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Grand Prix-Tagebuch 2011 Teil 19: GP Brasilien

Endspurt am ersten Advent

Impressionen GP Brasilien 2011 Foto: dpa 34 Bilder

In unserem Grand Prix-Tagebuch bieten wir Ihnen einen Blick hinter die Kulissen der Formel 1. Hier erzählen die auto motor und sport-Redakteure, was Ihnen auf den 19 Rennen des Jahres alles passiert ist. Teil 19: GP Brasilien - Endspurt am ersten Advent.

20.12.2011 Tobias Grüner

Formel 1 am ersten Advent. Wann hat es das zuletzt gegeben. Dank Bernie Ecclestones Expansionsstrategie war auch Ende November noch nicht Schluss mit Grand Prix-Rennen. Als 19. und damit letzter Akt stand Sao Paulo auf dem Spielplan. So richtig Lust hatte keiner mehr. Die lange Saison war für alle anstrengend. Die frühen Entscheidungen in Sachen WM-Titel und die eher langweiligen Rennen im letzten Saisondrittel taten ihr Übriges.

Nebel in Zürich sorgt für Stress

Beinahe hätte ich mir den Mittwoch in Sao Paulo erspart. Mein Zubringerflug von Stuttgart nach Zürich hatte fast eine Stunde Verspätung. Die Schweiz meldete Nebel. Das Bording für den Flug nach Brasilien war für 22:10 Uhr angesetzt. Um 22.20 Uhr landete unsere Maschine schließlich. Ich hatte mich schon auf eine gemütliche Nacht im Flughafenhotel eingestellt, da erwartet mich am Ende der Treppe ein netter Herr vom Flughafenpersonal mit einem "Sao Paulo"-Schild.

Normalerweise dauert der Weg von einem Außenparkplatz über den Euro-Terminal zum internationalen Abflugbereich (inklusive Pass- und Sicherheitskontrolle) mindestens 20 Minuten. Nun ging es auf schnellstem Wege per Auto über das Rollfeld. Ich wurde zusammen mit meinem Koffer eingeladen und am Gate der schon wartenden A340 nach Sao Paulo wieder rausgeworfen. Der Koffer ging direkt an der Ladeluke in den Frachtraum, ich düste in den Lift hoch zum Boarding.

Die Maschine war bereits voll. In der Businessklasse warteten bereits alle auf den Abflug. Darunter jede Menge Prominenz aus der Formel 1. Jeder schaute mich vorwurfsvoll an, warum ich denn so spät kam. Mit wiederholtem "Sorry"-Gemurmel schlich ich den Gang herab bis in die Economy-Klasse. Eigentlich darf in Zürich wegen des Nachtflugverbots nur bis elf Uhr gestartet werden. Meine Uhr zeigte 23.02 Uhr, als der Flieger endlich abhob. Nach dem ganzen Stress war ich nun aber immerhin müde genug, um den nervigen Nachtflug zu verpennen.

Tomczyk, Ogier und Kubica verpasst

Trotzdem steigt man in Brasilien immer komplett gerädert aus dem Flieger aus. Zu allem Überfluss wartet dann immer noch die endlose Schlange an der Passkontrolle. Nach der halbstündigen Taxifahrt zum Hotel dann der nächste Niederschlag. Das Zimmer war noch nicht frei. Zum Glück hatte Kollege Michael Schmidt schon am Vortag eingecheckt. So konnte ich kurz bei ihm die Dusche ausprobieren.

Während ich gemütlich im Flugzeug geschlafen hatte, blieb die Motorsportwelt nicht stehen. BMW verkündete die Verpflichtung von Martin Tomczyk. VW hatte sich die Dienste von Sebastien Ogier gesichert. Und Robert Kubica ließ mitteilen, dass er 2013 noch nicht bereit für das Comeback ist. Um die Renault-Pressemitteilung gab es am restlichen Wochenende aber noch viel Ärger. Kubica Manager Daniele Morelli hatte über italienische Medien den Vorwurf geäußert, dass man seine Worte verfälscht hätte. Wieder einmal gab Renault kein gutes Bild ab.

Transferkarussel sorgt für Spekulationen

Das spannendste Thema in Brasilien war der Transfermarkt. Die Journalisten umkreisten die Pavillons von Renault, Force India und Williams wie Geier. Alle drei Teams hielten sich beim Thema Fahrerpersonal für 2012 noch bedeckt. Und so wurde munter spekuliert. Ich hatte gehört, dass Kimi Räikkönen schon vor Abu Dhabi mit Renault-Teamchef Eric Boullier telefoniert hatte. Doch Experte Christian Danner, der normalerweise einen guten Draht zum Team besitzt, versicherte mir "tausendprozentig", dass Renault mittlerweile begriffen habe, dass Kimi in der aktuellen Lage nicht weiterhilft. Eine erfahrene Kollegin wollte mir sogar eine Wette anbieten, dass das Fahrerduo für 2012 auf jeden Fall Senna und Grosjean heißt. Wie wir mittlerweile wissen, kam es doch irgendwie anders.

Bei Force India hieß das Problem Adrian Sutil. Mit jeder guten Vorstellung schien das Team mehr ins Grübeln zu kommen. Man hatte sich eigentlich schon für Hülkenberg und Di Resta entschieden. Doch plötzlich fuhr Sutil alles in Grund und Boden. Der Bayer sicherte dem Rennstall aus Silverstone Platz sechs im Konstrukteurspokal fast im Alleingang. Mit dem sechsten Rang in Sao Paulo gab es als persönliche Belohnung noch den Sprung auf Rang neun in der Fahrerwertung. Will man so einen Fahrer ziehen lassen? Anscheinend war sich auch das Team nicht sicher. Bis Mitte Dezember wurde diskutiert.

Vettel: "Sorry Nigel"

Bei Red Bull fand die Party schon vor dem Rennen statt. Sebastian Vettel feierte die 15. Pole Position der Saison. "Sorry Nigel", grinste er mit einem angeklebten Schnauzbart in die Kameras, nachdem er dessen Qualifyingrekord aus dem Jahr 1992 übertroffen hatte. Im Rennen verließ den Heppenheimer dann das Glück. Ein undichtes Getriebe ließ ihm im Kampf gegen Teamkollege Webber keine Chance und bescherte dem Australier den ersten Sieg.

Nach dem Rennen herrschte Chaos im engen Fahrerlager. BBC-Experte Eddie Jordan stürmte die Presserunde von Stefano Domenicali und klaute den verdutzten Reportern die Aufnahmegeräte. Bei Red Bull versuchte man aus alter Tradition einen Renault-Motor hochzujagen, was allerdings auch mit größter Anstrengung nicht gelang. Rubens Barrichello machte bei allen Journalisten Werbung in eigener Sache. Er wolle unbedingt weiterfahren. Das sollte jeder wissen.

Dann gab es noch die versöhnende Umarmung von Felipe Massa und Lewis Hamilton. Der Engländer wollte vor der Winterpause reinen Tisch machen. Und als der Feierabend schon nahte, kam auch noch Virgin und machte die längst bekannte Verpflichtung von Charles Pic plötzlich offiziell. Nur noch zwei Japaner verließen nach uns das Pressezentrum von Sao Paulo. Trotzdem waren auf der Fahrt zum Hotel alle erleichtert, dass die Saison endlich vorbei war. Der erste Advent war mittlerweile übrigens ebenfalls vorbei.

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