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Grand Prix-Tagebuch 2011 Teil 12: Belgien

Schumi-Party unter dem Regenbogen

Impressionen GP Belgien 2011 - Spa-Francorchamps Foto: Daniel Reinhard 22 Bilder

In unserem Grand Prix-Tagebuch bieten wir Ihnen einen Blick hinter die Kulissen der Formel 1. Hier erzählen die auto motor und sport-Redakteure, was Ihnen auf den 19 Rennen des Jahres alles passiert ist. Teil 12: GP Belgien - Schumi-Party unter dem Regenbogen.

12.12.2011 Tobias Grüner

Mit dem Grand Prix von Belgien meldete sich die Formel 1 Ende August aus der Sommerpause zurück. Von Sommer konnte in diesem Jahr allerdings keine Rede sein. Die Pirelli-Regenreifen waren zur Saisonmitte im Dauereinsatz. Nach Kanada, Silverstone und dem Nürburgring wurden die profilierten Gummis auch in Spa wieder aufgeschnallt. Aber damit muss man in den Ardennen immer rechnen.

Schon auf der Anfahrt bekamen wir die Naturgewalten zu spüren. Heftige Regenschauer und starke Windböen schüttelten unseren Citroen C5 ordentlich durcheinander. An der Strecke wurde es nicht besser. Die Wolken zogen tief durch die Ardennen. Gemütlich ist anders.

Boullier im Verteidigungsmodus

Das große Thema am Donnerstag war der Rauswurf von Nick Heidfeld bei Renault. Über der Box hing zwar noch das Namensschild des Mönchengladbachers, doch Bruno Senna stand längst in den Startlöchern. Im Renault-Motorhome war eine Presserunde mit Teamchef Eric Boullier angesetzt. Es gab Klärungsbedarf. Vor allem die deutschen Journalisten servierten dem Franzosen eine kritische Frage nach der anderen. Boullier reagierte sichtlich genervt.

Renault hatte sich aber auch selbst ins Knie geschossen. Weder den Fans noch den Pressevertretern war es glaubhaft zu vermitteln, warum man den nach Punkten erfolgreicheren Fahrer rausgeworfen hat. "Die Verpflichtung von Bruno Senna hat keine finanziellen Hintergründe", erklärte Boullier. Beim nächsten Rennen in Monza kamen übrigens vier neue Sponsoren. So viel zum Thema.

Großer Bahnhof im Mercedes-Motorhome

Nach dem verregneten Freitag traf sich das halbe Fahrerlager bei Mercedes. Michael Schumacher hatte eingeladen und servierte ein kleines Kölsch-Fass. Der Rekordchampion feierte 20 Jahre in der Formel 1 – und das am Ort seiner Grand Prix-Premiere. Klar, dass das Mercedes-Motorhome aus allen Nähten platzte. Sogar Rubens Barrichello war gekommen. Als der Brasilianer ein Jahr zuvor an gleicher Stelle seinen 300. GP feierte, war Schumi übrigens ferngeblieben.

Zum 20. wurde Schumacher mit Geschenken überhäuft. Von Mercedes gab es ein gerahmtes Bild aus Gruppe C-Zeiten. Ferrari überreichte eine Motorhaube, die mit einer netten Widmung versehen war. Der Regen an Präsenten dauerte bis zum Sonntag an. Die belgische Radlegende Eddie Merckx überreichte dem Kerpener noch auf der Startaufstellung ein Rennrad. Als Gegenleistung verteilte Schumi spezielle T-Shirts an Freunde und Weggefährten.

Als die Gäste am Freitagnachmittag die Mercedes-Party verließen, wanderten die Blicke nach oben. Am Himmel hatte sich ein farbenfroher doppelter Regenbogen gebildet, der sich quer über das Fahrerlager spannte. Das komplette Fahrerlager strömte an die Fenster und auf die Balkone, um das seltene Naturschauspiel zu bewundern.

Blasenprobleme bei Red Bull

Für die Piloten und Teams war das Wetter allerdings der größte Feind an diesem Wochenende. Eine richtig trockene Fahrspur bildete sich erst am Ende des Qualifyings. Und prompt gab es Probleme. Bei einigen Teams bildeten sich Blasen an den Innenseiten der Vorderreifen.

Wir hatten uns am Samstagabend schon gewundert, warum das Briefing bei Red Bull ewig dauerte. Mehr zufällig stellte ich Sebastian Vettel später noch die Frage nach den Blasen. Doch der Heppenheimer wollte zu diesem Zeitpunkt noch nicht zugeben, dass es ein größeres Problem ist. Erst vor dem Rennen war klar, dass Red Bull sogar kurz überlegte, aus der Boxengasse zu starten, um ein sichereres Setup zu wählen.

Reifenchef Paul Hembery wollte den Schwarzen Peter für das Blasenproblem nicht annehmen. Er deutete an, dass einige Teams mit extremen Werten beim Radsturz experimentiert hatten. Namen wollte der Engländer nicht nennen. Es war aber klar, dass es sich dabei nur um Red Bull handeln konnte.

Selten habe ich so viel Hektik am Sonntag vor einem Rennen erlebt. Red Bull fragte sogar bei der FIA nach, ob man die "beschädigten" Reifen einfach gegen Neue austauschen könne. Doch dagegen protestierte die Konkurrenz. Mit einem flauen Gefühl im Magen entschied man sich dann doch für den Start. Am Ende zahlte sich das Risiko aus. Vettel gewann das Rennen. Wie schwierig die Entscheidung war, konnte man Adrian Newey am Gesicht ablesen. Der Technikchef vergoss nach der Zieldurchfahrt sogar ein paar Tränen.

Hamilton sorgt zwei Mal für Schlagzeilen

Neben Red Bull gehörten die Schlagzeilen nach dem Rennen in Spa mal wieder Lewis Hamilton. Eine Kollision mit Kamui Kobayashi bugsierte ihn ins Aus. Im Qualifying hatte sich der McLaren-Pilot am Tag zuvor schon mit Pastor Maldonado angelegt. Es waren nicht die ersten Zwischenfälle dieser Art in der Saison. Teamchef Martin Whitmarsh verteidigte seinen Schützling nach dem Rennen noch. Später am Abend räumte Hamilton seinen Fehler dann ein und entschuldigte sich per Twitter bei Kobayashi und seinem Team.

Erst um 22 Uhr waren alle Geschichten und Bildergalerien im Netz und wir konnten uns endlich auf den 400 Kilometer Heimweg nach Stuttgart machen. Muss ich eigentlich erwähnen, dass es pünktlich zur Abfahrt wieder anfing zu regnen?

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