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Grand Prix Tagebuch Mexiko 2016

Vettel sorgt für Nachtschicht

Impressionen - F1 Tagebuch - GP Mexiko 2016 Foto: sutton-images.com 37 Bilder

In ihren Grand Prix Tagebüchern liefern die auto motor und sport Reporter persönliche Eindrücke vom Arbeitsalltag an einem Formel 1-Wochenende. In Folge 19 berichtet Tobias Grüner, was hinter den Kulissen beim GP Mexiko abgegangen ist.

19.12.2016 Tobias Grüner

Von Houston nach Mexiko City ist es zum Glück nur ein kleiner Hüpfer. Der Anflug auf die Mega-Metropole quer über die Stadt bietet immer wieder faszinierende Ausblicke. Minutenlang schwebt der Flieger über Häuser. Soweit das Auge reicht ist alles verbaut. Und am Horizont, dort wo die Häuser irgendwann aufhören, ragen riesige Vulkane weit über 5.000 Meter in den Himmel.

Man will eigentlich gar nicht landen. Was einen auf dem Boden erwartet ist nämlich alles andere als sehenswert. Die Straßen sind chronisch verstopft. Es ist laut. Es stinkt. Und die Kriminalität ist hoch. Die Taxi-Fahrt vom Flughafen ins Hotel führte über Schlaglöcher und vorbei an abbruchreifen Fassaden. Ein echtes Kontrastprogramm zur Formel 1 Hightech-Glitzerwelt.

Hotel ohne Anschluss

Nachdem wir 2015 fast 200 Euro für ein Zimmer in einem Mittelklasse-Hotel bezahlt haben, konnten wir dieses Jahr dank gutem Timing bei der Buchung für 60 Euro pro Nacht in einem Ibis wohnen. Doch ein Zettel im Aufzug verhieß nichts Gutes: Es gebe Probleme mit dem Wifi, die nicht in den Händen des Hotels liegen, stand da. Man versuche den Fehler so schnell wie möglich zu beheben.

Die Nachfrage an der Rezeption, wie lange der Internet-Ausfall denn noch dauere, wurde mit einem Schulterzucken beantwortet. „Maybe tomorrow. Maybe next week“, so die unbefriedigende Aussage. Natürlich wurde das Problem in den 6 Tagen unseres Aufenthalts nicht behoben. Wenn Sie also mal nach Mexiko City wollen – buchen Sie nicht das Ibis Styles Hotel in der Zona Rosa!

Für die Fahrt an die Strecke nahmen wir wie schon im Vorjahr Jahr die U-Bahn. Da wir antizyklisch unterwegs waren – morgens stadtauswärts, abends stadteinwärts – hielt sich das Gedrängel in Grenzen. Am Nachbargleis in Gegenrichtung war dagegen immer Sardinen-Feeling in den komplett überfüllten Wagen angesagt. Immerhin ist die U-Bahn zuverlässig und billig. Für die halbstündige Fahrt musste man umgerechnet 23 Cent berappen.

Show-Kämpfe im Fahrerlager

An der Strecke erwartete uns schon am Mittwoch eine Überraschung. Die Veranstalter hatten einen Wrestling-Ring vor dem Pressezentrum aufgebaut. Hier wirbelten die mexikanischen Show-Kampf-Stars am Donnerstag zwischen den Seilen hin und her. Es war faszinierend aus wenigen Metern Entfernung zuzusehen, wie sich die bunt-verkleideten Athleten per Salto von der Ring-Ecke auf den Boden knallen ließen. Auch wenn das meiste nur Show ist – es tut sicher trotzdem weh.

Die Mexikaner gaben sich wieder alle Mühe, damit es uns Journalisten gut geht. Das Internet im – leider immer noch fensterlosen – Pressesaal ist gratis. Im Foyer wird jeden Tag ein warmes Buffet aufgebaut. Und in den Kühlschränken kann man sich mit Soft-Drinks versorgen. Man muss also nicht wie sonst bei den Teams „klauen“ gehen, wenn man mal Lust auf eine Cola hat.

Auch in der Boxengasse herrschten gute Arbeitsbedingungen. An vielen Autos waren schon auf den ersten Blick Technik-Upgrades zu erkennen. Red Bull schob seinen Renner gerade zur technischen Abnahme. Als mich die Mechaniker mit der Kamera sahen, grinsten sie nur: „Es gibt nichts Neues. Außer vielleicht die Motorhaube.“

Wegen der dünnen Luft hatten viele Teams Maßnahmen für Extra-Kühlung ergriffen. So hatten wir wenigstens eine interessante Geschichte für die Technik-Fans unter unseren Lesern. Wegen der anstehenden Reglement-Reform 2017 wurden sie in den letzten Rennen des Jahres ja leider nicht gerade verwöhnt. Kaum ein Team brachte im Endspurt noch Neuheiten.

