Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Hinter den Kulissen von HaasF1

Das ist die neue Formel 1-Fabrik

Haas F1 Factory - Kannapolis - 2015 Foto: Haas F1 16 Bilder

Das neue Formel 1-Team von HaasF1 nimmt Formen an. auto motor und sport hat einen Blick hinter die Kulissen geworfen und erklärt, wie ein Rennstall mit drei Standorten funktionieren kann und wann das erste Auto fertig sein soll.

15.07.2015 Michael Schmidt

Die Uhr tickt. Es sind hektische Zeiten für HaasF1. Das neue Team befindet sich selbst noch im Aufbau und muss gleichzeitig ein Formel 1-Auto bauen. In 9 Monaten feiert der US-Rennstall seine GP-Premiere. Es ist das erste amerikanische Formel 1-Team seit 1986. Auch das trug den Namen Haas, hat aber nichts mit dem aktuellen Projekt zu tun. Teambesitzer Gene Haas ist mit seinem Vorgänger Carl Haas weder verwandt noch verschwägert.

Neue Haas Formel 1-Fabrik in Kannapolis

Es ist ein Team, das es so noch nie gegeben hat. Mit 3 Standorten. In der US-Basis Kannapolis sitzt die Verwaltung. Dort werden auch alle Metallteile produziert. Auf 20 hauseigenen Maschinen. Gene Haas ist der CNC-König der USA.

Im englischen Banbury befindet sich die Rennfabrik. Teamchef Guenther Steiner hat dafür die alte Marussia-Basis ausgesucht. Für die Basis England spricht: "Dort kriegst du die Leute mit Rennerfahrung." In Italien findet unter der Leitung von Chefdesigner Rob Taylor und Aerodynamikchef Ben Agathangelou die Entwicklung statt. Bei Dallara das Chassis, im Ferrari-Windkanal die Aerodynamik.

Wenn das Team einmal steht, werden 200 Menschen für HaasF1 arbeiten. 50 in den USA, 60 in England, 90 in Italien. Zurzeit sind rund 130 der 200 Arbeitsplätze vergeben. Großteile des Rennteams werden von Steiner und Teammanager Dave O‘Neill erst nach der Rennsaison rekrutiert. "Sonst würden sie jetzt nur rumsitzen. Es gibt ja noch nicht viel zu tun."

Es ist ein schlankes Modell, das mit Ferrari einen starken Technikpartner gefunden hat. Für den Teamchef bedeutet der Spagat zwischen drei Firmen viel Zeit im Flugzeug: "Alle zwei Wochen fliege ich nach Europa."

Haas F1 muss Risiken minimieren

Steiner will das Risiko minimieren. Nicht die gleichen Fehler wie Caterham, Marussia und HRT machen, die von einem weißen Blatt Papier weg das große Abenteuer Formel 1 in Angriff nahmen und auch nach 5 Jahren nicht den Anschluss ans Mittelfeld geschafft haben. Ihr Schicksal zeigt das größte Problem der Formel 1. Der technische und logistische Standard ist für Neueinsteiger zu hoch. Es sei denn, es handelt sich um Automobilhersteller.

HaasF1 versucht es deshalb mit einem neuen Modell. Man nimmt von Ferrari, was man kriegen kann. Also alle Komponenten, die auf einer Liste mit dem Titel "listed parts" stehen. Damit sind die Teile bezeichnet, die man von außen einkaufen darf und nicht selbst entwickeln muss. Im Augenblick ist das mit Ausnahme des Chassis, der Kühler, der Flügel, der Außenhaut und des Unterbodens alles.

HaasF1 bekommt von Ferrari nicht nur die Antriebseinheit und das Getriebe, sondern auch Aufhängungen, Radträger, den Sitz, die Hydraulik, Lenkung und die Elektronik. Damit steht das Skelett. Es selbst zu konstruieren würde Kapazitäten und Geld kosten. Das Budget von HaasF1 fällt deshalb relativ bescheiden aus. Rund 100 Millionen Dollar pro Jahr. Hätten die Amerikaner alles selbst gemacht, hätte es mindestens 30 Millionen mehr gekostet.

