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Hamilton

"Ich habe viel gelernt"

Foto: dpa 15 Bilder

Er ist der erfolgreichste Einsteiger in der bisherigen Formel-1-Geschichte. Im Interview erklärt Lewis Hamilton, wie er auch in seinem zweiten Jahr für Überraschungen sorgen will.

13.03.2008

Vor einem Jahr sind Sie in Ihre erste Saison gestartet. Nun treten Sie als einer der Top-Favoriten auf den Titel an. Was hat sich sonst in Ihrem Leben in den vergangenen zwölf Monaten verändert?
Hamilton: Das Wichtigste: Ich habe mehr Erfahrung, ich bin ein bisschen älter und gescheiter. Ich fühle mich etabliert als Teil des Rennstalls. Es ist fantastisch, dass das Team mit mir in den kommenden fünf Jahren arbeiten will, ich habe meinen Platz hier gefunden.

Was meinen Sie damit, gescheiter geworden zu sein?
Hamilton: Im vergangenen Jahr wusste ich nicht wirklich, was auf mich zukommt, ich bin ein bisschen ins Blaue hinein gestartet. Jetzt weiß ich, was mich erwartet. Ich weiß, wie ich mich vorzubereiten habe, um Energie zu sparen. Manchen mag es vorkommen, als sei ich ruhiger und leiser geworden oder so, aber ich bündle mir meine Kraft für Qualifying und Rennen.

Sie waren bei den MTV Awards, bei Stars in der Manege und vor ein paar Wochen bei den Laureus Ehrungen in St. Petersburg. Fühlen Sie sich auch schon als einer der Stars und VIPs unserer Zeit?
Hamilton: Es ist sehr schön für mich, auf diese Weise geehrt zu werden. Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie ich im vergangenen Jahr in meinem Hotelzimmer in Bahrain saß und die Laureus-Preisverleihung im Fernsehen angeschaut habe. Zwölf Monate später war ich mittendrin bei den Allergrößten des Sports, mit einigen wunderbaren Menschen bei der Zeremonie. 2007 war ein fantastisches Jahr für mich und ich bin glücklich über die Wertschätzung, die ich von so vielen Menschen bislang erfahre.

Was haben Sie in Ihrem ersten Jahr in der Formel 1 gelernt?
Hamilton: Ich habe zum Beispiel einige neue Rennstrecken kennengelernt, die ich zuvor nur als Videospiel kannte. Ich habe auch gelernt, dass das Leben im Formel-1-Fahrerlager ziemlich verschieden von dem anderer Serien ist. Obwohl du immer fokussiert bist auf das nächste Training, die Qualifikation oder das Rennen, ist die Konzentration jedes einzelnen im Team in der Formel 1 viel größer. Und ich habe auch viel über Zeit-Management gelernt.

Auf welche Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr würden Sie denn auf keinen Fall verzichten wollen?
Hamilton: Ich bin deutlich gestärkter aus der vergangenen Saison hervorgegangen. Heute weiß ich eine Menge mehr über das Auto, genauso wie über das Team, die Strecken und die Regeln. Ich weiß auch eine Menge mehr über mich selbst. Ich weiß mehr über die Länder, in die ich reise. Ich weiß mehr über das Gewinnen, und das Verlieren, über die Qualifikation, ich denke, ich bin ein besserer Fahrer als vor einem Jahr. Sich ständig zu verbessern ist mein Ziel. Aber das passiert nicht über Nacht. Das braucht Jahre. Und genau dabei helfen solche Ereignisse wie in Brasilien oder China - aber auch ein Sieg wie in Japan. Man muss diese Erfahrungen verarbeiten. Was ein konkretes Rennen angeht, werde ich den Moment meines Überholvorgangs in der ersten Kurve von Melbourne nie vergessen.

Was erwarten Sie von sich selbst und von Ihrem Team Vodafone McLaren-Mercedes?
Hamilton: Wir arbeiten auf das erste Rennen hin und wir bauen darauf auf, womit wir im vergangenen Jahr aufgehört haben. Wir müssen mit totalem Vertrauen in das Auto nach Melbourne gehen. Um einen guten Start in die Saison zu erwischen, musst du sehr gut vorbereitet sein. Ich gehe mit dem Ziel dorthin zu gewinnen und wir werden hart daran arbeiten, das zu schaffen. Am Ende möchte ich gerne den WM-Titel gewinnen.

Haben Sie Ihre Vorbereitungen gegenüber dem Vorjahr verändert?
Hamilton: Ich habe ein paar Sachen geändert, aber grundsätzlich war und ist alles ziemlich gleich, das hat schon 2007 in meinem ersten Jahr prima gepasst. Allerdings habe ich viel mehr zu tun und ich habe nicht mehr so viel Zeit.

Fühlen Sie mehr Druck als im vergangenen Jahr?
Hamilton: Nein. Für mich kann ich sagen: Ich habe im vergangenen Jahr mehr Druck gespürt.

Wie gehen Sie denn mit dem Druck um?
Hamilton: Jeder Fahrer geht da seinen eigenen Weg. Mir setzt niemand höhere Ziele als ich es jetzt selbst mache, mein Team und seine Verantwortlichen wollen das selbe wie ich. Ich bin sehr entschlossen, in diesem Sport Erfolg zu haben. Für mich ist es einfach fantastisch, dass sich die Menschen für meinen Sport interessieren und mit ihren Freunden in Bars darüber reden und über ihre Erwartungen sprechen. Aber ich übertrage diese Erwartungen deshalb nicht zwingend auf mich selbst.

Wann hatten Sie verarbeitet, dass Sie 2007 beim Saisonfinale mit nur einem Punkt geschlagen wurden?
Hamilton: Am Tag nach dem Rennen. Die Enttäuschung über den Ausgang der WM 2007 war etwas, das ich schon erlebt hatte. Deshalb konnte ich auch weiter lächeln. Ich kannte das Gefühl, es war nicht anders als in vergleichbaren Fällen. Zudem habe ich sehr viel Unterstützung von meiner Familie, meinen Freunden und vielen, vielen Fans in der ganzen Welt bekommen.

Wie schätzen Sie Ihre Chancen für das Auftaktrennen an diesem Sonntag ein?
Hamilton: Ich denke, wir werden Vodafone-McLaren-Mercedes und Ferrari vorne sehen, also, so wie zuvor. Aber ich denke auch, dass unsere Strategie hoffentlich noch ein bisschen besser sein wird als im vergangenen Jahr. Wie jeder andere im Team auch: Ich werde für meinen Teil hart arbeiten und ich bin sehr zuversichtlich.

Neben Weltmeister Kimi Räikkönen im Ferrari und Ihnen - wer hat noch Chancen, Weltmeister 2008 zu werden?
Hamilton: Obwohl die meisten Teams in den vergangenen Wochen viel getestet haben und wir uns fast jede Woche auf einer anderen Strecke getroffen haben, ist es schwer zu sagen, wo man steht. Natürlich bin ich zuversichtlich, dass wir gute Chancen haben, sowohl um den Fahrer- als auch um den Konstrukteurs-Titel zu kämpfen. Das bedeutet auch, dass mein neuer Teamkollege Heikki Kovalainen ebenfalls eine Chance hat, den Titel einzufahren. Dasselbe gilt freilich auch für die Ferrari. Williams-Toyota, Red Bull and Renault haben ebenfalls starke Ergebnisse bei den Tests erzielt. Wie auch immer, wo wir wirklich stehen und die anderen Teams, werden wir erst nach drei oder vier Rennen erfahren.

Ihre Beziehung zu Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug wirkt ausgesprochen herzlich. Wie würden Sie seine Rolle im Team und Ihnen gegenüber beschreiben?
Hamilton: Norbert spielt und hat schon immer eine Schlüsselrolle in dem Team gespielt, schon bevor ich kam. Er ist eine tolle Persönlichkeit. Er ist einer, mit dem man reden kann. Er ist bodenständig und unterhält sich mit einem auf demselben Level. Er will immer wissen, wie beispielsweise die Tests verlaufen oder wie sich der Motor anfühlt.

Man kann also von einer sehr engen Beziehung reden?
Hamilton: Von einer sehr, sehr engen.

Freuen Sie sich eigentlich auf die Fußball-Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz - ohne England?
Hamilton: Ich mag Fußball, aber bedauerlicherweise habe ich nicht viel Zeit, mir Spiele anzuschauen. Natürlich war ich enttäuscht, als die englische Mannschaft die Qualifikation verpasste, aber das gehört zum Spiel dazu. Das ist dasselbe in unserem Sport, wenn selbst ein Top-Team gezwungen ist, nach Problemen im Qualifying von hinten ins Rennen zu starten.

Als Pilot und Angestellter eines englisch-deutschen Rennstalls und aufgrund der Abstinenz der Three Lions müssten Sie doch eigentlich Deutschland die Daumen drücken, oder?
Hamilton: Sie sind der erste, der mir diese Frage stellt und ich muss zugeben, dass ich bislang noch nicht darüber nachgedacht habe. Sollte ich Zeit haben, mir ein oder zwei Spiele anzuschauen, möchte ich zuerst einmal guten Fußball sehen. Egal, welche Mannschaften spielen. Natürlich gibt es aber auch eine Verbindung zwischen Vodafone-McLaren-Mercedes und der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, bei der Mercedes-Benz einer der Hauptsponsoren ist. Es wäre ein Spaß zu sehen, wenn Deutschland das Endspiel gegen Italien bestreiten würde und gewinnt - das könnte ein gutes Omen für den Ausgang in der Formel-1-Weltmeisterschaft sein.

Welche Schlagzeile möchten Sie am liebsten am 3. November, dem Montag nach dem Saisonfinale, lesen?
Hamilton: Hamilton gewinnt die Weltmeisterschaft vor Heikki Kovalainen und Vodafone-McLaren-Mercedes holt den Titel in der Konstrukteurs-Wertung.

Wie denken Sie über die Pöbeleien und teilweise rassistischen Anfeindungen während der Testfahrten in Barcelona Anfang Februar?
Hamilton: Ich schaue nur nach vorne und freue mich auf das erste Rennen. Ich freue mich aber auch auf den Spanien-Grand-Prix. Ich denke nicht so viel darüber nach, was in der Vergangenheit durch einige wenige passiert ist und ich bin zuversichtlich, dass sowohl die spanischen Veranstalter als auch das spanische Publikum alles unternehmen werden, damit wir zwei großartige Events mit einer begeisterten Menge in Barcelona und Valencia erleben. Ich schätze das Publikum dort sehr und garantiert kein bisschen weniger als an einem anderen Auftrittsort der Formel 1.

Und wie ist Ihre Beziehung zu Ihrem Ex-Teamkollegen Fernando Alonso?
Hamilton: Sie ist wie immer. Wir werden auf der Strecke sein, um uns dort gegenseitig zu schlagen.

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