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Grand Prix-Tagebuch 2011 Teil 13: GP Italien

Bunga Bunga in Arcore

Impressionen GP Italien 2011 - Monza Foto: Grüner 30 Bilder

In unserem Grand Prix-Tagebuch bieten wir Ihnen einen Blick hinter die Kulissen der Formel 1. Hier erzählen die auto motor und sport-Redakteure, was Ihnen auf den 19 Rennen des Jahres alles passiert ist. Teil 13: GP Italien - Bunga Bunga in Arcore.

13.12.2011 Tobias Grüner

In Italien feierte die Formel 1 Mitte September den Abschied von der Europa-Saison. Wie immer düste ich zusammen mit Kollege Michael Schmidt im Dauertestwagen Richtung Süden. Anstatt langweilig auf der Autobahn querten wir die Alpen über den spektakulären Splügen-Pass. Unser riesiger E-Klasse-Kombi war aber leider nicht gerade das ideale Gefährt für die Hatz durch die engen Serpentinen.

Gut gelaunt machten wir uns am Donnerstag auf den Weg ins Fahrerlager. Die Tifosi waren schon vier Tage vor dem Rennen in Scharen in den königlichen Park zu Monza gepilgert. Die Begeisterung der Fans kannte auch in den Ferrari-Krisenzeiten keinen Abbruch. Die Stimmung ist jedes Jahr einmalig. Da macht es auch nichts, dass man sich mit dem Auto mühsam durch die Menschenmassen zum Presseparkplatz kämpfen muss.

Online-Redakteur ist offline

Im Fahrerlager war es mit der guten Laune aber schnell vorbei. Mein Computer machte Mucken. Aus irgendeinem Grund wollte sich meine betagte Dell-Mühle partout nicht mit dem W-Lan im Pressesaal verbinden. Ein Anruf bei der Firmen-IT in Stuttgart brachte genauso wenig Erkenntnisse wie die stundenlangen Diskussionen mit dem Technik-Experten in Monza. Irgendwann gaben alle auf.

Ich wollte das Notebook nur noch aus dem Fenster werfen. Da wir direkt über der Mercedes-Box untergebracht waren, wäre es bei meinem Glück wohl Michael Schumacher auf den Kopf geknallt. Dabei war ich nicht der einzige mit Kommunikationsproblemen. Das Netzwerk brach am Wochenende zwei Mal komplett zusammen, die Übertragungsgeschwindigkeiten waren unterirdisch. Nach zahlreichen Beschwerden entschied sich der Veranstalter, den Journalisten wenigstens die Gebühr für den Internetzugang zurückzuzahlen. An der Geldausgabe im Pressezentrum bildete sich eine lange Schlange.

Sauber-Pressesprecher Hanspeter Brack fand meine Probleme scheinbar auch noch witzig. Er nannte mich das ganze Wochenende den "Offline-Redakteur". Es blieb nur eine Lösung: Ich musste mir den Computer mit dem Kollegen Schmidt teilen. Sein MacBook machte zum Glück keine Mucken. In der hektischen Phase direkt nach dem Rennen mussten wir uns arrangieren. Irgendwie schafften wir es die Arbeitsabläufe so anzupassen, dass wir uns nicht in die Quere kamen.

Obwohl der Grand Prix jede Menge Storys produzierte, dauerte die Nachberichterstattung nur eine halbe Stunde länger als sonst. Zu berichten gab es viel: Zum Beispiel über den grandiosen Kampf von Michael Schumacher gegen Lewis Hamilton, über das sensationelle Überholmanöver Sebastian Vettel gegen Fernando Alonso mit zwei Rädern auf der Wiese, über die vielen Crashs oder über den doppelten Getriebe-Ausfall bei Sauber.

Berlusconi-Villa um die Ecke

Neben dem sportlichen Geschehen war vor allem Silvio Berlusconi das große Thema im Fahrerlager. Zusammen mit vielen anderen Medienvertretern wohnten wir in dem kleinen Städtchen Arcore, in dem auch Berlusconis berühmte Bunga Bunga-Villa steht. Am Freitag fanden wir endlich heraus, wo sich das sagenumwobene Party-Haus genau befindet. Es war nicht schwer zu erkennen: Drei Autos der Carabinieri sicherten das Anwesen.

Nach drei Gläsern Bier fragten wir auch das Personal in unserem Hotel neugierig, was es mit der Villa auf sich hat. Zu unserer Überraschung war eine der Kellnerinnen sogar schon einmal bei einer der "Veranstaltungen" dabei und konnte uns einige interessante Anekdoten erzählen. Leider kann ich nicht mehr darüber erzählen, sonst steht die Mafia bei mir zuhause vor der Tür.

Erst Weltuntergang dann Knöllchen

Am späten Sonntagabend machten wir uns etwas müde auf den 500 Kilometer langen Heimweg. Das Navi berechnete unsere Ankunftszeit auf 3:47 Uhr. Das sollten wir allerdings nicht ganz schaffen. Zunächst behinderte das Wetter ein schnelles Vorankommen. Über Norditalien und der Schweiz ging die Welt unter. Blitze zuckten durch die Nacht. Heftige Regenfälle verwandelten die Autobahn in einen Sturzbach. Tempo 50 war angesagt.

Als wir das Wetterchaos endlich hinter uns hatten kam uns zehn Kilometer vor dem Ziel in Stuttgart auch noch die deutsche Staatsmacht in die Quere. Mitten in der Nacht um kurz vor vier lauerte dein Freund und Helfer hinter dem Autobahntunnel in Leonberg auf unvorsichtige Autofahrer. Ich kenne niemanden, der um diese Uhrzeit auf der dreispurigen trockenen Strecke mit Standstreifen und nullkommanull Verkehr die 100 km/h-Begrenzung einhält.

Leider wurden auch wir mit erhöhtem Tempo von dem Laser erwischt und direkt von den freundlichen Beamten aus dem Verkehr gewunken. Nach einer weiteren halben Stunde Wartezeit, bis endlich alle Personalien aufgenommen waren, fiel ich halbtot ins Bett. Um acht Uhr klingelte der Wecker schon wieder. Die Arbeit rief. In der Redaktion wurde ich endlich wieder zum Online-Redakteur.

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