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Grüner steckt fest

Houston we have a problem

F1 Tagebuch 2012 - Austin - Dallas - Houston Foto: Grüner 18 Bilder

Eigentlich wollten die beiden auto motor und sport-Reporter Michael Schmidt und Tobias Grüner am Dienstag (20.11.) gemeinsam nach Sao Paulo aufbrechen. Aber nur einer von beiden kam in Brasilien an. Der andere steckt immer noch in Houston fest. Hier erzählt er seine Leidensgeschichte.

21.11.2012 Tobias Grüner

Das Unheil nahm schon im September seinen Lauf. Mein befreundeter Kollege Helmut Uhl von der Bild-Zeitung hatte mir eine verlockende E-Mail geschickt. Sein Angebot: einen Tag nach dem Grand Prix in Austin noch in Dallas vorbeizudüsen und dort Basketball-Star Dirk Nowitzki zu treffen. Den waschechten Franken Uhl verbindet mit dem NBA-Riesen eine freundschaftliche Beziehung aus gemeinsamen Würzburger Zeiten.

Für mich gab es natürlich nichts zu überlegen. Ich war schon immer ein Fan des amtierenden Sportlers des Jahres. Ich musste mir nur noch schnell einen Flug suchen, der mich am Tag nach dem Spiel von Dallas nach Houston bringt. Von dort hatte ich bereits einen Ticket nach Sao Paulo gebucht. Der Einfachheit halber entschied ich mich, alle Strecken mit United Airlines zu fliegen. Da kann ja nichts schiefgehen. Dachte ich. Falsch gedacht. Aber dazu später mehr.

Schon die Fahrt von Austin nach Dallas lief nicht ganz reibungslos. Auf halber Strecke, einige Meilen vor Waco, hatten sich zwei LKW so geschickt unter einer Brücke auf die Seite gelegt, dass der komplette Highway gesperrt werden musste. Ein Warnschild am Straßenrand erklärte uns verharmlosend "expect delays" - mit Verzögerungen ist zu rechnen. Doch nach 15 Minuten Stillstand am Ende des Staus, entschieden wir uns entnervt und nicht ganz regelkonform von der Schnellstraße abzubiegen.

Durch die Wildnis nach Dallas

Obwohl wir auf unserer Ausweichroute an einer Baustelle wieder umkehren mussten, über Supermarktparkplätze ausweichen und quer durch die texanische Wildnis hoppelten, kamen wir irgendwann parallel zur Unfallstelle wieder auf die Autobahn. Statt durch zehn Meilen Stau mussten wir uns nur durch eine Meile stockenden Verkehr kämpfen. Sonst würden wir wohl heute noch dort stehen.

So kamen wir gerade noch rechtzeitig zum Anpfiff in Dallas. Obwohl Nowitzki mit Knieverletzung zuschauen musste und die Mavericks am Ende nach Verlängerung verloren, sollte es ein unvergesslicher Abend werden (siehe Bildergalerie). Solche Momente gibt es in einer stressigen Saison leider nur selten. Das Leben eines Formel 1-Reporters ist längst nicht so aufregend und glamourös, wie man vielleicht meinen mag.

Das zeigte sich direkt am nächsten Tag. Nach kurzem Frühstück in der Sonne von Texas ging es per Taxi an den Flughafen Dallas Fort Worth. Beim Einchecken begrüßte mich United Airlines Eincheck-Fachkraft Patty mit einem freundlichen "How are you, how can I help you?" - worauf ich ihr erklärte, dass ich gerne nach Sao Paulo wolle. Mit Zwischenstopp in Dallas. Mein Gepäck möchte ich bitte erst in Brasilien wiedersehen.

Klingt eigentlich einfach, war es aber nicht. Da ich das erste Flugsegment erst Monate nach dem zweiten gebucht hatte, liefen die beiden Abschnitte über zwei getrennte Ticketnummern. Hätte ich gewusst, dass der Computer dadurch vor eine schier unlösbare Aufgabe gestellt wird, wäre ich wohl mit dem Mietwagen zurück nach Houston gedüst. Oder gelaufen.

Patty bringt Gepäck nach Brasilien

Patty wollte so leicht aber nicht aufgeben. Sie gab hinter dem Schalter ihr Bestes: Rotierte, tippte, fragte herum, schaute verwirrt, dann wieder zuversichtlich und war dann plötzlich wieder ratlos. Nachdem sie ungefähr fünf verschiedene Bordkarten und Gepäck-Kleber ausgedruckt, und ein paar davon wieder zerrissen und weggeworfen hatte, rief sie per Telefon nach Hilfe.
 
