Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Hamilton-Fehler im zweiten Stint

Nicht ganz perfekte Verzögerungstaktik

Hamilton & Rosberg - GP Abu Dhabi 2016 Foto: Wilhelm 70 Bilder

Sogar Nico Rosberg gab zu: Lewis Hamilton hat seine Verzögerungstaktik perfekt gespielt. Doch war es wirklich so? Nicht ganz. Im zweiten Stint unterlief Hamilton der entscheidende Fehler.

02.12.2016 Michael Schmidt

So richtig wollte es bei Mercedes ja keiner zugeben. Zu tief saß der Frust, dass Lewis Hamilton nur auf sich und nicht auf das Team geschaut hatte, als er das Feld durch Langsamfahren hinter sich aufstaute, um WM-Gegner Nico Rosberg in Schwierigkeiten zu bringen. Nur Rosberg hatte kein Problem damit: „Lewis hat sein ganzes Können perfekt eingesetzt. Es gab für mich absolut keinen Weg an ihm vorbei. Es war sinnlos es zu versuchen. Er hat es auf eine perfekte Weise inszeniert.“

Erst mit einer Stunde Abstand konnten sogar die Ingenieure Hamiltons kontrollierter Tempobremse Bewunderung abringen. Nicht wegen seiner Durchtriebenheit und seiner Konsequenz nur an sich zu denken. Mehr, wie er es gemacht hat. Langsamfahren ist nämlich gar nicht so einfach.

„Lewis fuhr extrem clever. Er hat in den Bereichen Gas gegeben, wo es gefährlich wurde und er hat dort gebummelt, wo überholen unmöglich ist. Von Kurve 21 bis Kurve 7 gab er Gas. Da muss man ihn dafür bewundern. Er hat sein Spiel exzellent gespielt. Es ist wirklich schwierig so langsam zu fahren und dabei die Reifen so am Leben zu halten, so dass er jederzeit reagieren konnte“, applaudierten ein Ingenieur.

Langsamfahren ist eine Kunst

Gegen Ende des Rennens hatten die Reifen nicht mehr viel Gummiauflage. Die Asphalttemperatur war auf 27 Grad gesunken. Wer zu lange herumschleicht läuft Gefahr, dass er die so empfindlichen Pirelli-Sohlen nie mehr in ihr Fenster zurückbringt oder dass sie zu körnen beginnen. Und dann wäre auch ein Hamilton wehrlos gewesen. Weil auf dem ausgekühlten Asphalt nicht mehr genügend Gummiauflage vorhanden ist, die sich durch Reibung mit der Fahrbahn und Bewegung in sich selbst aufheizt.

Deshalb hat Hamilton im Sektor 3, in dem er das Auto hauptsächlich nur rollen ließ, die wenigen schnellen Kurven dazu genutzt, die Reifen zu belasten. In der Zielkurve gab er Gas. Um sicherzustellen, dass Rosberg an den DRS-Messpunkten vor Kurve 7 und nach Kurve 9 nicht innerhalb einer Sekunde liegt. Am Bremspunkt in Kurve 11 ließ er den Teamkollegen dann schon wieder aufschließen. Er wusste, dass von Kurve 11 bis 21 Überholen nicht möglich ist.

Am Ende hat Hamilton das Spiel etwas übertrieben. Er fuhr so langsam, dass Rosberg in den letzten 3 Runden im DRS-Bereich fahren konnte. So wurde es für Sebastian Vettel schwierig, den zweiten Mercedes zu überholen. „Bei Verstappen hatte ich noch den DRS-Vorteil. Bei Nico nicht mehr.“

Hamilton hätte Verstappen/Rosberg einbremsen müssen

Das war aber nicht der entscheidende Fehler in Hamiltons Plan. Der lag nach Ansicht der Ingenieure im Mittelabschnitt. Also jener Phase des Rennens, als er Rosberg um bis zu 4,5 Sekunden davonfuhr. Und das war aus Sicht von Hamilton der Fehler, den er vielleicht bereuen würde, wenn er das Rennen noch einmal bis ins Detail analysiert. Er ließ Rosberg erst wieder näherkommen, als der WM-Rivale Max Verstappen in Runde 20 überholt hatte.

Wenn es der entthronte Weltmeister wirklich hätte auf die Spitze treiben wollen, hätte er dem Duo Verstappen/Rosberg nicht so weit davonfahren dürfen. Weil er so keine Möglichkeit hatte, Rosberg einzubremsen, um ihn in Undercuts von Ricciardo oder Räikkönen zu treiben. Weil er so Verstappen keine Zeit schenken konnte.

In den Runde 20 bis 27 fuhr Rosberg im Schnitt eine Sekunde schneller als im Windschatten von Verstappen. Diese Zeit musste der Holländer später wieder gutmachen. Er schloss deshalb später auf Rosberg auf und verheizte dabei seine Reifen so, dass er in den letzten 4 Runden schon wieder etwas Boden auf Rosberg und Vettel verlor.

Hamilton fehlten Infos von der Box

Um so zu taktieren, fehlte Hamilton jedoch der volle Überblick über das Rennen. Er konnte nicht abschätzen, wo Verstappen und Vettel relativ zu ihm und Rosberg lagen, da beide mit einer völlig anderen Taktik unterwegs waren. Renningenieur Pete Bonnington hätte ihn zwar fernsteuern können, doch so viel Nachhilfe war Hamiltons wichtigstem Mann an der Boxenmauer verboten.

Kommentar vom Kommandostand: „Für Lewis war es nicht einfach das Rennen zu lesen, weil Verstappen ein anderes Rennen fuhr und lange nicht als Gegner wahrgenommen wurde. Auch Vettels Taktik mit den Supersofts war vor dem Rennen nicht absehbar. Es war also schwer für Lewis und seinen Ingenieur das Rennen zu planen. Deshalb hat Lewis auch eine gute Gelegenheit verpasst, Nico in Schwierigkeiten zu bringen.“

„Er hätte nicht eine so große Lücke zu Verstappen aufmachen dürfen, solange Nico hinter Max war. So konnte er ihn für ein paar Runden nicht wirkungsvoll einbremsen. Damit war es für Räikkönen, Ricciardo und Vettel auch nicht möglich, Nico mit einem Undercut zu schlagen. Mit perfekter Hilfe von der Boxenmauer hätte Lewis ein paar Chancen mehr gehabt, Nico das Leben schwer zu machen.“

Fahrer und Ingenieur sind zwar ein Team, doch wenn der Sieg der Mannschaft in Gefahr ist, hört die Lager-Politik auf. Bonington musste Hamilton stattdessen 2 Befehle vom Chefstrategen des Teams überbringen, in denen der Mann im Auto mit der Startnummer 44 ultimativ aufgefordert wurde, bestimmte Mindest-Rundenzeiten zu fahren. Mit dem Zusatz: „This is an instruction.“ Und die muss normalerweise befolgt werden.

Als das auch nichts nutzte, meldete sich Technikchef Paddy Lowe am Funk: „Lewis, this is Paddy. You need to pick up the pace.“ Ergebnis: Die beiden letzten Runden waren seine langsamsten im Rennen. Fazit im Team: „Nico verhält sich nach den Regeln des Teams. Siehe Monaco, als er Lewis sofort Platz gemacht hat. Lewis fährt manchmal nach seinen eigenen Regeln.“

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden