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Grand Prix-Tagebuch 2011 Teil 14: GP Singapur

Vettel-Party bleibt in der Schublade

Impressionen - GP Singapur 2011 Foto: Grüner 28 Bilder

In unserem Grand Prix-Tagebuch bieten wir Ihnen einen Blick hinter die Kulissen der Formel 1. Hier erzählen die auto motor und sport-Redakteure, was Ihnen auf den 19 Rennen des Jahres alles passiert ist. Teil 14: GP Singapur - Vettel-Party bleibt in der Schublade.

14.12.2011 Tobias Grüner

Mit dem Grand Prix von Singapur verabschiedete sich die Formel 1-Saison aus Europa. Der Übersee-Endspurt wurde eingeläutet. Die große Frage des Wochenendes lautete: Steigt die große Meisterfeier von Sebastian Vettel schon hier oder muss die Sause auf Japan verschoben werden.

Da man bei Red Bull in diesem Jahr mit allem rechnen musste, hatte ich das Vettel-Spezial-Paket schon rechtzeitig vorbereitet. Der Weg zum Titel, die Bilder seiner Karriere, die Highlights des Jahres - alles fertig in der Schublade. Doch die Artikel mussten noch einmal zwei Wochen warten. Auch die vom Team geplante Fete fiel aus. Der Rennstall hatte entsprechende Räumlichkeiten bereits reserviert. Am Ende gab es für Vettel nur eine nächtliche Runde im Riesenrad, um das Wochenende ausklingen zu lassen.

Am Heppenheimer selbst lag es nicht. Mit seinem ersten Sieg beim prestigereichen Nachtrennen tat er sein Möglichstes. Doch die Konkurrenz spielte einfach nicht mit. Ein Punkt fehlte dem Weltmeister in spe damals. Jenson Button gab den Spielverderber. Man sah dem Engländer die Freude förmlich an, dass er seinem Gegner wenigstens einmal in dieser Saison die Tour vermasselt hatte. Mit seinem Sieg in Japan zwei Wochen später ärgerte Button Vettel erneut. Den Titel verhindern konnte er aber nicht mehr.

Nachtschicht in Singapur

Ansonsten erwartete uns der übliche Singapur-Wahnsinn. Die Sitzungen waren wie immer auf die späten Abendstunden gelegt. Bis die Arbeit getan war und man das Fahrerlager verlassen konnte, war meistens schon ein neuer Tag angebrochen. Nach dem Rennen wurde es sogar drei Uhr nachts (oder morgens?). Wir ließen uns zu den letzten offenen Imbiss-Stuben der Stadt chauffieren. Doch als das Taxi schon um die Ecke war, merkten wir, dass der Fahrer uns im muslimischen Viertel abgesetzt hatte. Auf das Feierabend-Bier mussten wir somit verzichten.

Alle Piloten, Mechaniker, Ingenieure und Journalisten versuchten so gut wie möglich in der europäischen Zeit zu bleiben. Als bekennender Langschläfer hatte ich damit kein Problem. Nur das nervige Hotelpersonal konnte einen zum Wahnsinn treiben. Selbst eindeutige Hinweiszettel an der Tür hielten die Housekeeping-Damen nicht davon ab, mal kurz zu klopfen und nachzufragen, ob man das Zimmer nicht vielleicht doch gesäubert haben will.

Der einzige, der mal wieder einen eigenen Weg ging, war mein Kollege Michael Schmidt. Aus irgendeinem Grund stellt sich seine innere Uhr immer sofort auf Lokalzeit, sobald der Flieger landet. Vielleicht eine Auswirkung von 30 Jahren in der Formel 1. Zum Ärger der Angestellten im Fahrerlager klopfte der F1-Experte immer schon um kurz nach zehn an der Tür zum Pressezentrum. Die ersten Kollegen kamen meist erst mehrere Stunden später.

Ungewohnte Sperrstunde sorgt für Verwirrung

Normalerweise kann der frühe Vogel in der Formel 1 so manchen Wurm fangen. In Singapur war das aber nicht so. Die 2011 eingeführte Sperrstunden-Regel verbannte sämtliche interessante Gesprächspartner bis zum Nachmittag aus dem Fahrerlager. Die Regel wurde eingeführt, damit die Teams nicht bis tief in der Nacht an den Autos arbeiten. Da sich Tag und Nacht in Singapur umkehren, mussten sich Mechaniker, Ingenieure und andere Team-Angestellte in Singapur bis zum frühen Nachmittag von den Autos fernhalten.

Das klappte wegen der ungewohnte Zeiten aber nicht ganz. Die FIA kam ständig mit neuen Strafzetteln für Teams, die aus Versehen gegen die Regeln verstoßen hatten. Mal waren es unachtsame Marketing-Mädels (wie bei Mercedes), mal war es der Teamchef höchstpersönlich (Toro Rosso), die die Drehkreuze zum Fahrerlager zu früh passierte. Die meisten hielten sich jedoch daran, was zum Ende der Sperrstunde zu langen Schlangen am Fahrerlager-Eingang führte.

Tägliche Taxi-Lotterie

Den spannendste Teil des Tages hatte man am Fahrerlager-Eingang aber schon hinter sich. In der Taxifahrer-Lotterie zog ich in diesem Jahr wieder einige Nieten. "Can't go. All roads closed", hieß die Standardantwort auf die Bitte, die Rennstrecke anzusteuern. Nach drei Jahren kenne ich den Weg mittlerweile in- und auswendig. Und so dirigierte ich meine Chauffeure zumeist selbst per Handzeichen durch das Labyrinth an Straßensperren und U-Turns. Nervig wurde es nur, wenn die Fahrer sich partout nicht an meine Anweisung halten wollten.

Am Rennsonntag reichten aber auch meine Ortskenntnisse nicht mehr aus. Die Stadt war komplett verstopft. Es blieb nur die Fahrt mit der U-Bahn - was in Singapur nicht ganz unkompliziert ist. Es steht nämlich nirgends geschrieben, dass man sich eine Chipkarte besorgen und erst Guthaben aufspielen muss, bevor man in den Zug einsteigt. Und wie heißt die Station, die dem Formel 1-Kurs am nächsten ist? Und wo kann ich meine größeren Scheine in Kleingeld wechseln, um die dusselige Maschine zu füttern?

Zum Glück half mir irgendwann ein netter ÖPNV-Angestellter mit Rat und Münzen aus der Misere. Zwar standen an allen Bahnhöfen, dass die gewünschte Station in der Nähe der Rennstrecke gesperrt war, doch am Ende konnte ich ganz normal mit den hunderten Formel 1-Fans an der gewünschten Haltestelle aussteigen.

Frostiger Empfang in München

Apropos aussteigen: Das Verlassen des Lufthansa-Airbus nach der Landung in München klappte leider nicht so reibungslos. Die Gangways waren aus irgendeinem Grund nicht funktionsfähig. Und so wurde der frisch aus den Tropen eingeschwebte Flieger über Treppen und Busse evakuiert. Bei gefühlten Minusgraden morgens kurz nach sechs froren sich einige den Allerwertesten ab. Im Gegensatz zu manch anderem Passagier hatte ich immerhin keine Flipflops an.

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