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Fehlerbilanz von Grosjean und Maldonado

Crash-Duo verschenkt 63 Punkte

Maldonado Grosjean Crash GP Monaco 2012 Foto: dpa 18 Bilder

Romain Grosjean und Pastor Maldonado sind bei 50 Prozent aller Rennen in Kollisionen verwickelt. Trotzdem liegt das Crash-Duo in der WM-Gesamtwertung an siebter und zehnter Stelle. Mit geringerer Fehlerquote stünden sie noch viel weiter vorn. Wir haben die verschenkten Punkte zusammengezählt.

16.07.2012 Michael Schmidt

Gäbe es ein Stimmungsbarometer in der Formel 1, dann hätten Romain Grosjean und Pastor Maldonado wenig Freude. Wenig Freunde im Kollegenkreis haben sie sowieso. Viele der 22 Rivalen fluchen über sie. Das liegt daran, dass Grosjean und Maldonado immer mitten drinstecken, wenn es irgendwo kracht.

Sergio Perez ist ihr bevorzugtes Opfer. In Barcelona schlitzte ihm Grosjean in der dritten Kurve einen Hinterreifen auf. In Silverstone rempelte ihn Maldonado von der Piste. Beide Male hätte der Mexikaner hoch punkten können. Verständlich, dass er nach seinem Ausfall beim GP England in der ersten Wut in die TV-Mikrofone sagte: "Maldonado fährt wie ein Idiot. Wenn er nicht einmal richtig bestraft wird, lernt er es nie." Maldonado konterte eiskalt: "Ich weiß nicht, was er will? Das war ein normaler Rennunfall. Mir ist vorher das Auto ausgebrochen."

Maldonado verliert mehr durch Crashs als Grosjean

Trotz der hohen Fehlerquote rangieren die beiden Crashpiloten in der WM-Wertung auf den Plätzen 7 und 10. Grosjean hat bereits 61 WM-Punkte zusammengefahren. Er kam bei zwei seiner fünf Kollisionen mit einem blauen Auge davon. Seine Gegner nicht. Trotzdem blieb der Franzose im Lotus bislang von Strafen verschont.

Maldonado ist immer auch Opfer. Und das im doppelten Sinn. Er scheidet entweder selbst aus oder fällt so weit zurück, dass Punkte nicht mehr in Frage kommen. Oft setzt es auch Strafen. In Monte Carlo für eine Karambolage mit Sergio Perez im Training noch vor dem Start. In Valencia 20 Sekunden auf die Gesamtzeit. In Silverstone 10.000 Euro und eine Verwarnung. Die Wievielte eigentlich schon? Es ist die zweite gelbe Karte. Beim nächsten Vergehen könnte Maldonado für ein Rennen gesperrt werden. Trotzdem steht der Venezolaner bereits mit 29 Punkten zu Buche. Es hätten viel mehr sein können, denn fünf Mal brachte er sich durch Eigenverschulden um sichere Zähler.

Grosjean ohne Fehler auf Rosberg-Niveau

Wir haben uns das Sündenregister einmal genauer angeschaut und zählen die Punkte zusammen, die Grosjean und Maldonado durch Eigenverschulden liegen ließen. Zuerst der Fall Grosjean, der sich immer in den ersten Runden des Rennens abspielt.

Melbourne, Runde 1: Crash mit Maldonado

Grosjean muss mit verbogener Vorderradaufhängung aufgeben, Maldonado fährt weiter. Der Lotus-Pilot gibt dem Gegner die Schuld: "Er ist mir gegen das Rad gefahren." Maldonado zuckte die Schultern: "Ich verstehe nicht, warum der Lotus so schnell kaputt geht. War doch nur eine leichte Berührung." Grosjean war in Australien von Platz drei gestartet. Selbst nach seinem schwachen Start wäre unter pessimistischer Annahme Platz 6 möglich gewesen. Verlust 8 Punkte.

Sepang, Runde 1 und 4: Crash mit Schumacher, Ende im Kiesbett

Bei einer Attacke auf Schumacher fährt der Franzose dem Deutschen aufs Hinterrad. Beide drehen sich und fallen auf die Plätze 16 und 19 zurück. Drei Runden später fliegt Grosjean ohne Fremdeinwirkung ins Kiesbett. Gehen wir davon aus, dass ihm der Fehler sowieso passiert wäre. Also kein Punktverlust.

Barcelona, Runde 1: Kollision mit Perez

Im Kampfgetümmel trifft Grosjean auf dem Weg in die dritte Kurve den Sauber von Perez am linken Hinterreifen. Perez muss an die Boxen und wird danach nur Elfter. Grosjean fährt unbehelligt weiter und holt als Vierter zwölf Punkte. Das war das Maximum an diesem Tag.

Monte Carlo, Runde 1: Startkollision mit Alonso, Schumacher und Kobayashi

Grosjean kommt schlecht weg, will erst Alonso abwehren, dann Schumacher, trifft dabei beide Autos und stellt sich mitten im Feld quer. Beim Zurückrollen rutscht er Kobayashi in die Spur. Dem Sauber-Pilot verbiegt es bei dem Sprung über Grosjeans Hinterrad die Aufhängung. Kobayashi muss wenig später aufgeben. Für Grosjean ist gleich Schluss. Selbst wenn er sich beim Start hinter Schumacher einordnen muss, hätte er noch Siebter werden können. Verlust: 6 Zähler.

Silverstone, 1.Runde: Kollision mit Massa und di Resta

Grosjean zieht im Duell gegen Massa den Kürzeren. Beim Versuch, den nachfolgenden Di Resta abzuwehren, trifft er den Force India mit dem Frontflügel am Hinterrad. Der Schotte muss nach zwei Runden aussteigen, weil der zerfetzte Reifen den halben Diffusor abreißt. Grosjean biegt nach zwei Runden zum Flügelwechsel an die Box ab. Das zwingt ihm eine Notstrategie mit einem frühen zweiten Stopp in Runde 26 auf. Trotzdem wird er noch Sechster. Der Franzose hatte den Speed, um mit Vettel um Platz drei zu kämpfen. Rang 4 lag aber auf jeden Fall drin. Damit verschenkt er 4 Zähler.

In Summe könnte Grosjean somit 18 Punkte mehr auf dem Konto haben. Er läge dann mit 79 Zählern vor Nico Rosberg an sechster Stelle in der Gesamtwertung.

Maldonado hätte Punktestand mehr als verdoppelt

Pastor Maldonado wird sich noch viel mehr ärgern, wenn er die Punkte zusammenzählt, die er durch Leichtsinnsfehler und Dummheiten weggeworfen hat. Hier seine Schreckensliste.

Melbourne, Runde 58: Crash ohne Feindkontakt

Nachdem die Karambolage mit Grosjean in der ersten Runde ohne Folgen blieb, hing Maldonado in der letzten Runde des GP Australien im Windschatten von Alonsos Ferrari. In einer schnellen Linkskurve trifft er einen Randstein und fliegt an sechster Stelle liegend mit Karacho in die Mauer. Verlust: 8 Punkte.

Sepang, Runde 1: Kollision mit Senna, Runde 14

Fehler beim Boxenstopp. In der Startrunde krachen die beiden Williams zusammen. Senna muss an die Box, Maldonado kann weiterfahren. Nach dem Re-Start verpasst der Venezolaner beim Reifenwechsel in Runde 14 seine Box, fährt weiter und steht eine Runde später wieder da. Das kostet ihn 21,6 Sekunden netto. Am Ende wird er 19. Kollege Senna wird trotz des Zusatzstopps nach Runde 1 noch Sechster. Das hätte Maldonado auch geschafft. Die Rundenzeiten beweisen, dass er den gleichen Speed wie Senna hatte. Also wieder 8 Zähler verschenkt.

Monte Carlo, Runde 1: Kollision mit De la Rosa

Den ersten Blackout hat Maldonado schon im dritten Training. Er fährt Perez ins Auto, vermutlich absichtlich. Macht zehn Startplätze Strafversetzung. Da auch noch das Getriebe gewechselt wird, startet der Monaco-Spezialist von ganz hinten. In Ste. Dévote donnert er dem HRT von de la Rosa ins Heck. Aus. Glauben wir den Williams-Technikern, die vom reinen Speed her einen Platz in den Top 5 für möglich hielten, dann sind wieder 10 Punkte flöten gegangen.

Valencia, Runde 56, Kollision mit Hamilton

Maldonado muss auf Geheiß der Box bis fünf Runden vor Schluss die Reifen schonen. Dann legt er los, ist zwei Sekunden pro Runde schneller als Hamilton, der mit abgewetzten Reifen auf verlorenem Posten kämpft. Statt abzuwarten, versucht es Maldonado bei der ersten Gelegenheit mit der Brechstange. Hamilton ist raus, der Williams-Pilot fährt mit abgerissenem Frontflügel auf Platz zehn. Die Sportkommissare brummen ihm 20 Sekunden auf. Damit fällt er aus den Punkterängen. Maldonado wäre locker Dritter geworden. 15 Punkte in den Sand gesteckt.

Silverstone, Runde 12: Kollision mit Perez

Der Sauber-Pilot ist deutlich schneller. Trotzdem wehrt sich Maldonado mit aller Kraft. Im Parallelflug nehmen die beiden Kurve 6. Der Williams dreht sich und trifft dabei den Sauber. Wie üblich kann Maldonado das Rennen fortsetzen, während der andere aussteigen muss. Der erzwungene Boxenstopp in Runde 12 bedeutet aber, dass Maldonado das Rennen auf einem Satz harter Reifen zu Ende fahren muss. Natürlich chancenlos. Er wird mit einer Runde Rückstand 16. Da er zum Zeitpunkt des Zwischenfalls mit Perez auf Rang 7 vor Hamilton, Senna und Hülkenberg lag, hätte er mindestens Achter werden können. Verlust: 4 Zähler.

Die Addition der verpassten Chancen bei Maldonado ergibt 45 Zähler. Mehr als er bis jetzt in neun Rennen gesammelt hat. Der Williams-Pilot würde bei einer perfekten Saison auf 74 Zähler kommen. Das ist auf Nico Rosbergs Niveau. Oder dem, was auch Romain Grosjean hätte schaffen können.

In unserer Fotogalerie haben wir noch einmal ein paar Crash-Bilder von Grosjean und Maldonado gesammelt.

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