Red Bull zeigt sich uncool

Bis auf ein paar Zusatzöffnungen an der Motorhaube blieb auch bei Red Bull alles beim Alten. Unverständlich war deshalb, warum der Chefmechaniker beim Boxenstopp-Training – wie schon die ganze Saison – versuchte mir den Blick zu verstellen. Ich habe ihn natürlich darauf angesprochen, wie kindisch sein Verhalten ist. Aber er hat nur doof gegrinst.

So uncool wie Red Bull reagiert übrigens sonst kein anderes Team in der Formel 1. Offenbar denken die Schrauber tatsächlich, dass ich mit meiner 400 Euro-Digital-Knipse ein Mercedes-Spion bin. Und die Profi-Fotografen mit ihren sündhaft teuren Profi-Kameras bleiben unbehelligt. Dabei sind es gerade sie, die ihre gestochen-scharfen Bilder bei der Konkurrenz abliefern und nicht wie ich in geringer Auflösung auf unserer Webseite veröffentliche.

Red Bull sorgte auch nach dem Rennen für Schlagzeilen. Max Verstappen war in Kurve 1 erst mit Nico Rosberg kollidiert. Später hatte er die erste Kurve im Duell mit Sebastian Vettel abgekürzt. Ich hatte gerade den Rennbericht fertig, da blinkte auch schon die Meldung auf dem Monitor auf, dass der Holländer wegen einer 5-Sekunden-Strafe von Rang 3 auf Platz 5 rutscht. Also nochmal neu schreiben.

Vettel wortkarg nach Strafversetzung

Doch dabei blieb es nicht. 3 Stunden nach der Zieldurchfahrt musste ich den Rennbericht und die Tabellen noch einmal ändern. Auch Vettel durfte den Pokal für Rang 3 nicht behalten. Er wurde für das Duell mit Daniel Ricciardo bestraft, wodurch der Australier aufs Podium aufrückte. Als es draußen schon dunkel war, kletterte Ricciardo wirklich noch auf das Podest im leeren Stadion. Es hätte nur noch gefehlt, dass er einen Schluck Champagner aus dem Schuh trinkt.

Für die größten Schlagzeilen sorgten nach dem Rennen aber nicht die Aktionen auf der Strecke sondern Vettels Wutausbrüche am Funk. Der Heppenheimer hatte sich nicht nur mit Verstappen sondern auch mit Rennleiter Charlie Whiting angelegt. Als Journalist war das für mich eine blöde Situation. Natürlich ist so ein Verhalten nicht ganz korrekt, aber man will als Fan und als Reporter ja Emotionen sehen. Deshalb hielt sich unsere Kritik in Grenzen.

Als Vettel die Nachricht über seine Rückstufung erhielt, ließ er sich mit einem Golf-Kart aus dem Fahrerlager kutschieren. Der Pilot wollte offenbar keine Fragen der Pressevertreter mehr beantworten. Es gab aber auch so schon genug zu berichten. Also wurde es wieder eine lange Sonntagnacht im Pressesaal. Wegen des Internet-Ausfalls im Hotel musste ich auch noch einige Bildergalerien für den Montag vorbereiten. Am Ende waren Kollege Schmidt und ich um 23.30 Uhr tatsächlich die letzten Journalisten, die das Medienzentrum verließen.

Als die Pressedame der Organisatoren hörte, dass wir um die späte Uhrzeit mit unseren Computern im Gepäck noch U-Bahn fahren wollen, riet sie uns aus Sicherheitsbedenken entschieden davon ab. Stattdessen wurde kurzerhand ein Shuttle-Bus nur für uns zwei auto motor und sport-Reporter organisiert. Da kann man wirklich nicht meckern.

Wir kamen trotzdem erst nach Mitternacht am Hotel an. Die meisten Restaurants hatten da leider schon geschlossen. Und so schmissen wir uns nur noch schnell ein paar belegte Tacos vom Imbiss rein. Ich war echt froh, als es am nächsten Tag endlich wieder nach Hause ging. 14 Tage Formel 1 am Stück sind genug. Ich vermisste mein Bett. Und ein funktionierendes W-Lan.

In der Galerie finden Sie noch einige persönliche Impressionen der auto motor und sport-Reporter vom Geschehen hinter den Kullissen.

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