Gemeinsam mit dem Mann am anderen Ende der Leitung wurde das Computer-System so lange bearbeitet, bis tatsächlich irgendwann ein Gepäck-Schnippel mit dem Kürzel "GRU" für Sao Paulo aus dem Automaten kam. Zum Glück war ich rechtzeitig gekommen. So nahm ich ihren 30-minütigen Kampf mit dem United-Eincheck-System relativ entspannt zur Kenntnis.
 
Von den drei Bordkarten, die am Ende noch vor ihr auf dem Desk lagen, wanderte schließlich eine in den Müll. Die anderen drückte mir Patty mit einem erleichterten Grinsen in die Hand. "Have a nice flight."
 
In der Annahme, dass alles in Ordnung sei, machte ich mich schließlich auf den Weg zum Gate. Doch ein kurzer Alarmton beim Scannen der Boardkarte vor dem Einsteigen hätte mich schon stutzig machen sollen. Der freundliche United-Mitarbeiter schaute mich ebenfalls etwas verwirrt an. Doch dann tippte er kurz auf seinem Computer herum und druckte mir eine neue Bordkarte aus. Die alte wanderte wieder in Ablage P.

Fehler im United-System

Der Flug nach Houston verlief ohne Zwischenfälle. Nach dem Andocken ans Gate sah ich aus dem Fenster, dass auch mein Koffer die kurze Strecke mitgemacht hatte. In den vier Stunden Wartezeit bis zum Weiterflug nach Sao Paulo bereitete ich noch ein paar Storys für unsere Webseite vor. Irgendwann kam auch Kollege Michael Schmidt vorbei, der mit Basketball nichts anfangen kann und mit dem Auto direkt von Austin nach Houston gefahren war.

Als wir gemeinsam die Maschine nach Sao Paulo betreten wollten, nahm das Unglück seinen Lauf. Wieder gab der Computer beim Scannen der Boardkarte einen Alarmton von sich. Doch der Gesichtsausdruck der United-Servicekraft zeigte gleich, dass das Problem dieses Mal etwas ernster ist. Etwas verwirrt erklärte mir der Mensch hinter dem Schalter, dass mein Flug aus unerfindlichen Gründen wieder ausgecheckt und der auf der Bordkarte vermerkte Sitz bereits an jemand anderen vergeben wurde.

Kollege Schmidt, der schon seit 25 Jahren mit dem Formel 1-Zirkus um die Welt reist, versuchte die Airline-Mitarbeiter noch mit eindringlichen Worten davon zu überzeugen, dass wir beide gemeinsam unbedingt nach Brasilien müssen. Doch die United-Crew ließ sich davon nur wenig beeindrucken. Eine halbe Stunde Wartezeit am Gate später war klar, dass alle Plätze belegt waren.

Perez nur dank Bianchi an Bord

Auch Sauber-Pilot Sergio Perez musste zittern. Der Mexikaner war erst kurz vor Eincheck-Schluss am Flughafen angekommen, durfte aber gerade noch so auf die völlig aus- und überbuchte Maschine. Checo hatte Glück, dass Force India-Testfahrer Jules Bianchi die Reise nicht antrat und sein Platz in der Business-Klasse leer blieb. So viel Glück hatten sein Trainer Simon Fitchett und sein Manager Jaume Sallares nicht. Gemeinsam mit dem auto motor und sport-Reporter blieb die Perez-Entourage in Houston zurück, als die Maschine abhob.

Mir blieb nur die Bitte an die United-Angestellten, mein Gepäck aus der Maschine laden zu lassen. Mein Koffer wird am Band elf auf mich warten, versicherte man mir. Das war natürlich auch nicht der Fall. Bei einer halbstündigen Untersuchung wurde in der Gepäckermittlung festgestellt, dass sich mein Koffer ohne mich auf dem Weg nach Süden gemacht hat. Statt frischer Klamotten gab es nur ein Overnight-Kit mit Hygiene-Produkten.

Statt an der Rennstrecke in Interlagos erste Fotos und Infos an der Rennstrecke zu sammeln, gibt es nun F1-Berichterstattung aus dem Flughafenhotel von Houston. Mal sehen, was Kollege Schmidt so anliefert. Erst ab Donnerstagnachmittag können wir dann wieder den gewohnten Zweimann-Service mit exklusiven Inhalten direkt von der Rennstrecke bieten - wenn man mich denn dieses Mal auf den Flieger lässt. Die Boardkarte habe ich immerhin schon.

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