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Grand Prix-Tagebuch 2011 Teil 9: England

Gummizellen-Feeling im Pressesaal

Impressionen GP England 2011 - Silverstone Foto: Grüner 26 Bilder

In unserem Grand Prix-Tagebuch bieten wir Ihnen einen Blick hinter die Kulissen der Formel 1. Hier erzählen die auto motor und sport-Redakteure, was Ihnen auf den 19 Rennen des Jahres alles passiert ist. Teil 9: GP England - Gummizellen-Feeling im Pressesaal.

09.12.2011 Tobias Grüner

Anfang Juli stand mit dem Grand Prix von England ein weiterer Klassiker auf dem Programm. In diesem Jahr reisten die Journalisten besonders gespannt nach Silverstone. Im Zuge der umfangreichen Renovierungsarbeiten wurde die Start-Ziel-Gerade mitsamt Boxenanlage verlegt. Nun begann das Rennen nicht mehr zwischen Woodcote und Copse sondern zwischen der Club-Corner und der neugestalteten Abbey-Kurve.

Das riesige neue Boxengebäude mit dem auffälligen Dach war schon aus weiter Entfernung zu sehen. Eine ganze Armee von Ordnern half uns dabei, den Medienparkplatz im Inneren der Strecke zu finden. Um alle Gäste und Journalisten von den weit entfernten Parkflächen zum Fahrerlager zu verfrachten, wurden Shuttle-Busse eingesetzt. Normalerweise handelt es sich dabei um kleine Vans mit maximal sieben Sitzen. In Silverstone pendelten riesige Linienbusse auf den schmalen Wegen im Infield hin und her.

Kritik am Medienzentrum und an der Boxengasse

Der erste Weg führte natürlich direkt ins Pressezentrum. Dabei traf uns fast der Schlag: Konnte man früher noch bequem vom Sitzplatz auf die Strecke schauen, saß man nun in einem kargen, fensterlosen Raum. Nur noch die VIP-Gäste genossen den Blick auf die Zielgerade. In dem komplett in Weiß gehaltenen Pressesaal kam schnell Gummizellen-Feeling auf. Nach dem Protest der Medienvertreter wurden immerhin die vier Fluchttüren zum Gang geöffnet. So gab es wenigstens etwas Tageslicht.

Nach dem ersten Schock galt es die neue Anlage genauer zu inspizieren. Dabei fiel besonders die neu gestaltete Boxengasse ins Auge. Irgendein spaßiger Architekt hatte zwischen den Garagen und der Zielgerade eine Grünfläche eingebaut. Der Rasen hatte zwar nicht ganz Golfplatz-Qualität, gab dem ganzen aber etwas Charme. Die Fotografen waren zufrieden.

Bei den Teams kam das ungewohnte Grün direkt vor der Haustür allerdings nicht gut an. Der Weg von der Box zur Mauer wurde damit deutlich länger. Anstatt den Raum für eine breite Boxengasse zu nutzen, war der Fahrstreifen fast so klein dimensioniert wie in Monte Carlo. Außerdem konnten die Fans von der Tribüne auf der Gegenseite die letzten beiden Boxen nicht erkennen, in denen ausgerechnet die beiden Top-Teams McLaren und Red Bull untergebracht waren. Weil die Garagen rund zweieinhalb Meter unterhalb der Boxenmauer lagen, versperrte die Mauer den Blick.

Zu Gast in der Mercedes-Fabrik

Für einige deutschsprachige Journalisten ging es am Donnerstag vor dem Rennen noch in die Mercedes-Fabrik im nahegelegenen Brackley. Technikdirektor Bob Bell führte die kleine Delegation stolz durch die verschiedenen Entwicklungsabteilungen und beantwortete geduldig eine Frage nach der anderen. Besonders interessant fand ich dabei die Materialproben: Es ist unfassbar, wie schwer ein kleines Ballast-Element aus Wolfram ist. Leider war das Fotografieren in dem Hochsicherheitstrakt verboten. In den Windkanal durften wir gar nicht. Hier wurden schon die ersten Teile für das 2012er Auto getestet. Dabei war noch nicht einmal Saisonhalbzeit.

Zurück an der Rennstrecke holte uns die Gegenwart schnell wieder ein. Das große Thema des Wochenendes war der Auspuff-Krieg. Zuerst wurde das heiße Anblasen verboten. Dann wurde das Verbot auf Protest von Red Bull wieder zurückgenommen. Später wurde es dann doch wieder untersagt. Streitpunkt waren vor allem die Auswirkungen der neuen Regeln auf die Motorhaltbarkeit. Dabei galt es die Unterschiede zwischen den Aggregaten mit Drosselklappen-Einspritzung und denen mit Walzenschiebern zu beachten. Noch nie im Leben habe ich so viel über Motorentechnik gelernt.

Selbst die Bild-Zeitung widmete dem Streit eine gesamte Seite. Ich bin bis heute davon überzeugt, dass 99 Prozent der Leser schon beim Wort "Walzenschieber" ausgestiegen sind. Am Ende gaben Ferrari und Sauber klein bei - um des Friedens Willen. Sauber sollte die Entscheidung noch bereuen. Ohne den entsprechenden Auspuff befanden sich die Schweizer in der zweiten Saisonhälfte ständig in der Defensive.

Alonso sorgt für einzigen Ferrari-Sieg

Silverstone blieb das einzige Rennen, in dem das Anblasen des Diffusors im Schleppbetrieb verboten war. Und prompt gewann mal nicht Sebastian Vettel. In einem spannenden Rennen sicherte sich Fernando Alonso den Sieg. Ferrari sprach plötzlich wieder vom WM-Titel. Doch am Ende sollte es der einzige Erfolg für die Italiener werden.

Nach dem Rennen sprach allerdings keiner mehr von Alonso. Red Bull beherrschte wieder einmal die Schlagzeilen. Der Kommandostand hatte Mark Webber befohlen, in den letzten Runden keinen Angriff mehr auf seinen Teamkollegen Sebastian Vettel zu starten. Webber war sauer und ignorierte die Anweisung. Die Fans waren ebenfalls sauer. Sie witterten Stallregie.

In den Tagen nach dem Rennen wurde viel über Webbers Zukunft spekuliert. Auch ein Rauswurf schien im Bereich des Möglichen. Da es unter den Red Bull-Junioren aber keine passende Alternative gab, wurde der Vertrag mit dem Australier nur zwei Rennen später um ein weiteres Jahr verlängert.

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