hat die Kalibrierung der Kupplung zerstört. Sie wurde viel zu heiß und ist deshalb durchgerutscht." Spitzfindige Beobachter werden sagen: Felipe Massa hat Hamilton den Sieg geklaut. Es war der Brasilianer, der für den Abbruch des ersten Startversuchs gesorgt hatte. Er stand nicht richtig in seiner Startbox.

Hamilton macht zu viele Fehler

Hamilton war auch im Rennen der schnellste Mann auf der Strecke. Als der Trainingsbeste endlich mal frei fahren konnte, nahm er Sieger Sebastian Vettel zwischen drei und acht Zehntel ab. Doch der Weltmeister hatte einen rabenschwarzen Tag ausgefasst. Ein reihte einen Fehler an den anderen. Schon in der Startrunde kollidierte er mit Teamkollege Nico Rosberg, rodelte durch das Kiesbett der Schikane und stürzte auf Platz 10 ab. Danach fehlte dem Mercedes mit der Startnummer 44 ein Teil des Frontflügels. Der Gesamtabtrieb sank um ein Prozent.

Zu Halbzeit des Grand Prix sah es schon wieder ganz gut für den vierfachen Ungarn-Sieger aus. Hamilton lag hinter den beiden Ferrari und Nico Rosberg an vierter Stelle. Doch dann gingen dem WM-Spitzenreiter beim Re-Start nach der SafetyCar-Phase wieder alle Gäule durch. Als Daniel Ricciardo mit dem Vorteil der weicheren Reifen angriff, drängte Hamilton den Red Bull von der Strecke und ramponierte sich den Frontflügel noch mehr.

Der Angriff auf Ricciardo wurde von der Rennleitung prompt geahndet. Hamilton musste sich zuerst einen neuen Frontflügel abholen und dann noch ein Mal strafweise durch die Box. Insgesamt verbrachte er bei sechs Stopps 2.07 Minuten in der Boxengasse. Noch während des Rennens zeigte Hamilton Einsicht. Er entschuldigt sich über Funk bei seiner Mannschaft für die vielen Blackouts.

In diesem Moment glaubte Hamilton, dass er ohne WM-Punkte nach Hause fahren würde. Doch dann krachte es weiter vorne im Feld und der fünffache Saisonsieger knöpfte sich mit seinen weichen Reifen noch einen nach dem anderen vor. Zum Schluss wurde er für den sechsten Platz noch mit 8 Punkten belohnt. Und er kam vor Rosberg ins Ziel.

12 Sekunden Zeit für die Reifenwahl

Die Vorstellung des Deutschen ist allen im Team ein Rätsel. Sein Mercedes untersteuerte auch im Rennen. Genau das, was Rosberg befürchtet hatte. Gut, er hatte das komplette Freitagstraining verloren, weil seine Mechaniker an der Vorderachse die Federn falsch eingebaut hatte. Aber im dritten Training fühlte sich das Auto wieder ganz gut an. Bis es in der Qualifikation ungewohnte Macken zeigte und nicht wieder geheilt werden konnte. "Wir wissen immer noch nicht, was an Nicos Auto falsch war", beteuerte Wolff.

Falsch war auf jeden Fall die Reifenwahl beim zweiten Boxenstopp. Rosberg hatte beim ersten Stopp von soft auf medium gewechselt. Eigentlich erwartete jeder, dass der WM-Zweite für das Finale wieder die weichen Sohlen bekommen würde. Zu aller Überraschung zogen die Mercedes-Mechaniker aber erneut die härtere Gummimischung auf. Dafür gibt es einen kuriosen Grund.

Als der Unfall von Nico Hülkenberg eine virtuelle Safetycar-Phase auslöste, befand sich Rosberg genau an der Boxeneinfahrt. Der Kommandostand reagierte blitzschnell, schoss sich damit aber ein Eigentor. "Bis Nico vor der Garage stand, hatten wir genau 12 Sekunden Zeit, die Reifen bereitzustellen. Es war aber nur ein Satz der harten Garnitur da", erklärten die Strategen. Um gleich Selbstkritik zu üben. "Diesen Ablauf müssen wir überdenken, sollte so etwas noch einmal passieren."

Neun Runden lang war Rosberg WM-Führender. Er lag auf Platz 2, Hamilton außerhalb der Punkteränge. Vor ihm Vettel, hinter ihm Ricciardo. Doch dann kollidierte auch der zweite Mercedes mit dem Red Bull-Piloten, der mit den weichen Reifen eine Trumpfkarte in der Hand hielt. Diesmal mit schwerwiegenden Folgen. Rosberg wurde der linke Hinterreifen aufgeschlitzt. Bis er an die Box zurückgehumpelt war, verlor er acht Plätze.

Auch wenn Rosberg noch Achter wurde, war es eine Niederlage. Statt Punkte auf den Teamkollegen gutzumachen, ließ er weitere 4 Zähler liegen. Für Mercedes war es eine neue Erfahrung. Zum ersten Mal seit 2013 landete kein Silberpfeil auf dem Podium. "Wenn man unsere vielen Zwischenfälle zusammenzählt, sind wir noch mit einem blauen Auge davongekommen", befand der Teamchef. Einer freute sich über die Mercedes-Niederlage. "Bernie Ecclestone kam nach dem Rennen zu uns ins Motorhome, um sich zu bedanken", juxte Wolff.

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