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Halbzeitbilanz Caterham

Eigentlich gibt's nichts vorzuwerfen

Das Ziel war der Anschluss an das Mittelfeld. Der liegt noch mindestens eine halbe Sekunde entfernt. Caterhams zähe Anstrengungen zeigen, auf welchem Niveau in der Formel 1 entwickelt wird. Am Personal und an den Werkzeugen kann es eigentlich nicht mehr liegen. Höchstens am Erfahrungsrückstand.

24.08.2012 Michael Schmidt

Zu Saisonbeginn hatte Caterham den Abstand zum Mittelfeld halbiert. Von 1,5 Sekunden auf acht Zehntel. Eigentlich war geplant, im dritten Jahr seit Bestehen des Rennstalls von Tony Fernandes Anschluss an den Mittelstand zu finden. "Das Auto ist nicht schlecht", resümierte Heikki Kovalainen nach der ersten Enttäuschung. "Uns fehlt aber immer noch Abtrieb. Ich verliere zu viel Zeit beim Bremsen und beim Einlenken. Wir bringen das Untersteuern nur durch mechanische Tricks weg. Das ist aber nur eine Notlösung. Da muss von der Aerodynamik mehr kommen."

Schrittweise kam mehr von der Aerodynamik. Das Auto lag ruhiger beim Bremsen, und bei der Traktion gab es Fortschritte. "Dann wurden die schnellen und mittelschnellen Kurven unser Problem", stellte Kovalainen fest.

Neben Alonso die einzige Konstante im Feld

Caterham ist in einer Saison voller Überraschungen neben Fernando Alonso die einzige Konstante im Feld. Heikki Kovalainen und Vitaly Petrov landen immer zwischen den ToroRosso und den Marussia. Im Training wie im Rennen. Von wenigen Ausreißern abgesehen. Die durchschnittlichen Startplätze sind ein Beleg dafür. Kovalainen steht bei 18,18, Petrov bei 18,80. Zwei Mal hat es Kovalainen aus eigener Kraft ins Q2 geschafft. In Bahrain und Valencia. Beim GP Europa glaubte die Truppe aus Hingham und Leafield Land in Sicht zu haben. Dort stand Kovalainen erstmals vor beiden ToroRosso. Ein neuer Frontflügel brachte Besserung. Mit einer Runderneuerung in Silverstone hoffte Caterham, sich endlich im Mittelfeld zu etablieren.

Der Schuss ging nach hinten los. Die Rennstrecke hielt nicht, was der Windkanal versprach. "Das hatten wir schon öfter", moniert Kovalainen. In Silverstone wurde die gesamte Heckpartie renoviert. Inclusive Auspuff. Auch bei Caterham zielt er jetzt von außen auf den Diffusor. Die Techniker reden sich heraus, dass man jetzt erst einmal wieder im Winkanal lernen müsse, wie man die Auspuffgase optimal nutze. Und Renault sei am Feintuning der Motorsoftware.

Kovalainens exzellente Leistungen fallen kaum auf

Auf die Frage, warum das alles so lange dauert, obwohl man mit Mark Smith und John Iley kompetente Fachkräfte im Designbüro hat, zuckt der Kovalainen die Schultern: "Uns läuft einfach die Zeit davon. Wir sind erst seit Herbst letzten Jahres im Windkanal von Williams. Das jüngste Technikpaket war das erste, dass unter der Regie von Iley entstand.2 Der neue Aerodynamikchef arbeitete früher bei Ferrari und McLaren. Mike Gascoyne trat in den Hintergrund. Er ist jetzt für die Gesamtmarke Caterham zuständig. Der frühere Technikchef wurde von Tony Fernandes weggelobt, weil er jüngeren Leuten den Vorzug geben will.

In Silverstone, Hockenheim und Budapest lag Caterham wieder deutlich hinter ToroRosso. Der Rückstand pendelte sich zwischen 0,5 und 0,8 Sekunden ein. Im Rennen weniger als im Training. Der Caterham hat jetzt mehr Abtrieb im Heck, doch nun fehlt es vorne. "Jetzt haben wir Probleme mit der Balance und müssen am Frontflügel wieder nachlegen", erklärt Kovalainen. Der Finne ist seit zweieinhalb Jahren ein armer Hund. Seine exzellenten Leistungen fallen kaum auf. Er kämpft für einen 14. Platz wie andere für einen Sieg. Seit 2009 wartet er auf WM-Punkte. In diesem Jahr ist sein bestes Resultat ein 13. Platz in Monte Carlo. Teamkollege Petrov egalisierte das Resultat beim GP Europa. Caterham wartet auf ein Rennen, bei dem vorne mal richtig viele Autos ausfallen. Doch das kam bis jetzt nicht.

Die Trauben hängen hoch in der Formel 1

Die Standfestigkeit ist etwas besser geworden. Mit 5.809 Rennkilometer nimmt Caterham Platz sieben in der Rangliste ein. Bislang gab es vier Ausfälle (Lenkung, Aufhängung, Lichtmschine, Motor), wobei zwei auf das Konto von Motorenpartner Renault ging. 2011 wurden acht Defekte in 19 Rennen gezählt. Caterham kann sich bei seinem Bemühen um Anschluss ans Establishment eigentlich nichts vorwerfen. Man hat erfahrene Leute im Konstruktionsbüro und arbeitet im Windkanal von Williams. Der Motor kommt von Renault, Getriebe und Kers von Red Bull. Mit Kovalainen und Petrov sitzen zwei Fahrer im Auto, die schon Rennen gewonnen und auf dem Podium beendet haben.

Dass es trotzdem noch nicht reicht, zeigt wie hoch die Trauben in der Formel 1 hängen. Im Q1 zum GP Ungarn fehlten Kovalainen in seiner schnellsten Trainingsrunde 1,7 Sekunden auf Lewis Hamilton. Und im Rennen 2,4 Sekunden auf die schnellste Runde von Sebastian Vettel. Nicht viel, doch damit landet man heute auf den Plätzen 19 und 20.

STATISTIK

WM-Platz: P10 (Kovalainen P19, Petrov P20)
WM-Punkte: 0
Siege: 0
Pole Positions: 0
Schnellste Rennrunde: 0
Podiumsplätze: 0
Punkteplatzierungen: 0
Rennkilometer: 5809,5 km (P7)
Führungskilometer: 0
Zielankünfte/Ausfälle: 18/3

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