Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Hamilton gegen Rosberg

Ist Rosberg zu nett?

Lewis Hamilton - Formel 1 - GP China 2015 Foto: xpb 22 Bilder

Lewis Hamilton kartet nach. Nach Kritik an seiner Fahrweise, bezeichnet er seinen Teamkollegen als zu wenig ehrgeizig. Rosberg hätte ihn ja im Rennen angreifen können, wenn er glaubte, dass er schneller gewesen sei. Da stellt sich die Frage: Ist der deutsche Herausforderer einfach zu nett?

14.04.2015 Michael Schmidt

Diese Runde ging an Lewis Hamilton. Wie die in Australien und Malaysia zuvor auch. Nach drei Rennen steht es im internen Mercedes-Duell 3:0 für den Weltmeister. Langsam wird es eng. Im letzten Jahr sah es für Nico Rosberg aber noch schlimmer aus. Da führt Hamilton nach fünf Rennen mit 4:1. Bis ihm Rosberg beim GP Monaco den Zahn zog.

Es geht um die Frage: Wer ist der Platzhirsch?

Den Grundstein dafür legte Rosberg in der Qualifikation. Mit einem Verbremser in der Mirabeau-Kurve sorgte er dafür, dass keiner der nachfolgenden Fahrer seine Rundenzeit verbessern konnte. So behielt der Wahl-Monegasse seine Pole Position. Und das war am nächsten Tag der Sieg. Gerhard Berger applaudierte damals: "Wenn der Verbremser Absicht war, dann ziehe ich meine Hut."

Warum? Weil Rennfahrer, die Weltmeister werden wollen, so ticken müssen. Das Duell mit ihren Kollegen geht über die Rennstrecke hinaus. Der Kopf entscheidet. Hamilton war fest davon überzeugt, dass ihm Rosberg damals ein Ei gelegt hat. Er hatte sich danach mehrmals bei der Rennleitung erkundigt, um zu erfahren, ob Rosberg eine Strafe dafür bekommt. Rosberg hatte seinen WM-Rivalen aus dessen Sicht mit seinen eigenen Mitteln geschlagen. Und daran hatte der Engländer lange zu knabbern.

Eigentlich bis zum GP Ungarn, als er den Funkspruch des Teams ignorierte, Rosberg vorbeizulassen. Da schlug Hamilton wieder seinen Pflock in das Revier. Er war wieder der Platzhirsch. Als Rosberg dann für die Kollision mit seinem Teamkollegen in Spa abgemahnt wurde, war die Luft raus aus dem WM-Duell. Seit diesem Tag gewann Hamilton acht Grand Prix. Rosberg nur einen. So als hätte die Episode in Spa dem Herausforderer ein für alle Mal den Zahn gezogen.

Rosberg gratulierte sportlich fair

Im WM-Finale versuchte Rosberg, seinen Gegner durch gezielte verbale Attacken aus dem Konzept zu bringen. Dazu setzte er noch die Pole Position drauf. Hamilton wirkte angezählt. Er wankte, aber er fiel nicht. Schon beim Start sorgte der Titel-Favorit für klare Verhältnisse. Rosberg hätte das Rennen auch ohne seine technischen Probleme nicht gewonnen.

In diesem Winter intensivierte der WM-Zweite seine Anstrengungen noch. Die ganzen Testfahrten über sah es so aus, als wäre Rosberg seinem Widersacher immer einen Schritt voraus. Die Ernüchterung folgte in Australien und Malaysia. Hamilton gewann beide Rennen. Rosberg gratulierte sportlich fair, sagte dass Lewis weltmeisterlich gefahren sei, und das er die Rennen schon in der Qualifikation verloren habe. Der Nachsatz "Mein Rennspeed war besser", verhallte ungehört.

War das klug? Rosberg redete Hamilton damit eigentlich nur stark. Der nahm die Geschenke aber überhaupt nicht an. Als Rosberg sich über den knappen Trainingsabstand von 0,042 Sekunden ärgerte, rieb ihm der Engländer unter die Nase: "Hätte ich meine letzte Trainingsrunde hinbekommen, wäre der übliche Abstand von drei Zehnteln wieder hergestellt gewesen."

Am Sonntag änderte Rosberg die Taktik. Er beklagte sich, dass ihn Hamilton mit seiner langsamen Fahrweise in die Fänge der Ferrari-Fahrer getrieben habe. Als Hamilton sagte, dass er sein eigenes Rennen mit Rücksicht auf seine Reifen fahre, stellte sein Gegenüber erstaunt fest: "Interessant zu hören, dass Lewis nur an sich denkt." Im Fahrerlager wurde erstaunt die Gegenfrage gestellt: An wen denn sonst?

Nadelstiche unter der Gürtellinie

In der Liga, in der sich Hamilton und Rosberg bewegen, werden keine Geschenke verteilt. Im Ernstfall steht immer das Team an zweiter Stelle. Fernando Alonso, Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen funktionieren genauso. Jeder auf seine Art. Alonso nannte Hamilton in seiner McLaren-Zeit immer "Louie". Weil er genau wusste, dass sich sein damaliger Kollege darüber ärgert. Mag unter der Gürtellinie sein, verfehlte aber hin und wieder nicht seine Wirkung. Ayrton Senna, Alain Prost, Nelson Piquet und Nigel Mansell haben sich noch mit ganz anderen Methoden bekämpft. Und auch Nicos Vater Keke war nicht immer zimperlich.

Niki Lauda sprach aus eigener Erfahrung: "Rennfahrer sind Egozentriker. Lewis ist ein Beißer, aber auch Nico kann ein Bastard sein, wenn es darauf ankommt." Da ist sich die Szene nicht so sicher. Für viele ist Rosberg einfach zu nett. Und Hamilton durchtrieben. Der Sieger des GP China hätte Rosbergs Verdacht, dass er ihn absichtlich eingebremst habe, locker auflösen können. Hat er aber nicht.

Er gab dem Gegner den Eindruck, dass es vielleicht doch zu seinem Plan gehörte. Und er schenkte hinterher noch einen drauf. "Wenn Nico so viel schneller, war, warum hat er dann nicht überholt? Es macht den Anschein, dass er mit seinem zweiten Platz zufrieden war." Hamilton merkte noch an, dass dieser Killerinstinkt den Unterschied zwischen ihm und Rosberg ausmache.

Umgekehrt hätte Hamilton wahrscheinlich versucht, den Vordermann mit einem Überraschungsangriff zu knacken. Ohne Rücksicht auf Verluste. Es stimmt zwar, dass man sich in Shanghai schnell die Reifen ruiniert, wenn man zu dicht auffährt, aber dann hätte es eben aus dem Hinterhalt passieren müssen. Hamilton bummelte teilweise so langsam herum, dass Rosberg die Lücke schnell hätte zufahren können. Dass Überholen in Shanghai doch geht, zeigte Max Verstappen bei beiden Sauber. Und die waren nicht so viel langsamer als der Toro Rosso-Fahrer.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden