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Halbzeitbilanz Lotus

Es fehlt nur noch ein Sieg

F1 Halbjahresbilanz Lotus 2012 26 Bilder

Der Lotus E20 ist überall schnell. Und warum steht er dann nicht ganz vorn? Und warum hat er noch kein Rennen gewonnen? Wenn der Rennstall die Qualifikationsschwäche seiner schwarzen Autos in den Griff bekommt, dann ist zumindest Kimi Räikkönen ein heißer WM-Kandidat.

18.08.2012 Michael Schmidt

Eines ist dem letzten Zweifler nach elf Rennen klar geworden. Die Erfolge des Lotus E20 sind keine Eintagsfliege. Mit 192 Punkten liegt der Rennstall aus Enstone auf Platz drei in der Konstrukteurs-WM. Einen Zähler hinter McLaren. Kimi Räikkönen und Romain Grosjean sind bereits acht Mal auf einen Podestplatz gefahren. Nur noch McLaren kann eine solche Bilanz aufweisen. Das einzige, was zum großen Glück fehlt, ist ein Sieg. In Bahrain und in Budapest sind die Lotus-Piloten dem ganz großen Erfolg schon ziemlich nahe gekommen. Bei beiden Rennen herrschten ähnliche Bedingungen. Es war heiß.

Die größte Stärke des Lotus ist gleichzeitig seine größte Schwäche. Er schont die Reifen, braucht aber zu lange sie auf Betriebstemperatur zu bringen. Deshalb hoffen sie bei Lotus jedes Mal auf tropische Temperaturen. "Diese Abhängigkeit vom Wetter müssen wir abstellen", fordert Romain Grosjean. Die Frontflügel-Familie, die in Valencia debütierte, hilft ein bisschen dabei. Dieser Flügeltyp und seine Derivate reduzieren das Untersteuern in der Kurvenmitte.

Grosjean fehlerhaft, Räikkönen mit Weltmeister-Potenzial

Wenn es bei Lotus bis jetzt noch nicht zum Sieg gereicht hat, dann liegt das fast immer an den Trainingsergebnissen. Und dort, wo Grosjean oder Räikkönen in der Startaufstellung weit vorne standen, ging etwas anderes schief. Der Start, die Startrunde oder einer der Boxenstopps. Grosjean war in sechs von elf Rennen in der ersten Runde in eine Kollision verwickelt, ist dabei entweder ganz ausgefallen oder hat sich einen Streifschuss eingefangen, der die Aerodynamik des Autos beeinträchtigte. Deshalb liegt der Franzose in der WM zu weit zurück, um noch vom Titel träumen zu dürfen. Seine Eskapaden sind auch dafür verantwortlich, dass Lotus mit 5.704 Rennkilometern nur auf Rang neun der Zuverlässigkeitstabelle rangiert.

Räikkönen ist genau das Gegenteil. Den Finnen bringt nichts aus der Ruhe. Er kann wie Alonso abschätzen, was möglich ist und was nicht. Der Weltmeister von 2007 hat sich bis jetzt keine Fehler geleistet. Nur einmal kam er außerhalb der Punkteränge ins Ziel. Die Schuld lag beim Team. Der Kommandostand ließ Räikkönen in Shanghai zu lange mit alten Reifen fahren. Also sie total einbrachen, verlor Räikkönen innerhalb weniger Runden zwölf Positionen. Räikkönen kann durchaus Weltmeister werden. Wenn es Lotus schafft, mit dem Reifenmanagement den richtigen Kompromiss zu finden.

Lotus arbeitet am Super-DRS

Adrian Newey bewies einen guten Riecher. Er lobte den Lotus E20 schon, da hatte er ihn nur auf Bildern gesehen. Es ist ein schnörkelloses und kompaktes Auto, das weniger mit technischen Tricks glänzt, sondern mit der perfekten Umsetzung traditioneller Werte. "Im letzten Jahr haben wir eine Revolution versucht und sind damit auf die Nase gefallen. Das aktuelle Auto feiert 1.000 kleine Siege über seinen Vorgänger", beschreibt Technikchef James Allison sein Produkt. Die Topspeeds sprechen für seine Konstruktion. Der Lotus zählt auf der Geraden immer zu den schnellsten Autos, verliert aber in den Kurven keine Zeit. Das nennt man aerodynamische Effizienz.

Für den früheren Ferrari-Ingenieur Allison kam die Regeländerung im Bereich Auspuff wie gerufen. "Sie hat die Uhr gewissermaßen auf Null zurückgelegt. Der Fehler, der uns letztes Jahr mit dem Auspuff passiert ist, fällt deshalb nicht ins Gewicht." Der Lotus E20 ist ein einfacheres Auto. "Nicht, weil uns einer gesagt hätte, wir müssten ein konservatives Auto bauen. Dass sich bis jetzt kein spektakuläres Detail am Auto finden lässt, liegt daran, dass uns im Moment im Rahmen der Regeln nichts Außergewöhnliches eingefallen ist."

Das könnte sich ändern. Lotus experimentiert gerade mit einem System, das im Fachjargon Super-DRS genannt wird. Im Normalbetrieb bläst Luft durch eine Öffnung in der Airbox auf das untere Heckflügelelement und unterstützt damit die Saugwirkung des Diffusors. Betätigen die Fahrer den DRS-Knopf, wird diese Strömung durch Luft aus einem zweiten Kanal gestört. Die Eintrittslöcher liegen wie beim Mercedes in den Endplatten und werden normalerweise durch den Heckflügel-Flap verdeckt. Sie speisen einen Kanal, der durch das Heckflügelhauptblatt in eine zentrale Stütze geht, die mit dem anderen Kanal verbunden ist. Klappt der Flap hoch, ist die Wirkung doppelt. Oben durch den flach gestellten Flap, unten durch die gestörte Strömung. Der Trick soll in Spa Premiere feiern.

Teambesitzer Gérard Lopez führt die Steigerung im Vergleich zum Vorjahr auch darauf zurück, dass der Windkanal wieder verwertbare Zahlen liefert. "Wir hatten 2011 ein Problem mit der Korrelation zwischen Windkanal und Strecke, was daran lag, dass wir im Winter davor den Maßstab der Modelle von 50 auf 60 Prozent vergrößert hatten. Außerdem haben bei uns die Windkanalreifen von Pirelli nicht funktioniert." Das Ziel ist ehrgeizig:  "Wir haben dieses Jahr 22 Entwicklungsschritte vorgesehen. Letztes Jahr waren es 19, aber nur ein Drittel hat tatsächlich einen Fortschritt gebracht." Der WM-Titel war eigentlich erst für 2014 ins Auge gefasst, doch es sieht danach aus, als könnte Lotus den Weg dorthin wenigstens um ein Jahr abkürzen. "Dazu müssen wir nun aber auch mal ein Rennen gewinnen", fordert Räikkönen. Der Ex-Champion hat sein Soll längst erfüllt: "Es ist besser gelaufen, als ich es mir erwarten durfte."

Statistik


WM-Platz: 3 (Räikkönen P5, Grosjean P8)
WM-Punkte: 192
Siege: 0
Pole Positions: 0
Schnellste Rennrunde: 3
Podiumsplätze: 8
Punkteplatzierungen: 16
Rennkilometer: 5704,1 km (P9)
Führungskilometer: 54,1 km (6)
Zielankünfte/Ausfälle: 18/4
 

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