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Grand Prix-Tagebuch 2011 - Teil 1: Melbourne

Doppelter Fehlstart in die Saison

GP Australien 2011 Foto: Grüner 28 Bilder

In unserem Grand Prix-Tagebuch bieten wir Ihnen einen Blick hinter die Kulissen der Formel 1. Hier erzählen die auto motor und sport-Redakteure, was Ihnen auf den 19 Rennen des Jahres alles passiert ist. Teil 1: Melbourne - Doppelter Fehlstart in die Saison

01.12.2011 Tobias Grüner

Die Formel 1-Saison begann mit einem Fehlstart. Statt in Bahrain ging es erst zwei Wochen später in Melbourne los. Ich konnte mich gar nicht genug bei den Demonstranten im arabischen Inselstaat bedanken. Nach den anstrengenden Wochen der Testfahrten kam die Verschnaufpause gerade recht. Doch dann ging es doch noch früher als geplant los.

Am Montagmittag (21.3.) meldete sich plötzlich mein Reisebüro: Der Flug über Bangkok nach Melbourne am nächsten Tag wurde gestrichen. Einfach so. Danke noch einmal liebe Thai für den Stress. Das war dann auch mein letzter Flug mit Euch! 24 Stunden später zu fliegen und damit den ganzen Presse-Donnerstag zu verpassen, kam nicht in Frage. Also blieb mir nur, eine Maschine früher zu nehmen.

Die Büro-Arbeit wurde direkt eingestellt. 30 Minuten mit der S-Bahn nach Hause. 30 Minuten Koffer packen. 30 Minuten mit der S-Bahn zurück zum Bahnhof. Eine Stunde ICE nach Frankfurt. Und schon saß ich im 20.55 Uhr-Jumbo nach Bangkok. Essen hatte ich vergessen. Dafür war ich immerhin müde genug, um den Flug nach Osten fast komplett zu verpennen.

Stuttgart - Melbourne in 34 Stunden

Das Problem an der neuen Verbindung war nur die Wartezeit: Mehr als elf Stunden musste ich auf dem Flughafen "Suvarnabhumi" totschlagen. Um in die Airline-Lounge zu kommen, fehlte mir leider die notwendige Gold-Karte. Also vertrieb ich mir mit Starbucks, Duty-Free-Shops, Internet-Terminals, diversen Büchern und Magazinen sowie anthropologischen Studien der vorbeiziehenden Reisegruppen die Zeit.

34 Stunden und 15 Minuten nachdem ich in den ICE nach Frankfurt gestiegen bin, setzte die Maschine auch schon in Melbourne auf. Es war übrigens gerade halb zwei am Mittwoch-Mittag. Meine innere Uhr sagte irgendetwas anderes. Die Laune sollte sich auch beim Anblick des Hotelzimmers nicht verbessern. Wegen der Wucherpreise zum Rennwochenende wurde ich in einer besseren Jugendherberge untergebracht. Ich war nur froh, dass es eine Dusche im Zimmer gab. Die wurde erst einmal ausgiebig getestet.

FIA-Pass mit Startproblemen

Ohne das eigentlich notwendige Power-Napping ging es direkt per Taxi von Downtown zum Hotel Parkview am Albert Park. Hier müssen alle Journalisten vorbei, um sich die Saisonakkreditierung abzuholen. Das kleine rote FIA-Kärtchen mit dem eingebauten Mikrochip ist die Eintrittskarte zum Fahrerlager. Zum Saison-Auftakt gab es allerdings noch einige Probleme. Am Samstag streikte bei mir das Drehkreuz, was mit einer kurzen Neuprogrammierung behoben werden konnte. Immerhin hatte man bei mir das richtige Bild und den richtigen Namen eingespeichert. Dieses Glück hatten nicht alle Kollegen.

Am Abend gab es dann endlich etwas Vernünftiges zu essen. Zusammen mit Sky-Moderatorin Tanja Bauer, Sauber-Teammanager Beat Zehnder, unserem langjährigen Wegbegleiter Roger Benoit vom Schweizer Blick, Fotograf Daniel Reinhard, auto motor und sport-Kollege Michael Schmidt und unserer einheimischen Melbourne-Expertin Maria Harris ging es ins legendäre Restaurant von Vlado Gregurek. Nur so viel: Vegetarier sollten sich die Bildergalerie nicht anschauen.

