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Grand Prix Gebühren

Das zahlen die F1-Veranstalter

Bernie Ecclestone Foto: Wolfgang Wilhelm 20 Bilder

Die ständig steigenden Zahlungen an die Rechte-Inhaber gefährden auch traditionelle Grand Prix-Rennen. Wir sagen Ihnen, was die 17 Veranstalter in der kommenden Saison an Gebühren abführen müssen.

24.01.2009 Michael Schmidt

Die Reihen lichten sich. In den letzten 15 Jahren haben sich neun Länder aus dem Formel 1-Kalender verabschiedet. Durchweg Schauplätze mit Tradition:Argentinien (20 Grand Prix), Südafrika (23), Portugal (16), USA (51), San Marino (26), Österreich (26) und Mexiko (15) wurde das Gastspiel der Formel 1 zu teuer.
 
2009 trifft es zwei der treuesten Veranstalter. Nach 40 Jahren Zugehörigkeit muss Kanada passen. Montreal konnte keine Bankgarantie über 26 Millionen Dollar beschaffen. Auch Frankreich wirft das Handtuch. 17 Millionen Dollar Antrittsgeld sind in einem Provinznest wie Magny-Cours nicht refinanzierbar. Seit 1950 fehlte das Land, in dem das erste Autorennen stattfand, nur ein einziges Mal. Dass jetzt der Vorhang fällt, ist so, als würden die French Open in Paris ihren Platz im Tenniskalender verlieren.

Neue Märkte im nahen und fernen Osten

Bernie Ecclestones Roadshow macht heute lieber in Bahrain, Malaysia, China, Singapur, in der Türkei und in Abu Dhabi Station. Korea, Indien und Russland stehen auf der Warteliste. In keinem der neuen Märkte ist die Formel 1 richtig angekommen. Autorennen blieben trotz Grand Prix eine Randsportart. Singapur hat vielleicht eine Chance, was daran liegen könnte, dass in dem Stadtstaat ein multikulturelles Völkchen zu Hause ist.

Für die Inhaber der kommerziellen Rechte sind die Grand Prix mittlerweile die lukrativste ihrer fünf Einnahmequellen. Nach Berechnungen einer Agentur flossen 2008 aus diesem Topf rund 400 Millionen Dollar auf das Konto von CVC Capital Partners. Die TV-Verträge steuern demnach nur noch 380, die Bandenwerbung 120, der Paddock Club 150, Lizenzen und Verträge mit Partnern den Rest zum Gesamtumsatz von 1,3 Milliarden Dollar bei.
 
Bis vor zwei Jahren ging die Rechnung für die meisten Veranstalter noch auf. Man schrieb eine schwarze Null. Wer nach den jüngsten Preissteigerungen keine Regierung (Malaysia, Bahrain, Abu Dhabi, Türkei, Ungarn, Singapur), kein Bundesland (Australien, Belgien), keine Stadtverwaltung (Valencia) im Rücken hat oder wie Monte Carlo, Monza und Interlagos Sonderrechte genießt, schließt mit Verlust ab.

Deutsche Veranstalter schreiben rote Zahlen

In Hockenheim belastet der Grand Prix mit 5,3 Millionen Euro die Bilanz. Der Nürburgring geriet 2007 mit 9,8 Millionen in die Miesen. Das System, nach dem die Organisatoren zur Kasse gebeten werden, ist schwer durchschaubar. Es gibt eine riesige Preisspanne, die zwischen angeblich 45 Millionen Dollar für den Neuzugang Abu Dhabi und praktisch Null für den Klassiker in Monte Carlo liegt. Dort teilen sich der AC Monaco und CVC die Einnahmen der Bandenwerbung.

Normalerweise ist der Ticketverkauf die einzige Einnahmequelle für die Strecken. In Istanbul und Spa tritt Bernie Ecclestone selbst als Promoter auf, allerdings mit begrenztem Risiko. Er zahlt die Streckenmiete, die Politik das Antrittsgeld. Da reichen 30.000 Besucher am Sonntag, um mit Gewinn abzuschließen.
 
Im alten Europa fragt man sich längst: Wer ist der nächste? Der Standort Deutschland steht ganz oben auf der Liste. Der Preis für das Feld ist bei 20 Millionen Dollar angelangt. Jedes Jahr steigt das so genannte "hostage fee" um zehn Prozent Inflationszuschlag. Während der Nürburgring noch auf Zuschüsse über neun Millionen Euro des Landes Rheinland-Pfalz bauen kann, gibt es in Baden-Württemberg nichts zu holen. Ecclestone soll den Hockenheimern angeboten haben, ohne Strafe aus dem bis 2010 laufenden Vertrag zu kommen, doch da bekam die Rennstadt im Badischen plötzlich kalte Füße.

Angewiesen auf Subventionen

Man weiß zu gut, wie das in Bernies Reich funktioniert: einmal raus, immer raus. Deshalb bat man bis zum 15. März um Bedenkzeit und bastelt an einem Finanzierungsmodell. Nach Ecclestones Meinung sollte es überall so laufen wie in den Ländern, die sich neu bewerben. Die Regierung subventioniert den Grand Prix nach dem Vorbild Olympischer Spiele. Immerhin spült die Formel 1 der Region Hockenheim 37 Millionen Euro in die Kassen. Acht Millionen bleiben beim Fiskus hängen

Ecclestones Modell hat aber einen Haken. Mit einer Olympiade wird ein Land im Schnitt alle 40 Jahre beglückt. Die Grand Prix-Rechnung kommt jedes Jahr. Länder wie Korea oder Indien spielen das Spiel mit, weil ihnen ein Grand Prix Aufmerksamkeit bringt. Für jeden, dem in Europa die Luft ausgeht, steht anderswo einer Schlange. Indien wurde auf Wunsch von Ecclestone von 2010 auf 2011 verlegt. Offenbar wird dann erst ein Platz frei.

Forderung: günstigere Tickets, mehr Geld für die Teams

Teamsprecher Luca di Montezemolo fordert Ecclestone auf, die Preise zu senken. "Es kann nicht sein, dass ein GP-Besuch teurer ist als eine Weltreise." Andererseits fordert der Ferrari-Präsident von CVC eine höhere Ausschüttung. Passt das zusammen? Laut Montezemolo schon: "Bernie soll uns mehr vom Kuchen abgeben."
 
Das ist aber nicht so einfach. CVC muss einer externen Analyse zufolge jährlich rund 350 Millionen Dollar Zinsen an die Royal Bank of Scotland zahlen, die den Kauf der Formel 1-Anteile im Frühjahr 2006 finanziert hat. Für die Rechte-Inhaber geht die Kalkulation nur unter zwei Bedingungen auf: wenn die Veranstalter weiter so fleißig bezahlen und wenn die Teams nicht mehr als 50 Prozent von den Gesamteinnahmen abschöpfen.

Der Schlüssel, nach dem errechnet wird, welche Summen die Veranstalter an CVC entrichten müssen ist geheim. Nur wenige Zahlen sind belegt. Der Rest basiert auf Schätzungen. Die Ergebnisse einer Untersuchung haben wir für jedes Grand Prix Rennen zusammengefasst. Einfach die Fotoshow durchklicken!

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