Ein Jahr nach dem Skandalrennen von Singapur sorgte die nächtliche Wettfahrt im asiatischen Stadtstaat erneut für ein besonderes Spektakel. Sechs Ausfälle, zwei Durchfahrtsstrafen und eine Safety-Car-Phase würfelten das Klassement gehörig durcheinander. Von allem unberührt fuhr Lewis Hamilton den Sieg von der Pole Position überlegen nach Hause.
"Das war wirklich ein toller Tag. Ich wollte den Fehler von Monza unbedingt wieder ausmerzen. Ich denke das ist auch ganz gut gelungen", erklärte der glückliche Gewinner. "Schon am Start konnte ich wegziehen und wusste, dass ich mehr Sprit hatte als meine Verfolger. Das war sehr beruhigend."
Glock mit bester Saisonleistung
Erster Verfolger des Weltmeisters war einer, mit dem man vorher nicht unbedingt gerechnet hatte. Timo Glock gelang nach Malaysia erneut der Sprung auf das Podium. "Das war ein supergutes Rennen", freute sich der Deutsche. "Wir haben alles richtig gemacht. Ich hatte eine gute erste Runde und konnte mich an Fernando Alonso vorbeizwängen. Am Ende habe ich etwas den Überblick verloren und habe mit den weichen Reifen noch Gas gegeben. Dann hat mir das Team erst gesagt, dass ich sicher auf Rang zwei stehe." Eine Woche vor dem Toyota-Heimspiel in Suzuka hätte der plötzliche Erfolg kaum passender kommen können.
Der Odenwälder fuhr ein fehlerfreies Rennen und hatte dabei auch das nötige Glück. Red Bull-Konkurrent Sebastian Vettel beraubte sich selbst aller Chancen, als er bei seinem zweiten Boxenstopp etwas zu schnell unterwegs war. Trotz der fälligen Durchfahrtsstrafe rettete der junge Heppenheimer am Ende noch Rang vier.
"Das war ein bisschen schade heute, zumindest Zweiter hätten wir werden können", klagte Vettel anschließend. Den Strafzettel in der Box wollte der WM-Dritte nicht wahrhaben: "Meiner Meinung nach war ich weder bei der Einfahrt noch bei der Ausfahrt zu schnell. Das müssen wir jetzt checken."
Alonso denkt an Flavio Briatore
Neben Glock profitierte auch Fernando Alonso vom Fehler Vettels. Nach seinem Skandalsieg im Vorjahr war der Spanier erneut dabei, als auf dem Podium der Champagner floss. "Nach der schwierigen Zeit war das ein wichtiger Erfolg für das Team. Wir haben die Geschichte nun hinter uns und schauen in die Zukunft." Dann machte der zweifache Weltmeister noch eine etwas übrraschende Aussage: "Ich widme dieses Ergebnis auch Flavio Briatore. Er hat bestimmt zuhause zugeschaut und er hat seinen Anteil an diesem Erfolg."
Auch das Brawn-Duo konnte zufrieden sein. Von weit hinten gestartet rollten Jenson Button und Rubens Barrichello im Parallelflug auf den Plätzen fünf und sechs durchs Ziel. Damit vergrößerte Button seinen Vorsprung auf den Teamkollegen auf 15 Zähler. Am Ende musste im Brawn-Lager allerdings noch gezittert werden. Die Bremsen beider Piloten gaben bedenkliche Rauchzeichen ab. Konkurrent Mark Webber hatte kein Glück. Seine Bremsen gaben in der 46. Runde auf. Der Australier rutschte in die Bande.
Die letzten beiden Punkteplätze sicherten sich Heikki Kovalainen (McLaren) auf Rang sieben und Robert Kubica (BMW-Sauber) auf Position acht. Für die anderen Deutschen Piloten lief das Rennen dagegen nicht nach Plan. Adrian Sutil drehte sich beim Versuch am Toro Rosso von Jaime Alguersuari vorbeizukommen über den Randstein. Gerade als er wieder losfahren wollte, fuhr ihm Nick Heidfeld über den Frontflügel.
Heidfeld und Sutil kollidieren
Der BMW-Pilot verbog sich die Aufhängung und rollte in die Auslaufzone. Sutil versuchte das Rennen zunächst noch einmal mit einer neuen Nase fortzusetzen, musste kurze Zeit später aber auch aufgeben. "Ich musste es probieren, weil er so unglaublich langsam war", erklärte Sutil seinen misslungenen Angriff auf Alguerusari. "Wir haben so viel Zeit verloren und ich hab dort meine Chance gesehen - hat leider nicht geklappt."
Der Crash zwischen Sutil und Heidfeld hatte auch noch für einen dritten Deutschen negative Folgen. Nico Rosberg verbremste sich bei der Boxenausfahrt und erhielt für das Überfahren der weißen Linie eine Durchfahrtsstrafe. Nach dem Unfall schickte die Rennleitung das Safety-Car für vier Runden auf die Strecke, wodurch das Feld wieder zusammengeschoben wurde. Nach dem Absitzen seiner Strafe fiel Rosberg von Rang zwei bis auf Platz 14 zurück und musste seine Podiumsträume begraben. Am Ende fuhr er als Elfter durchs Ziel.
| Pilot | Team | Zeit/ Rückstand |
|---|---|---|
| 1. Lewis Hamilton | McLaren-Mercedes | 1:56.06.337 Std. |
| 2. Timo Glock | Toyota | + 0:09.634 Min. |
| 3. Fernando Alonso | Renault | + 0:16.624 Min. |
| 4. Sebastian Vettel | Red Bull | + 0:20.261 Min. |
| 5. Jenson Button | Brawn GP | + 0:30.015 Min. |
| 6. Rubens Barrichello | Brawn GP | + 0:31.858 Min. |
| 7. Heikki Kovalainen | McLaren-Mercedes | + 0:36.157 Min. |
| 8. Robert Kubica | BMW-Sauber | + 0:55.054 Min. |
| 9. Kazuki Nakajima | Williams | + 0:56.054 Min. |
| 10. Kimi Räikkönen | Ferrari | + 0:58.892 Min. |
| 11. Nico Rosberg | Williams | + 0:59.777 Min. |
| 12. Jarno Trulli | Toyota | + 1:13.009 Min. |
| 13. Giancarlo Fisichella | Ferrari | + 1:19.890 Min. |
| 14. Tonio Liuzzi | Force India | + 1:33.502 Min. |
| 15. Jaime Alguersuari | Toro Rosso | Ausfall |
| 16. Sebastien Buemi | Toro Rosso | Ausfall |
| 17. Mark Webber | Red Bull | Ausfall |
| 18. Adrian Sutil | Force India | Ausfall |
| 19. Nick Heidfeld | BMW-Sauber | Ausfall |
| 20. Romain Grosjean | Renault | Ausfall |