China-Dinner mit Sebastian Vettel

Der Donnerstag begann mit der traditionellen Saisonauftaktveranstaltung von Mercedes. Neben der üblichen Fragestunde mit den Fahrern gab es auch noch ein kniffliges Quiz, bei dem das Formel 1-Wissen der Journalisten abgefragt wurde. Der auto motor und sport-Reporter erreichte zwar das Stechen um den Sieg. Bei der Frage, wo das letzte Grand Prix-Rennen vor dem zweiten Weltkrieg stattfand, blieb dem Autor dieser Zeilen jedoch nur ein Schulterzucken. Die Auflösung gibt es in der Fotogalerie. An dieser Stelle noch einmal Gratulation an den Kollegen Anno Hecker von der FAZ.

Beim Abendessen leistete uns niemand geringeres als Sebastian Vettel Gesellschaft. Ich weiß nicht, was der chinesische Koch dem Heppenheimer ins Essen gemischt hat, geschadet hat es auf jeden Fall nicht. Vettel räumte in Melbourne die erste Pole Position und den ersten Sieg des Jahres ab. Damals war die Begeisterung noch groß. Man konnte ja nicht ahnen, dass der Finger auf dem Podium schnell zur Gewohnheit wird.

Sorgenkinder: HRT und McLaren

Sportlich gab es einige andere interessante Geschichten. Die spannendste Frage lautete zunächst: Wird HRT sein Auto-Puzzle rechtzeitig zusammenbauen? Nachdem die Spanier schon die Testfahrten ausgelassen hatten, reichte es am Ende gerade so für den Einsatz in der Qualifikation. Die 107 Prozent-Marke konnten Liuzzi und Karthikeyan aber nicht knacken. Und so wurde es nichts mit dem Start im Rennen.

Das zweite Drama spielte sich bei McLaren ab. In den Wintertests dümpelten die silberglänzenden Autos noch irgendwo im Mittelfeld herum. Die Ingenieure hatten ein furchtbar kompliziertes Auspuff-System entwickelt, das sie aber selbst noch nicht verstanden hatten. In Melbourne versuchte man das Ruder mit einer eiligst zusammengedengelten Interimsversion herumzureißen.

Aus Zeitmangel verwendete man dabei einen Diffusor aus Metall und nicht wie üblich aus isoliertem Carbon. Trotz des Gewichtsnachteils war der MP4-26 plötzlich wie verwandelt. Lewis Hamilton fuhr auf Rang zwei und träumte schon wieder vom WM-Titel. Doch daraus wurde bekanntlich nichts.

Neben Sebastian Vettel hieß der große Sieger in Melbourne Pirelli. Nach furchtbaren Prognosen über die geringe Lebensdauer der Reifen hatte es Sauber-Pilot Sergio Perez tatsächlich geschafft, mit nur einem Boxenstopp über die Runden zu kommen. Nach dem Rennen kam Pirelli-Sportchef Paul Hembery extra noch bei Peter Sauber vorbei, um sich zu bedanken und den Schweizern zu den Plätzen sieben und acht zu gratulieren.

FIA beendet Sauber-Party

Doch die Stimmung im Sauber-Lager sollte sich bald trüben. Als die Tequila-Gläser schon wieder von den Tischen geräumt waren, verbreitete sich plötzlich die Nachricht, dass es Probleme bei der FIA-Abnahme gebe. Die Kontrolleure um Joe Bauer hatten bemängelt, dass der Radius eines Heckflügelelements nicht den Regeln entspreche. Die Punkte für Sauber wurden gestrichen. Dafür rückten die Force Indias in die Top Ten.

Um halb drei Uhr Nachts waren endlich alle Geschichten im Kasten. Nur noch ein paar arme Japaner harrten im Pressezentrum aus, als ich den Feierabend einläutete. Am Flughafen gab es am Montag dann doch noch eine nette Überraschung. Fotograf Peter Nygaard aus Dänemark wedelte am Check-in-Schalter mit seiner goldenen Meilenkarte und überzeugte die netten Thai-Damen, die beiden Sitze neben meinem Fensterplatz zu blocken. Der Flieger war nur halb voll und so konnte ich mich lang machen und Schlaf nachholen.

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