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Grand Prix-Kalender 2013

Europa auf dem Rückzug

Mercedes GP Europa 2012 Foto: Mercedes 20 Bilder

Viele im Formel 1-Zirkus sind froh darum: Es gibt nur 19 Grand Prix im Kalender. Auch so ist Bernie Ecclestones Roadshow eine Knochenmühle. Zumal sich der Sport immer weiter von seinen Kernmärkten entfernt. Nur noch sieben der 19 Grand Prix finden in Europa statt.

12.03.2013 Michael Schmidt

Valencia hat das Handtuch geworfen. Zwei Grand Prix verträgt das wirtschaftliche klamme Spanien nicht. Trotz Fernando Alonso gehen die Zuschauerzahlen zurück. In Barcelona kamen im letzten Jahr 82.000 Besucher, in Valencia 52.000. Zu wenig, um Bernie Ecclestones horrenden Antrittsgelder zu bezahlen. Ursprünglich sollte Valencia Platz für New Jersey machen, doch auch mit dem Rennen vor der Skyline Manhattans gibt es Probleme. Es fehlen Genehmigungen und das nötige Kleingeld.

Kein Geld in Magny-Cours und Istanbul

Nach dem Aufschub von New Jersey auf 2014 machten sich Magny-Cours und Istanbul wieder Hoffnung. Bei Magny-Cours fehlten laut Alain Prost drei bis vier Millionen Dollar in der Finanzierung. Die Rückkehr der Formel 1 in die Türkei scheiterte an einer ähnlichen Summe. Den Großteil des so genannten "Host fee" wollte ein türkischer Autoverleiher beisteuern. Die Regierung hätte nur noch für fünf Millionen Dollar bürgen müssen, weigerte sich aber. Der Grand Prix am Bosporus war nie ein Erfolg.
 
Um ein Haar wären es nur 18 Grand Prix geworden in dieser Saison. Auch der GP Deutschland stand auf der Kippe. Hockenheim war das Risiko zu groß, jedes Jahr den Veranstalter zu spielen. Der Nürburgring konnte in der Phase der kontrollierten Insolvenz keine Antrittsgelder bezahlen. Erst am 5.Februar fiel die Standortentscheidung.

Gerüchten zufolge wurde folgender Deal geschlossen: Der Nürburgring bezahlt nichts, bekommt aber auch nichts. Sämtliche Ticketeinnahmen fließen in die Taschen der Rechteinhaber. Wer die Veranstaltungskosten trägt, bleibt ein Mysterium. Ecclestone wohl kaum. Vielleicht doch die Landesregierung von Rheinland Pfalz, die sich sicher sein kann, dass die rund drei Millionen Euro teure Investition doppelt und dreifach an Steuereinnahmen wieder reinkommt.

Immer weniger Rennen in Europa

Der Trend jedenfalls ist unverkennbar. Zwölf der 19 Grand Prix finden außerhalb von Europa statt. Mit Barcelona, Monte Carlo, Silverstone, dem Nürburgring, Hungaroring, Spa-Francorchamps und Monza gibt es nur noch sieben Aufrechte aus der ehemaligen Formel 1-Hochburg Europa. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, wie sich die Auftritte des GP-Zirkus demographisch gewandelt haben. Vor 40 Jahren gab es 15 Rennen pro Jahr und zehn davon in Europa.

Dazu wurde 1973 in Südafrika, Argentinien, Brasilien, USA und Kanada gefahren: Alles Kernländer des Motorsports. Heute finden Rennen in Malaysia, China, Bahrain, Abu Dhabi, Indien, Singapur und Korea statt. Da konnte man das Wort Formel 1 vor 40 Jahren noch nicht einmal buchstabieren. Das Traurige dabei: Mit Ausnahme von Singapur hat die Formel 1 nirgendwo auf den neuen Märkten Fuß gefasst.

Wer macht für Sotschi und New Jersey Platz?

Der Trend immer häufiger in fernen Ländern anzutreten, weil nur noch die bereit waren, hohe Antrittsgelder zu bezahlen, begann erst vor zehn Jahren. Selbst 2003 fanden noch zehn der 16 Rennen in Europa statt. Dann setzte die Erosion ein. Zuerst erwischte es Österreich, dann San Marino, dann Frankreich, schließlich den GP Europa, der über die Jahre von Jerez über den Nürburgring nach Valencia zigeunert war.

Im nächsten Jahr stehen Sotschi und New Jersey bereit. Muss man Angst haben, dass Europa ein weiteres Rennen verliert? Vielleicht nicht. Ecclestones Hochpreispolitik funktioniert auch in Übersee nicht mehr reibungslos. Singapur handelte letztes Jahr mit Ecclestone einen empfindlichen Preisnachlass aus. Die Grand Prix in Korea und Indien drohen ein wirtschaftlicher Reinfall zu werden. Beide sind privatwirtschaftlich finanziert. Auch Malaysia und China fahren Verluste. Vielleicht muss Ecclestone eines Tages doch wieder dorthin zurückkehren, wo die Fans sitzen. Nach Europa.

Strecken-Statistiken:

Längste Gerade: Yeongam, 1250 m
Meiste Kurven: Marina Bay Circuit, 23
Ältester Grand Prix: GP England, 13. Mai 1950
Jüngster Grand Prix: GP Indien, 30. Oktober 2011
Meiste Grand Prix: Monza, 62
Wenigste Grand Prix: Austin, 1
Schnellster Grand Prix 2012: GP Italien: 230,994 km/h
Langsamster Grand Prix 2012: GP Malaysia: 112,969 km/h
Längste Strecke: Spa-Francorchamps, 7,004 km
Kürzeste Strecke: Monte Carlo, 3,340 km
Meiste Zuschauer 2012: GP England, 125 000
Wenigste Zuschauer 2012: GP Bahrain, 17 000
Meiste Boxenstopps 2012: GP Malaysia, 76
Wenigste Boxenstopps 2012: GP USA, 24
Höchster Spritverbrauch: Nürburgring, 68 Liter/100 km
Geringster Spritverbrauch: Interlagos, 58 Liter/100 km
Größter Vollgasanteil: Monza, 72 %
Geringster Vollgasanteil: Monte Carlo, 34%

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