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Halbzeitbilanz Ferrari

Die Kunst aus einem Flop ein Top zu machen

F1 Halbjahresbilanz Ferrari 2012 26 Bilder

Ferrari hat sich selbst überrascht. Ein Auto, das als Flop geboren wurde, führt mit Fernando Alonso am Steuer die Weltmeisterschaft an. Der F2012 ist nicht das beste Auto, aber inzwischen ein gutes. Das Geheimnis von Ferrari liegt darin, dass man am meisten aus seinen Möglichkeiten gemacht hat.

14.08.2012 Michael Schmidt

Ferrari drohte ein Flop zu werden

Am Anfang stand die Verzweiflung. Nach dem letzten Tag der Wintertestfahrten bekamen die Fahrer von Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo Redeverbot. Jedes Wort wäre eines zu viel gewesen. Das Auto drohte ein Flop zu werden. In Maranello war Feuer unter dem Dach.

Ein halbes Jahr später wundert man sich bei Ferrari, wie Fernando Alonso die Weltmeisterschaft mit 40 Punkten Vorsprung anführen kann. Gewiss, der F2012 ist besser geworden, aber das sind die anderen Autos auch. Auch klar, dass es beim Ferrari mehr Steigerungspotenzial gab, aber normalerweise sind Rennautos, die so schlecht geboren wurden, nie mehr ganz gesund zu beten.

Viele prophezeiten Ferrari einen ähnlichen Leidensweg wie nach Jody Scheckters WM-Titel 1979. Es lassen sich ähnliche Defizite erkennen wie damals. Eine Geschäftsleitung, die sprunghafte Entscheidungen trifft und zu sehr auf die öffentliche Meinung hört. Ein Fahrer, der das wahren Ausmaß der Probleme mit seiner Klasse zudeckt. Eine interne Politik, die auf Absicherung der eigenen Position fixiert ist. Doch es kam alles ganz anders.

Ferrari F2012 in der Topspeed-Tabelle ganz hinten

Bis zum Saisonbeginn hatte Ferrari in einem Kraftakt aus einem schlechten ein mittelmäßiges Auto gemacht. Die GPS-Messungen zeigten ganz klar die beiden großen Defizite. In der Topspeed-Tabelle rangierte der F2012 ganz hinten. Kein Wunder, denn man fuhr überall mit Flügeln in Monte Carlo-Abstimmung, um wenigstens ein Mindestmaß an Abtrieb zu gewinnen. Die Traktion war dürftig. Auch nicht verwunderlich, denn die Aerodynamik funktionierte nur in einer Anströmung. Und für diese musste das Fahrwerk auf hart getrimmt werden. Dafür lagen die roten Autos in den schnellen Kurven an der Spitze.

In Barcelona hat ein technischer Rundumschlag aus einem mittelmäßigen Auto ein gutes gemacht. Im Topspeed und der Traktion kletterte Ferrari ins Mittelfeld. "Seither betreiben wir nur noch Feintuning in kleinen Schritten", erklärt Alonso. Der größte Unterschied zu früher ist neben der üblichen Entwicklungsarbeit an den Flügeln die Verlegung des Auspuffs und die Luftführung im Heck. Seit Ferrari mit einem McLaren-Auspuff fährt und die heiße Abluft der Kühler durch Kiemen in der Getriebeverkleidung entweicht, fährt der Ferrari überall vorne mit. Manche spotten: "Wie viel Sauber steckt im Ferrari?" Die Frage ist nicht ganz unberechtigt. Ferrari hat sieben Ingenieure bei Sauber installiert, die sich um Motor, Kers und Getriebe kümmern. Die kennen alle Daten.

Was ist mit der Konkurrenz passiert?

Ferrari wundert weniger der eigene Fortschritt. Von der schlechten Ausgangsposition konnte man sich nur verbessern. Doch was ist mit der Konkurrenz passiert? Dort sind fast alle Entwicklungsschritte verpufft. "Sonst wären wir nie so schnell so nah rangekommen", behauptet einer aus dem Team. Alonso schwächt ab: "Red Bull ist seit Bahrain vier Mal auf die Pole Position gefahren. Man kann nicht behaupten, die hätten sich nicht verbessert."

Das Geheimnis bei Ferrari liegt darin, dass man das Beste aus seinen Möglichkeiten herausholt. Fernando Alonso ist ein Meister darin. Seine WM-Titel 2005 und 2006 gewann der damalige Renault-Pilot jeweils in einem unterlegenen Auto. Ein Beispiel dafür ist das Wetter, das in diesem Jahr schon drei Mal gnädig zu Ferrari war. Im Regen ist das Auto auf Augenhöhe mit der Konkurrenz, vielleicht sogar besser. Alonso gewann im Regen in Malaysia, und er startete in Silverstone und Hockenheim jeweils von der Pole Position. Das nennt man hundertprozentige Ausnutzung seiner Chancen.

Ferrari ist praktisch kugelsicher

Die Ferrari-Boxencrew bricht dieses Jahr alle Rekorde. "Sie sind im Durchschnitt schneller als alle anderen", haben McLaren-Ingenieure ausgerechnet. Das verwundert, weil Ferrari 2011 bei den Boxenstopps noch im hinteren Mittelfeld lag. "Ferrari ist gut, aber zum Teil auch deshalb, weil alle anderen im Vergleich zu Vorjahr verlieren", korrigiert Sebastian Vettel. Warum das? Mit Helium betriebene Schlagschrauber sind verboten. Einige Teams haben letztes Jahr auf diesem Weg Zeit gewonnen. Und Ferrari hat mit schwenkbaren Wagenhebern und in die Felgen integrierten Radmuttern technisch aufgeholt.

Dazu kommt, dass der Ferrari praktisch kugelsicher ist. Der einzige Ausfall war ein Folgeschaden einer Kollision. Felipe Massa hatte sich in Australien im Duell mit Bruno Senna einen Streifschuss geholt. Danach war die Aufhängung krumm. Die Konkurrenz setzt darauf, dass jede Glückssträhne auch einmal zu Ende geht. Die Frage ist nur wann. Wenn sie Ferrari noch neun Rennen lang durchhalten kann, dann ist Alonso am Ende Weltmeister.

Statistik

WM-Platz: 4 (Alonso P1, Massa P14)
WM-Punkte: 189
Siege: 3
Pole Positions: 2
Schnellste Rennrunde: 0
Podiumsplätze: 6
Punkteplatzierungen: 16
Rennkilometer: 6583,7 km (P1)
Führungskilometer: 1104,6 km (P1)
Zielankünfte/Ausfälle: 21/1

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