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Hamilton-Aufholjagd in Spa

„Hoffe in die Top 10 zu fahren“

Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Belgien - Spa-Francorchamps - 27. August 2016 Foto: Wilhelm 65 Bilder

Lewis Hamiltons Aufgabe beim GP Belgien ist einfach definiert. Der Weltmeister startet aus der letzten Reihe und will Schadensbegrenzung betreiben. Ein Platz in den Top 10 ist das Ziel. Für ein Podium braucht es ein Wunder. Die Ausgangslage ist schwieriger als in China.

27.08.2016 Michael Schmidt 1 Kommentar

Lewis Hamilton war relaxt. Er drehte im Q1 vier langsame Runden für das Publikum, gab Interviews als seine Kollegen noch fuhren, schaute den Rest der Qualifikation in Shorts in seinem Ruheraum am Fernsehschirm an und ging dann mit seinen beiden Hunden Gassi. Die Arbeit war längst getan. Alle 78 Trainingsrunden des Weltmeisters hatten ein Ziel: das bestmögliche Setup für das Rennen auszutüfteln.

Seinen Startplatz kannte Hamilton schon vorher. Wegen seiner vielen Motorstrafen startet der Champion aus der letzten Reihe. Neben seinem Ex-Teamkollegen Fernando Alonso. Damit stehen 5 WM-Titel und 81 GP-Siege ganz hinten im Feld. „Ich bin so relaxt wie schon lange nicht mehr“, grinste Hamilton. „Ich wusste ja, was auf mich zukommt.“

Aufgabe in Spa schwerer als in Shanghai

Im Rennen geht es um Schadensbegrenzung. Hamilton startet mit 19 Punkten Vorsprung auf Teamkollege Nico Rosberg in den 13. WM-Lauf. Wenn Rosberg gewinnt, muss der Engländer mindestens Siebter werden, um die WM-Führung zu behalten. Dank mehr zweiter Plätze. Hamilton spielt den Pessimisten: „Ich hoffe, in die Top 10 zu fahren. Ein Podium ist nicht unmöglich, aber unwahrscheinlich. Dazu sind die Reifen zu zerbrechlich.“

Immerhin. Kein anderer Fahrer hat im Rennen ein so großes Reifenspektrum zur Verfügung. Hamilton kann aus einem Pool von 5 frischen Reifensätzen wählen. Einem Satz Medium, drei Sätzen Soft, einer Garnitur Supersoft.

Während bei Mercedes wegen der Unfallgefahr in La Source noch ein Start aus der Boxengasse in Erwägung gezogen wird, spricht sich Hamilton für einen normalen Start aus: „Ich mag diese Starts aus der Boxengasse nicht. Das würde bedeuten, dass das letzte Auto schon in Eau Rouge ist, wenn ich auf die Strecke einbiege.“

Hamilton kennt das Spiel. Schon beim GP China sah er das Feld beim Start von hinten und wurde nach einem turbulenten Rennen am Ende Siebter. Doch die Aufgabe in Spa ist ungleich schwerer. „Man kann die beiden Rennen nicht vergleichen. Wir haben hier viel höhere Reifendrücke und höhere Temperaturen. Wenn du Attacke machst, werfen die Reifen Blasen. Die Unterschiede zwischen den Autos sind geringer. Es wird viel schwieriger nach vorne zu kommen.“

Für Hamilton zählt Spa nicht zu den Top 3-Strecken beim Überholen. Schon gleich gar nicht unter den extremen Umständen. „Wenn du überholen willst, musst du in der Kurve vorher dran bleiben. Das wird ganz schwer. Eine Runde hinterherfahren, und deine Reifen sind im Eimer.“

Teamchef Toto Wolff bilanzierte: „Rückblickend wäre Monza vielleicht die bessere Strecke gewesen, die Motorstrafen zu nehmen.“ Hamilton widerspricht: „Ich habe nur noch einen alten Motor. Und der ist von den Kilometern her so am Limit, dass ein Renneinsatz ein Risiko gewesen wäre. Die Entscheidung wurde uns aufgezwungen.“

Hamilton schimpft auf Motoren-Reglement

Hamilton steht hinter der Strategie von Mercedes, ihn mit 3 frischen Antriebseinheiten bis zum Saisonende einzudecken. Auch wenn er für den Einsatz der nächsten Motor-Ausbaustufe eine weitere Strafe in Kauf nehmen müsste. „Wer weiß, ob ich sie überhaupt brauche. Ich bin zufrieden damit, dass ich jetzt genug Motoren auf Lager habe und sie deshalb auch ein bisschen schärfer fahren kann, weil sie weniger Kilometer machen müssen.“

Wolff beruhigte die Gemüter: „Die nächste Ausbaustufe macht von den Prüfstandsläufen her keinen großen Unterschied zu der jetzigen aus. Der Nachteil, den Lewis da möglicherweise in Kauf nehmen müsste, wird durch den Vorteil aufgewogen, dass er jetzt genug Motoren für die letzten neun Rennen hat.“

Natürlich ist Hamilton kein Freund der Motorenstrafen. Ihm ist das alles viel zu kompliziert mit den 6 Antriebseinheiten und dem Strafensystem, das ihm eigentlich eine Versetzung um 55 Plätze in der Startaufstellung aufs Auge drückt. Politisch unkorrekt moniert der Titelverteidiger: „Das kapiert doch kein Mensch. Keiner weiß, was eine MGU-H ist. Und keiner interessiert sich dafür. Mir wäre ein V12 mit richtig Lärm viel lieber.“

Theoretisch könnte Hamilton noch eine weitere Strafe drohen. Wenn er im Verlauf der letzten 9 Rennen eine dritte Verwarnung kassiert, muss er 10 Startplätze zurück. Der Engländer gibt zu, kurz darüber nachgedacht zu haben, durch eine absichtliche Verfehlung auch dieses Damoklesschwert zusammen mit den Motorstrafen aus dem Weg zu räumen, doch er kam davon ab. „Das hieße, dass ich absichtlich etwas Illegales oder Gefährliches tun müsste. Das will ich nicht. Am Ende kriege ich die Strafe für das folgende Rennen und schieße mir selbst noch ins Knie.“

Neuester Kommentar

"... Politisch unkorrekt moniert der Titelverteidiger: „Das kapiert doch kein Mensch. Keiner weiß, was eine MGU-H ist. Und keiner interessiert sich dafür. ..."

Ich glaube, die Formel 1 Protagonisten leider unter einer verzerrten Wahrnehmung. Formel 1 ist auch Ingenieurssport und gerade die Vernetzung unterschiedlicher Energieerzeugungssysteme und Energiespeichersysteme ist doch ein großes Thema, was über die Formel 1 hinaus enorme Bedeutung hat und noch weiter erlangen wird (Stichwort: Energiewende). Vor allem die optimale Steuerung und Regelung dieser Systeme ist doch DIE große Herausforderung. Wenn auto motor und sport natürlich keine technischen Berichte über diese Antriebseinheiten schreibt und bei den TV-Übertragungen lieber moniert wird, dass die Autos keinen Lärm mehr produzieren, muss man sich nicht wundern, dass der gemeine Fan nichts damit anzufangen weiß. Im englischsprachigen Raum gibt es Zeitschriften wie "Race Engineering", die man auch in normalen Zeitschriftenläden erhält. Da wird so etwas analysiert und immer noch populärwissenschaftlich genug erklärt.
Dass die Formel 1 Wagen signifikant weniger je Runde bei ähnlichen Fahrleistungen wie in der Prae-Hybridära benötigen, wäre ja auch mal eine Erwähnung wert.
Dass Leute wie Vettel (der möchte ja am liebsten laute V10- oder V12-Motoren und wieder mehr Nervenkitzel in der Formel 1) oder Lewis Hamilton solche Aussagen tätigen dürfen, zeigt, dass die Formel 1 momentan eine schwache Führung hat.

ExigeE265 28. August 2016, 07:24 Uhr
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