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Hamilton verliert jüngsten Motor

Ein Loch im Motorblock

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Malaysia 2016 Foto: xpb 62 Bilder

Lewis Hamilton hatte alles im Griff. Bis in der 41. Runde des GP Malaysia der Motor in die Luft flog. Es war die jüngste Antriebseinheit in seinem Kontingent. Hamilton hegt den Verdacht, dass sich höhere Mächte gegen ihn verschworen haben.

02.10.2016 Michael Schmidt 1 Kommentar

Runde 40. Lewis Hamilton liegt 22,7 Sekunden vor Daniel Ricciardo und 23,4 Sekunden vor Max Verstappen. Der Engländer muss noch ein Mal an die Box, während Red Bull wenigstens eines der beiden Autos auf der Strecke lassen will, um bis zum Ende durchzufahren. Hamilton brauchte also einen Vorsprung von mindestens 23 Sekunden, um an der Spitze zu bleiben. Drei, vier Runden noch wollten ihn die Strategen auf der Strecke halten, um die Führung nicht zu verlieren.

Hamilton hatte einige Runden vorher die Freigabe erhalten, auf Attacke zu fahren. Seine harten Reifen waren noch gut in Schuss. Deshalb beschwerte er sich am Funk über Jenson Button, der vor seiner Nase herumfuhr und nicht auf die blauen Flaggen achtete. Als Hamilton aus der Zielkurve beschleunigte, veränderte sich schlagartig der Sound des Mercedes V6-Turbo. Er dröhnte wie ein Schiffsdiesel. Am Funk nur ein kurzes: „Oh Gott, der Motor.“ Fünf Sekunden später spuckte der Sechszylinder Flammen. Die Verzweiflung im Cockpit mit der Startnummer 44 drückte sich in drei Worten ais: „No, no, no.“

Höhere Mächte gegen Hamilton

In seiner ersten Enttäuschung diktierte Hamilton zwei Sätze in die TV-Mikrofone, die sich wie eine Anklage anhörten: „Da sind acht Fahrer mit Mercedes-Motoren auf der Strecke, aber immer nur meine gehen kaputt. Irgendjemand will hier nicht, dass ich gewinne.“ Später verbesserter sich der Weltmeister. Mit dem „irgendjemand“ war keiner aus dem Team gemeint. „Ohne diese Truppe wäre ich nicht zwei Mal Weltmeister geworden. Ich gebe keinem die Schuld und habe volles Vertrauen in unsere Jungs. Mit meinem Satz waren höhere Mächte gemeint.“

Teamchef Toto Wolff nahm es seinem unglücklichen Fahrer nicht übel: „An einem Tag wie diesem darf der Fahrer alles sagen. Wir haben Lewis im Stich gelassen. Und wenn er dann seinen Emotionen freien Lauf lässt, muss man das verstehen. Sein Pech ist heute das beherrschende Gefühl. Da will ich auch nicht darüber diskutieren, ob die Strafe gegen Rosberg gerechtfertig war.“ Technikchef Paddy Lowe fühlte sich genauso verantwortlich: „Lewis hat von der ersten Runde am Freitag an alles richtig gemacht. Es war sein bestes Wochenende in diesem Jahr. Motorsport kann grausam sein.“

Hat Red Bull Hamilton ins Verderben gehetzt?

Es war ein Motorschaden aus heiterem Himmel. „Wir konnten keine Anzeichen an der Telemetrie erkennen“, sagte Niki Lauda. Als der Öldruck rapide fiel, war es schon zu spät. Die besondere Tragik: Von den drei frischen Antriebseinheiten, die Mercedes für Hamilton in Spa ins System geschleust hatte, war es die jüngste. Hamilton hörte nur eine Explosion. Als der V6-Turbo aus dem Auto gehoben wurde, stellten die Techniker ein Loch im Block fest. Das bedeutet einen massiven Schaden im Kurbelgehäuse.

Mercedes schickte das Triebwerk sofort nach England zur Schadensanalyse zurück. „Mit Glück ist er schon am Montag in der Fabrik. Dann schauen wir erst einmal nach, was kaputtgegangen ist. Die Länge der Ursachenforschung richtet sich nach der Art des Schadens. Wir hoffen, dass wir nächste Woche in Japan schlauer sind“, erklärte Wolff.

Red Bull-Berater Helmut Marko und Teamchef Christian Horner glauben, dass sie mit verantwortlich für Hamiltons Motorschaden gewesen sind. „Wir haben ihn dazu gehetzt, absolut ans Limit zu gehen, um einen Vorsprung für seinen letzten Reifenwechsel herauszufahren.“ Die Mercedes-Ingenieure bestreiten das: „Lewis hat seine Zeit in den Kurven gutgemacht, nicht auf der Geraden. Er fuhr im gleichen Motor-Modus wie vorher auch.“

Je weniger Rennen, umso mehr spricht für Rosberg

Hamilton saß wie ein Häufchen Elend bei der Pressekonferenz im Mercedes-Pavillon. Er fühle sich jetzt wie nach dem GP Spanien, als die Weltmeisterschaft mit 43 Punkten Rückstand auf Rosberg schon in weite Ferne gerückt schien. Das Schlimme in dieser Phase der WM sei, dass es immer weniger Möglichkeiten gebe, den Punktestand zu korrigieren. Nicht nur wegen des Rückstands. „Ich habe jetzt noch zwei Motoren für die letzten fünf Rennen und hoffe es reicht.“ Nico Rosberg geht mit 23 Zählen Vorsprung in die letzten 5 Rennen.

Hamilton sprach von einem harten Test für seine Psyche, aber der Zwischenfall werde nicht seinen Willen brechen zurückzuschlagen. „Ich kann jetzt zeigen, wer ich bin. Ich werde mich nicht hängenlassen, sondern mit offenem Visier zurückkämpfen.“ Noch habe er seinen Glauben an den Titel nicht verloren, meinte der Champion. Wenn es wirklich nicht sein soll, weil einer da oben etwas dagegen habe, dann müsse er das akzeptieren. „Der Unterschied ist ein Sieg. Da ist noch nichts verloren“, macht Lowe seinem geknickten Superstar Hoffnung. Hamilton wartet jetzt auf einen Anruf aus Brixworth: „Ich will verstehen, warum diese Dinge passieren.“

Neuester Kommentar

Ach, der Lewis und sein Hokuspokus.

Er fährt (wie heute) mit und ohne Segnungen vorn, wenn er der schnellere Rennfahrer ist. Und wenn der Motor plötzlich ein Loch zu viel hat war keine Weltverschwörung sondern ein Fehler in der Produktion und das Versagen der Qualitätssicherung.

Proesterchen 2. Oktober 2016, 21:41 Uhr
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