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Halbzeitbilanz Sauber

Sauber hat den Speed zum Siegen

F1 Halbjahresbilanz Sauber 2012 Foto: Dani Reinhardt 20 Bilder

Sauber fährt die beste Saison seit es diesen Rennstall in der Formel 1 gibt. Experten zählen den Sauber C31 zu den drei besten Autos im Feld. Eigentlich ist ein Sieg überfällig. Es müsste mehr Rennwochenenden geben, an denen von A bis Z alles klappt.

20.08.2012 Michael Schmidt

Dieser Sauber sorgt für Rätselraten. Der C31 ist schnell, aber er sieht nicht so aus. "Vielleicht sogar beste Auto im Feld", lobt Helmut Marko. Auch Jenson Button ist überzeugt, dass dieser Sauber die Qualitäten zum Gewinnen hat. "Nicht Perez ist der Reifenflüsterer, sondern dieses Auto. Wenn ich so fahren würde wie er wären bei uns die Reifen schnell kaputt." Zwei Mal hat das Auto seine Qualitäten in Podestplätze umgemünzt. In Sepang und in Montreal ging das weißgraue Auto am besten mit den Reifen um. Sergio Perez dankte es mit einem zweiten und dritten Rang.

Sauber mit gutem Gesamtpaket

Technische Tricks sucht man bei dem Auto vergebens. Bis auf einen vielleicht. Am Übergang zwischen Nase und Chassis strömt auf der Unterseite Luft in einen Spalt und wird oben direkt hinter der Stufe wieder ausgelassen. Das verbessert die Cockpitumströmung. Chefdesigner Matt Morris winkt ab. "Bringt ein bisschen Zeit, ist aber kein Matchwinner." Das cleverste Detail am Auto ist wahrscheinlich der Auspuff und seine Umgebung. Der Sauber C31 kommt ohne Tricks wie Red Bull oder McLaren aus, um die Auspuffgase zielsicher in die Spalte zwischen Bodenplatte und Hinterräder zu transportieren, ohne dass sie dort die Reifen aufheizen oder dass die Abdichtwirkung des Diffusors verwässert wird. "Was Red Bull mit seinen Luftschächten in den Seitenkästen macht, erreichen wird durch die Oberfläche der Verkleidung", verrät Morris. "Wir führen die Strömung über das Auto so, dass die Auspuffgase isoliert an ihren Bestimmungort gelangen und ihre Wirkung entfalten können."

Dazu kommt, dass der Sauber C31 einfach nur ein gut ausbalanciertes Auto ist. Aerodynamisch und mechanisch. Damit nutzen sich auch die Reifen gleichmäßig ab. Das Abstimmungsfenster wurde im Vergleich zum Vorjahr signifikant vergrößert. Bei manchem Konkurrenzprodukt war es umgekehrt. Manchmal aber greifen auch die Sauber-Techniker daneben. In Bahrain und Ungarn dümpelten die weißen Autos im Mittelfeld herum. "Da lagen wir von der Abstimmung daneben", lässt Sergio Perez Revue passieren.

Auch in Monte Carlo und Silverstone gab es Nullrunden. In beiden Rennen versemmelten es die Fahrer. Teils verschuldet, teils unverschuldet. Sergio Perez handelte sich in Monaco durch einen unnötigen Unfall im Training eine schlechte Startposition ein. Kamui Kobayashi wurde von Romain Grosjean ins Aus befördert. Umgekehrtes Spiel in Silverstone. Perez war das Opfer einer Attacke von Pastor Maldonado. Kobayashi rutschte beim zweiten Boxenstopp weit über seine Parkposition hinaus. 14 Sekunden weg, Punkte weg.

Sauber vergibt zu viele Chancen

Matt Morris und seine Truppe können sich auf ihren Windkanal verlassen. Die beiden großen Technikoffensiven in Barcelona und in Silverstone funktionierten auf Anhieb. Auch Probleme werden schnell aus der Welt geschafft. Sauber stellte bei den ersten Rennen fest, dass die Lücke zwischen Frontflügelhauptblatt und Flap zu schmal ist. Quasi ein Fangnetz für Reifenschnipsel. So etwas kann sofort ein paar Punkte Abtrieb kosten. Beim GP China traf es die Sauber-Piloten besonders hart. In Barcelona kam ein neuer Frontflügel zum Einsatz. Er weist eine größere Lücke auf. Ärger machte auch Öl auf der Kupplung. Man brauchte drei Rennen um herauszufinden, woher das Öl kam. Durch zu hohen Druck im Ausrücklager drang Schmierstoff aus dem Motor in die Kupplungsglocke. Zwei Boxenstopps und ein Start gingen deshalb in die Hosen.

Der Höhenflug von Sauber überrascht die Konkurrenz. Dabei steckt eine gewisse Logik dahinter. Das Vorjahresauto kam ohne Anblasen des Diffusors aus und konnte sich trotzdem im Mittelfeld behaupten. "Wir mussten weniger aufgeben als unsere Gegner", bestätigt Morris. Im Gegensatz zu 2011 wählte Sauber diesmal eine aggressive Auspuffvariante. Der ehemalige Technikchef James Key hatte die naheliegende konservative Lösung favorisiert, bei der die Endrohre entlang der Motorabdeckung auf das untere Heckflügelelement zielen. Man sah sie nur bei der Präsentation des C31 und den ersten beiden Testtagen. Nach der Trennung von Key wurde Anfang Januar im Windkanal das Programm für die radikalere Alternativlösung angeworfen. Die Endrohre sind in eine Stufe in den Seitenkästen eingebettet.

Einige Wochen lang geisterte der Verdacht durch das Fahrerlager, der Schweizer Rennstall stehe finanziell auf wackeligen Beinen. Die englische Fraktion verbreitete sogar das Gerücht, Sauber könne diese Saison nicht zu Ende fahren. Tatsache ist, dass Sauber zwei Sponsoren verloren hat, davon einen mit einer zweistelligen Einlage. Das Team hängt am Tropf der mexikanischen Telmex-Kette, einem Unternehmen aus dem Reich von Carlos Slim, der als der reichste Mann der Welt gilt. Die mexikanische Tourismusbehörde ist nach den Erfolgen bei den ersten Rennen reumütig zurückgekehrt. Seit Anfang Mai gibt es eine Partnerschaft mit dem FC Chelsea. Da fließt zwar unmittelbar kein Geld, aber Sauber ist auf den Banden im Stadion und den Interviewwänden bei den Spielerinterviews vertreten. Ein netter Köder für einen Hauptsponsor. Der käme dann bei der Formel 1 und beim Fußball ins Bild.

Noch hat keiner angebissen. Dabei fährt der Schweizer Rennstall trotz bescheidener Mittel seine beste Saison. Im Augenblick stehen die Eidgenossen auf Platz sechs im Konstrukteurspokal. Den zu halten wäre ein schöner Erfolg. Die Optimisten im Team haben jedoch den Blick nach vorne gerichtet. Mercedes liegt mit 26 Zählern Vorsprung nicht uneinholbar weit weg. Peter Sauber ist überzeugt, dass sein Auto unter Wert geschlagen wird: "Wir haben den Speed zum Siegen und dürfen nicht zu häufig unsere Chancen wegwerfen."

 
STATISTIK

WM-Platz: 6 (Perez P9, Kobayashi P10)
WM-Punkte: 80
Siege: 0
Pole Positions: 0
Schnellste Rennrunde: 2
Podiumsplätze: 2
Punkteplatzierungen: 10
Rennkilometer: 5822,8 km (P6)
Führungskilometer: 38,5 km (P7)
Zielankünfte/Ausfälle: 16/6

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