Eigenes Chassis mit Anleihen von Ferrari

Die Konkurrenz hat die enge Anbindung des US-Teams an Ferrari mit Argwohn beobachtet. Und sich die Frage gestellt, ob Ferrari sich damit durch die Hintertür nicht Windkanalzeit erschwindelt. HaasF1 ist im Augenblick noch nicht an Restriktionen bei Windkanalnutzung und CFD-Kapazitäten gebunden. Ben Agathangelou und seine Mannschaft belegen den Ferrari-Windkanal jede zweite Woche, und dann rund um die Uhr. Der Engländer mit griechischen Wurzeln kennt sich dort aus. Er hat von 2012 bis 2014 für Ferrari gearbeitet.

Die FIA schickte eigens einen Prüfer nach Maranello, um den Verdacht der Konkurrenz nachzugehen. Er bestätigte sich nicht. Steiner erklärt: "Im Prinzip machen wir nichts anderes als Force India bei Toyota. Wir sind Kunde im Windkanal." Außerdem hat der 2016er HaasF1 nur bedingt etwas mit dem aktuellen Ferrari SF15-T zu tun. Ein paar Anleihen vielleicht, aber so Steiner: "Wir haben ein eigenes Chassis konzipiert. Rob Taylor sitzt da schon seit Januar dran."

Die Entwicklung, der Aufbau der Modelle und Karbonteile geschieht bei Dallara. Auch hier nimmt es HaasF1 peinlich genau, um nicht mit dem strengen Formel 1-Gesetz in Konflikt zu geraten. "Wir haben eigene Büros bei Dallara. Es ist wie eine Firma in der Firma", beteuert Steiner.

HaasF1 will 2 erfahrene Piloten

Das Konzept des HaasF1 für die kommende Saison steht. Das Chassis ist abgesegnet und geht demnächst in Produktion. "Das neue Auto soll im Februar 2016 auf den Rädern stehen", sagt Steiner. Rechtzeitig für den ersten Test, der am 1. März in Barcelona stattfindet. Natürlich beobachtet er mit Interesse, was sich in der großen Formel 1-Politik tut. HaasF1 könnte Modell dafür stehen, den Sport für Einsteiger kostengünstiger und erfolgsversprechender zu machen. Zurzeit wird diskutiert, auch das Chassis auf die Liste der "listed parts" zu setzen. Steiner hätte nichts dagegen.

Bleibt noch eine entscheidende Frage: Wer wird die Farben des Sternenbanners im nächsten Jahr im Cockpit vertreten? Es ist noch keine Entscheidung gefallen, doch ein Trend lässt sich herauslesen. "Wir suchen 2 Fahrer mit Erfahrung. Als neues Team willst du nicht gleichzeitig eine Fahrschule betreiben. Da brauchst du Fahrer, die wissen, worauf es ankommt", sagt Steiner.

Einer der beiden Piloten wird aus dem Ferrari-Pool kommen. Also Esteban Gutierrez oder Jean-Eric Vergne. Der Fahrerlagerfunk meldet, dass Vergne die besseren Chancen besitzt. Für das zweite Cockpit gibt es Träume. Einer der Güteklasse Nico Hülkenberg, Romain Grosjean oder Felipe Nasr. Teambesitzer Gene Haas ließ kürzlich in einem Interview durchblicken: "Es gibt unter den aktuellen Fahrern immer welche, die sich nicht mehr ganz so sicher sind, ob ihr Team den richtigen Weg geht."

Ein Amerikaner als Stammpilot gilt als unwahrscheinlich. Es gibt im Moment keinen, der sich aufdrängt. Auch der Ruf nach Danica Patrick wird sich nicht erfüllen, auch wenn sie Gene Haas bestens kennt. Die schnelle Dame verdient im Nascar-Team Stewart-Haas eine zweistellige Millionensumme. Ein Gehalt dieser Größenordnung wäre für den Formel 1-Neuling eine Nummer zu groß. Das Geld ist besser in die Technik investiert.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden