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Wieder ein Mercedes-Duell am Start

Rosberg verliert Pole in Kurve 12

Nico Rosberg - Mercedes - GP Brasilien 2016 - Interlagos Foto: sutton-images.com 52 Bilder

Lewis Hamilton tut weiter, was er tun kann. Zum dritten Mal in Folge startet der Titelverteidiger von der Pole Position. Ein Sieg beim GP Brasilien ist Pflicht. Wenn Nico Rosberg gewinnt, ist er automatisch Weltmeister. Rosberg hatte die Trainingsbestzeit auf dem Fuß. Er verlor sie in Kurve 12.

12.11.2016 Michael Schmidt

Lewis Hamilton schien alles im Griff zu haben. Bestzeit im Q1, Bestzeit im Q2, Bestzeit im ersten Versuch des Q3. Jedes Mal holte der Engländer seinen Vorsprung in den Sektoren 2 und 3. Nico Rosberg war im ersten Streckenabschnitt schneller. Die Telemetrie zeigte: Hamiltons starke Kurven waren 8, 9 und 12. „In den Kurven 8 und 9 fühlt Lewis den Grip an der Vorderachse besser und fährt mit einem Lenkeinschlag durch. Nico versucht nachzulenken, kommt ins Rutschen und verliert Zeit“, verraten die Ingenieure.„

Doch das war beim großen Showdown am Ende der Qualifikation alles Makulatur. Zum ersten Mal fuhr Rosberg im kurvenreichen zweiten Sektor auf Augenhöhe mit Hamilton. Den ersten hatte er wie üblich gewonnen. Am Ausgang von Kurve 11 lag Rosberg um 4 Hundertstelsekunden vor seinem Teamkollegen. “Dann wurde er in Kurve 12 zu gierig.„

Bis zur ersten Kurve sind es nur 335 Meter

Wir reden von der engen Linkskurve, die mit rund 120 km/h im dritten Gang genommen wird und in die folgende 1.110 Meter lange Vollgaspassage führt. Weil die Zielgerade bergauf führt, ist diese Kurve die wichtigste auf der ganzen Runde. Und hier verlor Rosberg seine ganze Zeit auf Hamilton. Ein bisschen zu aggressiv auf dem Gas, ein bisschen Übersteuern, ein bisschen zu viel Schlupf, und schon betrug der Rückstand auf der Ziellinie 0,102 Sekunden.

Rosberg fand es kurz „ernüchternd“, schaltete dann aber gleich wieder in den Rennmodus. „Ich schaue nur nach vorne. Mein Ziel ist es, Lewis die Führung schon beim Start abzujagen.“ Bis zur ersten Kurve sind es zwar nur 335 Meter, doch Rosberg rechnet sich berechtigte Chancen aus. Der Start in Interlagos führt bergauf. „Gleich schwierig wie bergab in Suzuka, und schwieriger als auf einer ebenen Geraden“, urteilt Hamilton. Und fügte sofort hinzu: „Ich habe für diese Art Starts geübt.“

Nicht ohne Grund. In Suzuka hatte der Noch-Weltmeister den Start verbockt. Die Techniker erklären das Problem so: „Bergauf und bergab kommt der linke Fuß ins Spiel, weil du das Auto auf der Bremse halten musst. Es ist also ein Element mehr, das der Fahrer bei der Startprozedur koordinieren muss. Wenn so viel Fingerspitzengefühl gefragt ist, ist jede zusätzliche Ablenkung eine mögliche Fehlerquelle.“

Mercedes fährt Longruns im dritten Training

In Sao Paulo hat Rosberg seinen zweiten Matchball. Und bei dem ist er nicht mehr wie in Mexiko vom Resultat seines Gegners abhängig. Gewinnt Rosberg, ist er automatisch Weltmeister. Was er natürlich wieder ausblendet. Und weshalb er auch kein spezielles Programm einlegt. „Dieser Samstagabend wird wie andere Samstagabende an einem Rennwochenende auch.“

Hamilton spielt weiter auf der Nichts-zu-verlieren-Welle. „Ich kann nur mein Bestes geben. Alles andere liegt nicht in meiner Kontrolle.“ Im Vergleich zu anderen Titelkämpfen, in die er in seiner zehnjährigen Karriere bereits verstrickt war, sieht er sich mental deutlich besser gerüstet als früher. „Weil ich mehr Erfahrung habe.“ Trocken oder Regen? „Egal, ich bin für alles gerüstet.“

Die Mercedes fuhren in Interlagos wieder in ihrer eigenen Welt. Red Bull und Ferrari liegen sieben Zehntel zurück. Das ist ein Klassenunterschied in einem Feld, das sich hinter den beiden Silberpfeilen auf 1,6 Sekunden zusammenstaucht. Auch der Temperatursturz warf die Mercedes nicht aus der Bahn. Weil die Asphalttemperatur um 27 Grad fiel, fuhren Hamilton und Rosberg im dritten Training noch einmal Longruns auf den weichen Reifen. Diesmal war Rosberg schneller. Der WM-Favorit fuhr die 9 Runden im Schnitt mit 1.15,811 Minuten. Hamilton schaffte 1.16,014 Minuten über 8 Runden. Rosberg stellte fest: „Bei der Kälte fangen die weichen Reifen irgendwann an zu körnen. Das könnte im Rennen mehr Boxenstopps bedeuten.“ Wenn es nicht hin und wieder regnet, wie von den Wetterfröschen prognostiziert.

Rosberg schaut nur nach vorn

Die Dominanz von Mercedes löst vielleicht die größte Sorge der Strategen im Team. Dass sich irgendein Dritter in das Titelrennen einmischt. Hamilton müsste daran interessiert sein, denn er braucht möglichst viele Fahrer zwischen sich und Rosberg. Er erwartet auch nicht, dass die Konkurrenz Rücksicht auf ihr Duell nimmt. „Ich gehe davon aus, dass jeder von ihnen mindestens 100 Prozent gibt.“

Nico Rosberg will sich erst gar nicht mit dem Thema befassen. Kimi Räikkönen und Max Verstappen sollen auch nach der ersten Kurve in seinem Rückspiegel bleiben. „Ich schaue nur nach vorne. Mein Fokus liegt auf volle Attacke auf Lewis. Mir muss keiner aus dem Weg gehen.“ Mercedes-Teamchef Toto Wolff versuchte nach einem klärenden Gespräch mit Red Bull-Teamberater Helmut Marko die Wogen zu glätten, die nach seinem Rat an Max Verstappens Vater Jos entstanden waren. „Mein Telefonat mit Jos Verstappen wurde unnötig aufgebauscht. Es war nie meine Absicht, Max in seiner Fahrweise einzubremsen.“ Wolff war gerade dabei, seinen Standpunkt klarzustellen, als draußen Red Bull-Teamchef Christian Horner am Mercedes-Pavillon vorbeilief. Der Engländer hielt sich dabei ein imaginäres Mobiltelefon ans Ohr.

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