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Halbzeitbilanz McLaren

Generalüberholung bringt Erfolg zurück

F1 Halbjahresbilanz McLaren 2012 23 Bilder

McLaren ging mit einem alternativen Konzept in die neue Saison. Nase runter, statt Nase rauf. Das funktionierte zunächst prächtig. Dann kam der Einbruch. Langsam erholt sich der Vize-Weltmeister des Vorjahres wieder von einem kleinen, aber feinen Warnschuss der FIA-Inspektoren.

16.08.2012 Michael Schmidt

Den ersten Titel hatte McLaren schon vor der Saison gewonnen. Der MP4-27 ist das schönste Auto im Feld. Weil er neben dem Marussia auf den hässlichen Knick in der Nase verzichtet. Auch nach dem Facelift der Nase lässt sich die Delle nur erahnen. Doch mit Optik allein gewinnt man keine Weltmeisterschaft. Deshalb waren in der Szene viele erleichtert, als McLaren gleich das erste Rennen beherrschte und bis zum GP China aussah wie der WM-Favorit. Irgendein McLaren-Pilot stand immer auf dem Treppchen. Das roch nach Konstanz, während sich die Konkurrenz wie bei einem Fahrstuhl mal rauf, mal runter bewegte.

Die Zäsur kam mit dem GP Bahrain. Plötzlich hörte man aus dem McLaren-Camp Sprüche, die man bis dahin nur von anderen Teams gewohnt war. "Wir verstehen die Reifen nicht", klagten Fahrer und Techniker im Gleichlaut. Auch Teamchef Martin Whitmarsh änderte seine Diktion. Plötzlich hieß es nicht mehr: "Wer am schnellsten entwickelt, wird Weltmeister." Nein, der McLaren-Chef formulierte neu: "Wer als erster die Reifen versteht, holt den Titel."

McLaren hatte sie offenbar überhaupt nicht verstanden. Der Pleite von Bahrain folgte eine überragende Trainingsbestzeit von Lewis Hamilton in Barcelona, die ihm aber aberkannt wurde, weil er in der Auslaufrunde auf der Strecke stehen geblieben war. Ein Mechaniker hatte versehentlich zu wenig Sprit in den Tank gefüllt. Hamiltons Speed nach zu urteilen wäre der GP Spanien eine leichte Beute für ihn geworden. In Monte Carlo bot McLaren dann wieder nur Mittelmaß. Nur um 14 Tage später in Kanada zu gewinnen. Hamilton beharrt darauf, dass dieser Sieg eine Überraschung war. "Ich weiß bis heute nicht, warum wir dort gewonnen haben." In Valencia und Silverstone war wieder Magerkost angesagt. Bis McLaren in Hockenheim mit einer Generalüberholung des MP4-27 das Ruder herumgeworfen hat. Doch dazu später.

McLaren muss Auto umbauen

Interessant ist die Frage, was nach dem GP China passiert ist, dass McLaren so in die Krise schliddern konnte. Die Ingenieure schweigen sich darüber aus. Jenson Button hat einmal beiläufig erwähnt, dass er danach nie mehr mit den Setup-Einstellungen fahren konnte, mit denen er den GP Australien überlegen gewonnen hat. Damit kommen wir der Wahrheit schon näher. McLaren musste nach Shanghai auf Geheiß der FIA seine Autos umbauen. Nicht viel, aber eben doch zuviel.

Die vordere Kufe des Unterbodens war um drei Millimeter mehr nach oben gebogen als erlaubt. McLaren argumentierte damit, dass dies im Rahmen der Toleranzregel passiert sei. Stimmt, sagte die FIA, aber dieser Bereich sei dazu da, Fertigungstoleranzen abzufedern und nicht die drei Millimeter gleich in die Konstruktion des Unterbodens mit einfließen zu lassen. Diese drei Millimeter extra haben es McLaren erlaubt, das Auto stärker nach vorne anzustellen. Wegen des langen Hebels konnte so die Nase gleich um mehrere Zentimeter abgesenkt werden. So stark, dass sich unter den Frontflügelendplatten Kratzspuren vom Asphalt fanden. Red Bull darf sich also nicht beschweren. Auch andere Teams mussten bei der FIA Federn lassen, nur passierte dies viel geräuschloser.

Mit dem Verbot und seinen Folgen für die Anstellung des Fahrzeugs stimmte die gesamte aerodynamische Anströmung des Autos nicht mehr. McLaren musste nachbessern, vor allem hinten. Dem Diffusor wurde durch die reduzierte Anwinkelung des Autos Expansionsfläche, sprich Abtrieb gestohlen. Die höhere Nase war ein erster Schritt auf dem Weg zurück, weil so zumindest mal mehr Luft unter dem Auto durch zum Diffusor geleitet werden konnte. Der Durchbruch wurde aber erst in Hockenheim mit einer neuen Heckpartie geschafft. Mehr Anpressdruck hinten hatte zur Folge, dass die Ingenieure auch beim Frontflügel nachbessern konnten, um das Auto wieder auszubalancieren. Die Retuschen von Ungarn waren dann nur noch Feintuning. Der ganze Schritt soll laut Whitmarsh sechs Zehntel gebracht haben. Ein Quantensprung.

Durchbruch mit neuer Nase und neuem Heck

In Hockenheim war Button schon siegfähig. In Budapest konnte Hamilton gewinnen. Pech für McLaren: In den problematischen Rennen hat sich Button so viel Rückstand eingehandelt, dass er aus dem Titelrennen raus ist. Und Hamilton hat bereits 47 Zähler Rückstand auf Fernando Alonso. Viel Holz in einer so eng umkämpften Meisterschaft. McLaren wird ab sofort alle Jetons auf Hamilton setzen müssen, wenn man Alonso noch einholen will. Auch im Konstrukteurspokal sieht es nicht gut aus. Der Vize-Weltmeister des Vorjahres liegt zwar auf Platz zwei, hat aber 53 Punkte Rückstand auf Red Bull und bekommt ordentlich Druck von Lotus und Ferrari. Größtes Manko ist immer noch der hohe Reifenverschleiß. Mit Speed allein gewinnt man 2012 keinen Titel. Jetzt sind nicht nur die Fahrwerkstechniker und Aerodynamiker aus Woking gefragt. Auch bei Motorenpartner Mercedes steht ein klarer Auftrag im Lastenheft. Die Leistungsentfaltung des Mercedes V8 muss sanfter ausfallen, damit die Hinterreifen länger am Leben bleiben. 

Statistik

WM-Platz: 2 (Hamilton P4, Button P7)
WM-Punkte: 193
Siege: 3
Pole Positions: 3
Schnellste Rennrunde: 1
Podiumsplätze: 8
Punkteplatzierungen: 16
Rennkilometer: 6554,4 km (P2)
Führungskilometer: 847,8 km (P2)
Zielankünfte/Ausfälle: 18/4

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