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Greenpeace-Aktion in Spa

Protest-Operation militärisch geplant

Greenpeace Aktion GP Belgien 2013 Foto: Wilhelm 28 Bilder

Was zuerst nach einer spontan inszenierten Protest-Aktion gegen Shell aussah, stellte sich hinterher als militärisch geplante Operation heraus. 14 Tage Vorbereitungszeit waren nötig. Beteiligt waren mindestens 15 Personen der Umweltschutz-Organisation.

26.08.2013 Tobias Grüner

Aus Sicht von Greenpeace war die Protest-Aktion von Spa-Francorchamps ein voller Erfolg. Die riskante Operation an der Ardennen-Rennstrecke konnte genau so durchgezogen werden, wie sie vorher abgesprochen wurde. Damit der Stunt funktionierte, wurde ein heikler Schlachtplan ausgearbeitet, mit der die Security an der Strecke erfolgreich übertölpelt wurde.

Nach Informationen von auto motor und sport waren dafür einige Vorbereitungen nötig. Wir haben die Details und erzählen noch einmal chronologisch, wie die Störenfriede am Image des Hauptsponsors kratzten konnten und die Formel 1-Verantwortlichen damit ganz schön ins Schwitzen brachten.

Paraglider lenken Sicherheitspersonal ab

Am Anfang sah alles noch relativ harmlos aus. Zwei Paraglider mit Propeller-Antrieb schwebten rund eine Stunde vor Rennbeginn über dem Fahrerlager und zogen die Aufmerksamkeit der Sicherheitsleute auf sich. Mit 2x2 Meter großen Protest-Bannern im Schlepptau drehten die Aktivisten einige Runden über der Strecke - mitten zwischen den TV-Helikoptern.

Der spektakuläre Auftakt war allerdings nur eine Ablenkungsaktion. Während die Security in den Himmel starrte, ergriffen 7 Kletterer die Initiative und stiegen auf das rund 35 Meter hohe Dach der Haupttribüne. Von der Vorderseite seilten sie sich geübten Bergsteiger 30 Minuten vor dem Start ab. Im Gepäck hatten sie ein 20 Meter langes Protest-Banner.

Sofort wurden die Behörden von den Sicherheitsleuten über die Aktion informiert. Die Polizei rückte daraufhin mit einem Feuerwehr-Auto aus. Rund zehn Minuten versuchte man mit einer ausfahrbaren Leiter in die Nähe der abgeseilten Kletterkünstler zu kommen. Dann wurde das Vorhaben aufgegeben. Der Rennstart rückte immer näher. Die Polizei ließ die Aktivisten schließlich gewähren.

Kaum war das Rennen gestartet, wurde auch das große Shell-Logo an der Radillon-Kurve in Beschlag genommen. 4 Aktivisten seilten sich mit Bannern vor der überdimensionalen Werbebande ab. Ein großes Plakat, mit dem das Shell-Logo verdeckt werden sollte, konnten die Sicherheitskräfte allerdings entfernen.

Greenpeace-Aktivisten stören Podiums-Zeremonie

Der größte Coup wartete aber noch: Während der Nationalhymnen bei der Siegerehrung erschien plötzlich wie von Geisterhand ein gelbes Plakat direkt vor den Piloten. Vergeblich versuchte ein Sicherheitsmann das gelbe Banner am Rand des Podiums zu entfernen, dass mit Teleskopstangen automatisch ausgefahren war.

Während die Aufmerksamkeit auf das Stück Stoff gelenkt war, seilte sich eine Aktivistin vom Dach des Boxengebäudes auf das Podium ab - ebenfalls mit einem Protestbanner bewaffnet. Sie wurde von einem zweiten Helfer auf dem Dach abgesichert. Ein Mann von Security-Personal drohte zunächst, das Seil mit einem Messer durchzuschneiden. Doch dann ließ man die Dame bis auf das Podium herabgleiten, wo sie von weiteren Sicherheitsleuten unsanft entfernt wurde.

Keine Fernsehbilder der Protest-Aktion

Während sich die Aufpasser ein ums andere Mal übertölpeln ließen, reagierte die hauseigene TV-Regie souveräner. Zufrieden stellten die Verantwortlichen nach dem Rennen fest, dass in den offiziellen Fernsehbildern nichts von den Protest-Szenen zu sehen war. Nur die Buh-Rufe, mit denen die Fans die Aktion auf dem Podium quittierten, deutete auf das spektakuläre Randgeschehen hin.

Doch ganz ließ sich der Protest natürlich nicht unter der Decke halten. Zahlreiche Fans und Fotografen hatten die Aktionen rund um die Strecke längst fotografiert. Schnell landeten die Bilder im Netz. Hätten die Aktivisten das große Banner an der Haupttribüne noch etwas früher vor dem Start entrollt, hätten noch deutlich mehr Kameras der TV-Anstalten den Protest im Bild gehabt. Offenbar wussten die Aktivisten nicht, dass die Kamerateams 5 Minuten vor Rennbeginn aus der Boxengasse müssen.

Protest kostspielig und lange geplant

Trotzdem dürfte sich der riesige Aufwand gelohnt haben. Die Vorbereitungen für die Aktion liefen übrigens schon 2 Wochen vorher an. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion müssen die Greenpeace-Vertreter unbemerkt das riesige Banner samt Befestigung auf das Tribünendach geschafft haben. Auch das kleine Protestplakat am Podium, das per Fernbedienung zum Vorschein gebracht wurde, wurde schon lange vor dem Rennwochenende deponiert.

Rechnet man nur die sichtbaren Greenpeace-Aktivisten zusammen, müssen mindestens 15 Personen an der Aktion beteiligt gewesen sein. Die ganze Nummer dürfte zudem relativ kostspielig gewesen sein. Um auf das Gelände zu kommen, brauchten alle Störenfriede Eintrittskarten. Die zwei Personen, die sich auf dem Boxendach befanden, kamen mit Tickets für den exklusiven Paddock-Club in die Nähe der Fahrer - Preis jeweils 3.100 Euro.

Die beteiligten Personen wurden übrigens von der Polizei in Gewahrsam genommen und in dem direkt an die Strecke grenzenden Revier verhört. Nach Aufnahme aller Personalien wurden sie noch am Abend wieder entlassen. Von den Formel 1-Piloten hörte man übrigens keine offiziellen Stimmen zu der Aktion. Nur Red Bull-Reservist Sebastien Buemi twitterte Bilder vom Banner an der Tribüne. Sein Kommentar: "Es sieht so aus, als hätten die Jungs etwas zu sagen."

In unserer Bildergalerie zeigen wir Ihnen noch einmal die Fotos der Protest-Aktion.

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