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Halbzeitbilanz ToroRosso

Zwischen Mittelfeld und Hinterbänklern

F1 Halbjahresbilanz ToroRosso 2012 Foto: Dani Reinhardt 21 Bilder

Die Experten von ToroRosso rätseln über die Gründe des Absturzes: Sind die Piloten zu unerfahren, oder ist das Auto zu schlecht? Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo in der Mitte.

23.08.2012 Michael Schmidt

Im letzten Jahr kämpfte ToroRosso mit Force India und Sauber noch um Platz sechs in der Konstrukteurswertung. In dieser Saison kämpft ToroRosso mit niemandem. Der Rennstall aus Faenza erlebt eine Saison wie Williams 2011. Die 290-Mann-Truppe dümpelt einsam auf Platz neun herum. Mit Respektabstand zum Mittelfeld, aber sicherer Distanz zu Caterham. WM-Zähler gab es nur in den ersten beiden Grand Prix. Seit dem GP Malaysia steht das Konto von ToroRosso auf sechs Punkten. Seither war ein elfter Platz von Daniel Ricciardo in Valencia das beste Resultat.

25.000 Dollar Buße für hirnlose Aktion

An der Standfestigkeit liegt es nicht. Daniel Ricciardo und Jean-Eric Vergne sind regelmäßige Ankommer. Nur zwei Mal mussten sie vorzeitig aufgeben. Ricciardo in Monte Carlo mit einem Lenkungsdefekt, Vergne in Valencia nach einer dummen Attacke auf Heikki Kovalainen. Die FIA brummte dem Franzosen für seine hirnlose Aktion zehn Startplätze Strafversetzung und 25.000 Dollar Buße auf. Insgesamt rangiert ToroRosso mit 6.415 Rennkilometern an vierter Stelle. Das kann sich sehen lassen.

Das Auto ist schlicht zu langsam

An der Vorbereitung der Autos gibt es nichts auszusetzen. Sie sind schlicht zu langsam. Oder die beiden jungen Piloten sind nicht in der Lage, das Potenzial des Autos abzurufen respektive dessen Schwachstellen genau zu erkennen. Schon werden Stimmen laut, dass es besser gewesen wäre, wenigstens einen der beiden Vorjahrespiloten zu halten. Als Anhaltspunkt für die Ingenieure und Messlatte für den neuen Fahrer im Team. Teamberater Helmut Marko wiegelt ab: "Es liegt nicht an den Piloten. Wenn es regnet, sind sie schnell. Das zeigt uns, dass sie Gas geben. Die Ingenieure sind mit der Auspuffentwicklung in die falsche Richtung gelaufen."

Schlechte Traktion ist das Hauptproblem

Tatsächlich ist das größte Problem des ToroRosso STR7 seine schlechte Traktion. "Schnelle Kurven gehen einigermaßen", bestätigt Ricciardo. Der Australier trat in Silverstone und Hockenheim mit den Startplätzen 12 und 11 den Beweis an. Nur im Rennen läuft dann nicht mehr viel. Die ToroRosso-Piloten stecken jedes Mal zwischen Platz 12 und 17 fest. Versuche, sie mit einer alternativen Strategie aus der Falle zu holen, gingen meistens schief. So wie in Monte Carlo, als Vergne kurz vor Schluss auf Platz sieben lag. Als der Franzose bei Nieselregen mit seinen abgefahrenen Reifen zu viel Zeit verlor, pokerte ToroRosso mit Intermediates. Pech, dass sich der Regen wieder verzog.

Zu aggressiv der Eine, zu zurückhaltend der Andere

Zu Beginn der Saison sah es eigentlich noch ganz ordentlich aus im ToroRosso-Camp. Ricciardo stellte sein Auto in Bahrain auf den sechsten Startplatz. "Weil da endlich mal alles zusammengepasst hat", begründet Marko den positiven Ausreißer. Leider verspielte der Australier seine Chancen durch eine schlechte Startrunde. "Da muss er noch aggressiver werden", heißt es aus dem Team. Vergne ist dafür zu aggressiv. Die Ingenieure bläuten ihm mehrfach ein, er solle es in der Qualifikation etwas ruhiger angehen lassen, weil das den Reifen guttut. Vergne bekommt regelmäßig die Quittung für seinen wilden Fahrstil. Er fiel bereits fünf Mal in Q1 durch den Rost. Mit einem durchschnittlichen Startplatz von 16,82 liegt er auf Platz 18, weit hinter dem 17. Bruno Senna mit 13,82 und Teamkollege Ricciardo mit 13,62.

Ursprünglich trat der Auspuff auf Motorhöhe im Übergang zur Airbox aus und wurde durch den in der Nähe liegenden vorderen Querlenker der Hinterachse trickreich auf das untere Heckflügelelement geblasen. ToroRosso machte sich da ein Schlupfloch im Reglement zunutze. In einem Umkreis von 25.000 Quadratmillimetern des Auspuffs und von 12.000 im Umfeld der Querlenker der Hinterachse darf die Verkleidung geöffnet werden. ToroRosso legte den Auspuff in die Nähe der Querlenker und durfte die Flächen addieren. Das ergab einen Luftauslass von 37.000 Quadratmillimetern an einer Stelle, an der das eigentlich verboten wäre.

James Key vielleicht neuer Technikchef bei ToroRosso

Später sattelten die ToroRosso-Techniker auf einen Coanda-Schacht im äußeren Bereich der Seitenkästen um. Dass die alte Lösung nicht unbedingt falsch gewesen sein muss, zeigen Lotus, Williams und Mercedes. Die blasen die Auspuffgase immer noch nach innen auf den Unterflügel im Heck. Teamchef Franz Tost fordert mehr Abtrieb, denn damit lösen sich viele Probleme von selbst. Man hört, dass die Korrelation zwischen Windkanal und Rennstrecke nicht immer stimmt. Vor dem GP Deutschland wurde Technikchef Giorgio Ascanelli beurlaubt. Es gab Differenzen zur Rennstrategie und technischen Entwicklung des Autos. Ein Nachfolger steht noch nicht fest, aber vieles deutet darauf hin, dass Ex-Sauberingenieur James Key in Faenza landen könnte. Das größte Hindernis dürfte der Standort sein. Key wurde schon in der Schweiz nicht heimisch.

WM-Platz: 9 (Vergne P17, Ricciardo P18)
WM-Punkte: 6
Siege: 0
Pole Positions: 0
Schnellste Rennrunde: 0
Podiumsplätze: 0
Punkteplatzierungen: 2
Rennkilometer: 6414,8 km (P4)
Führungskilometer: 0
Zielankünfte/Ausfälle: 20/2

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