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Halbzeitbilanz Williams

Starkes Auto braucht starke Fahrer

F1 Halbjahresbilanz Williams 2012 24 Bilder

Das Auto ist besser als seine Fahrer. Dass der Williams FW34 Rennen gewinnen kann, bewies Pastor Maldonado in Barcelona. Aber auch nur dort. Williams gelang die Kehrtwende mit einem verbesserten Vorjahreskonzept und einem neuen Motorpartner.

21.08.2012 Michael Schmidt

Williams lieferte die Sensation des Jahres. Beim GP Spanien feierte der Rennstall aus Grove einen GP-Sieg. Den ersten nach 2.758 Tagen und 131 Grand Prix im Niemandsland. Zuletzt hatte ein Williams-Fahrer beim GP Brasilien 2004 gewonnen. In einer Zeit, in der Frank Williams und Patrick Head die Zügel in der Hand hielten und Williams noch zu den Topteams zählte. Inzwischen ist der drittälteste Formel 1-Rennstall zwar an der Börse aber nicht mehr an der Spitze im Feld. Zumindest nicht mehr regelmäßig.

Die starken Männer heißen jetzt Toto Wolff und Mike Coughlan. Frank Williams hält zwar noch die meisten Anteile, hat sich aber aus dem Tagesgeschäft verabschiedet. Patrick Heads Rolle hat sich auf die Hybridentwicklung reduziert. Toto Wolff gehört ein Teil des Rennstalls. Seit Geschäftsführer Adam Parr gehen musste, führt der Österreicher den Oberbefehl. Und im Technikbüro hat Mike Coughlan das Sagen, der Mann, der 2007 in den Spionagefall zwischen Ferrari und McLaren maßgeblich verwickelt war.

Verarbeitung des Williams jetzt auf McLaren-Standard

Coughlan hat bei Williams zusammen mit Aerodynamikchef Jason Somerville und Technikkoordinator Mark Gillan eine neue Dimension eingeführt. Die Verarbeitung des Autos ist jetzt auf dem Standard von McLaren. Das war nicht immer so. Aerodynamisch wurde viel Rundenzeit hergeschenkt, weil die Teile schlampig verarbeitet waren. Prinzipiell ist der Williams FW34 nicht so viel anders als sein Vorgänger. Auch er hat noch das Minigetriebe im Heck, das angewinkelte Antriebswellen erfordert, weil es deutlich unter der Achsmitte liegt. Das Prinzip war immer richtig, nur die Umsetzung nicht. Je flacher das Heck, umso besser wird der untere Heckflügel angeströmt und umso besser kann auch der Diffusor arbeiten.

Das Problem 2011 lag in der mangelhaften Steifigkeit. Das wurde durch neue Anlenkpunkte der Hinterachse und ein steiferes Gehäuse behoben. Plötzlich konnte der Williams seine Trumpfkarte voll ausspielen. So flach ist hinten höchstens noch der Sauber. Kein Wunder, Matt Morris kennt das Konzept von seinem früheren Arbeitgeber. Ansonsten ist der Williams FW34 ein braves Auto, dass außer einem extrem zerklüfteten Frontflügel keine Besonderheiten erkennen lässt. Es ist mechanisch gesund und aerodynamisch vergleichsweise simpel, und das zählt etwas, wenn es darum geht, in 240 Trainingsminuten das Auto optimal auf einen Kompromiss zwischen Qualifikation und Rennen abzustimmen.

Nicht mehr PS, aber eine viel bessere Laufkultur

Einen riesigen Fortschritt brachte auch der Motorenwechsel über den Winter. Der Renault-Motor hat zwar nicht mehr PS als der Cosworth V8 vom letzten Jahr, dafür eine viel bessere Laufkultur. Das schont die Reifen, reduziert den Spritverbrauch, gibt den Fahrern Vertrauen. Beim Auspuff blieb Williams bislang auf der sicheren Seite. Es gibt zwar drei Versionen im Angebot, darunter auch einen Coanda-Schacht à la McLaren, doch die beste Lösung ist immer noch die zweite, bei der die Endrohre aus einer Falte in der Motorverkleidung ins Freie treten und nach innen auf das untere Heckflügelelement zielen.

Obwohl Williams die enttäuschende Saison 2011 längst vergessen gemacht hat, schleicht sich bei vielen im Team das Gefühl ein, dass man mit besseren Fahrern in der WM deutlich besser platziert wäre. Pastor Maldonado hat in Melbourne, Sepang, Monte Carlo, Valencia und Silverstone sichere WM-Punkte durch Unfälle oder Kollisionen fahrlässig weggeworfen. Bruno Senna ist etwas konstanter, aber in der Regel langsamer. Aber auch der Brasilianer fliegt zu oft von der Strecke. Insgesamt haben die beiden schon 16 Mal Schrott produziert. Das führte im Zusammenspiel mit dem Boxenfeuer von Barcelona zu Engpässen bei der Produktion und zur Verschleppung der Entwicklung. In Ungarn kamen bereits die Getriebe Nummer 17 und 18 zum Einsatz. Bei den Unfällen gingen meistens auch die Kraftübertragungen zu Bruch. Außerdem wurden Aufhängungsteile knapp.

34 Millionen Dollar - das ist vielleicht das Problem

Maldonados Sieg verschaffte Williams trotzdem Luft zum Atmen. Das Team wird in diesem Jahr bestimmt nicht noch einmal auf Platz neun der Konstrukteurstabelle landen. Das bedeutet mehr Geld von Bernie Ecclestone. Die Mitgift aus Venezuela dürfte auf Jahre gesichert sein.

Maldonado ist seit dem 13. Mai ein Held in seiner Heimat. Die Opposition wird es nicht wagen, Präsident Hugo Chavez weiter klebrige Fragen über die Sinnhaftigkeit der Staatsunterstützung zu stellen. Maldonado schwankt immer ein bisschen zwischen Gut und Böse. Der absolut perfekten Fahrt zum Sieg in Barcelona folgte in Monte Carlo die Vorstellung eines Anfängers. Crash im Training, Crash im Rennen, dazu eine Strafversetzung wegen einer Unbeherrschtheit. "Dabei hatten wir ein Auto für das Podest", jammerte Chefdesigner Ed Wood.

Seit dem Sieg in Barcelona blieb Maldonado punktelos. Der GP2-Meister von 2010 macht auch in den schlimmsten Momenten ein Gesicht, als ob ihn das angerichtete Unheil nichts anginge. Wer 34 Millionen Dollar auf den Tisch blättert, muss sich nicht rechtfertigen. Das ist vielleicht das Problem.

WM-Platz: 7 (Maldonado P11, Senna P15)
WM-Punkte: 53
Siege: 1
Pole Positions: 1
Schnellste Rennrunde: 0
Podiumsplätze: 1
Punkteplatzierungen: 8
Rennkilometer: 5586,2 km (P11)
Führungskilometer: 172,2 km (P5)
Zielankünfte/Ausfälle: 15/7

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