Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Halbzeitbilanz Marussia

Erleuchtung in der Sommerpause?

F1 Halbjahresbilanz Marussia 2012 Foto: Dani Reinhardt 21 Bilder

Der Saisonauftakt versprach bessere Zeiten für Timo Glock. Marussia machte dank McLaren-Input und Technikchef Pat Symonds einen deutlichen Sprung. Der wird nun wieder verwässert, weil Probleme mit dem Auto die Entwicklungsarbeit behindern.

25.08.2012 Michael Schmidt

Der Winter machte wenig Hoffnung. Da rasselte Marussia zwei Mal durch den Crashtest, weil die hintere Crashstruktur mal zu wenig, mal zu viel Energie abbaute. Timo Glock und Charles Pic blieben als Vorbereitung auf den Saisonauftakt ein paar Kilometer auf Demonstrationsreifen am Filmtag des Teams. Auch sonst hörte man wenig Gutes von dem Rennstall, der seit eineinhalb Jahren mehrheitlich in russischen Händen ist. Von Geldknappheit war die Rede. Ein Teammitglied erzählt. "Es gab im Winter zwei Freitage, da wussten wir nicht, ob es am Montag noch weitergeht."

Es war, als hätte ein neues Zeitalter begonnen

Sei‘s drum: In Melbourne stand Marussia mit zwei neuen Autos am Start. Konstruiert unter der Leitung des früheren Renault-Ingenieurs Pat Symonds. Mit Unterstützung des neuen Technikpartners McLaren. Zum ersten Mal nutzte der Rennstall, der einmal Virgin hieß einen Windkanal. Zum ersten Mal saßen Glock und Pic in einem Simulator. Es war, als hätte ein neues Zeitalter begonnen. Der erste Fahreindruck bestätigte das. Timo Glock saß wieder in einem Rennauto. Zwei Jahre lang fuhr er der Spitze um fünf, dem Feld um drei Sekunden hinterher. Diesmal war Marussia ein kompaktes, effizientes Auto gelungen. Schon im Simulator von McLaren war der neue Marussia drei Sekunden pro Runde schneller als der alte Virgin. "Wir wollten es nicht glauben, haben gerechnet und gerechnet, aber wir konnten keinen Fehler finden", erinnert sich Glock.

Melbourne lieferte die Bestätigung. „Ich bin in jeder Kurve zehn bis 15 km/h schneller als im Vorjahr. Da musst du dein Fahrgefühl neu eichen. In manchen Kurven habe ich gedacht, es reicht nie, aber das Auto ist auf der Straße geklebt. Im letzten Jahr haben wir 20 Prozent Abtrieb verloren, sobald wir die Räder mehr als zwei Grad eingeschlagen hatten." Gleich nach dem ersten Training in Melbourne rief Glock in England an. „Ich musste mich bei Pat Symonds für das Auto bedanken."

"Wir wissen, dass wir uns auf die Daten verlassen können"

Auch die ersten Modifikationen am Marussia MR-01 zeigten Wirkung. Das Auto machte genau die Fortschritte, die Simulator und Windkanal versprachen. Deshalb zog Marussia einen Teil des Aerodynamikpakets vor, das für Barcelona avisiert war. Retuschen am Unterboden und am Frontflügel brachten in Malaysia sechs Zehntel. In Monte Carlo wurden erneut vier Zehntel weggefeilt. "Wir wissen, dass wir uns auf die Daten verlassen können. Das gibt dem Team mehr Sicherheit bei der Entwicklung", lobte Glock.

Zwischendurch geriet der Hesse in eine Flaute. Komischerweise betraf sie nur Glock. Das Heck war beim Bremsen und Einlenken instabil. Als Glock in Mugello in Pics Auto Platz nahm, waren die Probleme wie weggeblasen. Nach wochenlangem Rätselraten kam man in Barcelona dem Rätsel endlich auf die Spur. "An meinem Auto war die Karbonstruktur im Heck weich und die Anlenkpunkte der Hinterachse waren ausgeschlagen. Deshalb hat sich die Hinterachse bewegt, und das Heck wollte beim Bremsen und Einlenken immer ausbrechen." Auch das Feintuning der Bremskraftverteilung stimmte nicht. Immer wenn Glock den Pedaldruck verringerte, wurde zu schnell zu viel Bremskraft nach hinten verlagert. Bei jedem Bremsmanöver lenkte das Heck mit. Glock hält es für möglich, dass die Misere mit seinem Trainingsunfall in Shanghai ihren Ausgang nahm.

In Silverstone sollte der nächste große Schritt folgen. Marussia investierte eine halbe Million Euro in ein Facelift mit neuer Nase, neuem Frontflügel, neuem Heckflügel, modifizierten Seitenkästen und Auspuff nach McLaren-Vorbild. Für einen Rennstall mit rund 180 Mitarbeitern Personal eine gewaltige Investition, die sechs Zehntel wert sein sollte. Es kamen rund vier Zehntel davon an. Die Fahrer spürten mehr Abtrieb. "Leider haben sich unsere Gegner auch verbessert", sagt Glock.

Eine Woche Windkanal pro Monat

Die meisten Teams können in den Windkanal gehen, wann sie wollen. Marussia bekommt bei McLaren eine Woche pro Monat. Timo Glock muss viel aushalten. Er freut sich über jeden noch so kleinen Fortschritt. Die Auspuffmodifikation kommt nur zur Hälfte an, weil Cosworth nicht die nötigen Motorkennfelder liefern kann. Der Cosworth V8 hat zwischen 15.000 und 16.500/min ein riesiges Leistungsloch. Exakt in diesem Bereich bewegt man sich die meiste Zeit. Marussia fehlt auch das Geld, um die Endrohre aus einem Material zu bauen, das möglichst wenig Hitze aufnimmt. Die Topteams haben in diesem Bereich längst Forschung betrieben. Je heißer die Auspuffgase auf den Diffusor treffen, umso größer ist ihre aerodynamische Wirkung.

In Hockenheim holte Glock das alte Problem mit dem Heck des Fahrzeugs wieder ein. Es kam wie aus dem Nichts. Das Auto übersteuerte beim Bremsen und Einlenken. Der Fahrer verliert sofort Vertrauen. "Wenn du so fährst, sind nach drei Runden die Hinterreifen kaputt", stöhnt Glock. Die altbekannten Gegenmaßnahmen halfen diesmal nicht. Beim GP Ungarn wurde alles nur noch schlimmer. Glock verbremste sich fast in jeder Kurve. Der Teamkollege stand in drei der vier Trainingssitzungen vor ihm, und er kam im Rennen eine Runde vor ihm ins Ziel. Glock geriet sogar in die Fänge der HRT. "Der Grund für die Probleme scheint ein anderer zu sein als beim letzten Mal", rätselt Glock. "Alles was wir damals probiert haben, funktioniert diesmal nicht. Ich bin ratlos." Glock kann nur hoffen, dass seinen Ingenieuren in der Sommerpause die Erleuchtung kommt.

STATISTIK

WM-Platz: 11 (Glock P21, Pic P22)
WM-Punkte: 0
Siege: 0
Pole Positions: 0
Schnellste Rennrunde: 0
Podiumsplätze: 0
Punkteplatzierungen: 0
Rennkilometer: 5765,3 km (P8)
Führungskilometer: 0
Zielankünfte/Ausfälle: 16/5

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden