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Hamilton neben der Spur

Rennleitung hilft Rosberg zur Pole

Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Aserbaidschan - Baku - 18. Juni 2016 Foto: xpb 72 Bilder

Mercedes war haushoch überlegen und hätte doch fast das Rennen um die Pole Position verloren. Lewis Hamilton landete drei Mal im Notausgang und ein Mal in der Mauer. Nico Rosberg hatte Glück, dass die rote Flagge zu spät kam.

18.06.2016 Michael Schmidt 1 Kommentar

Mercedes allein auf weiter Flur. Wenn alles nach Plan läuft, dann fahren Nico Rosberg und Lewis Hamilton tiefe 1.42er Zeiten und wären damit 1,5 Sekunden schneller gewesen als Force India und 2 Sekunden besser als Ferrari und Red Bull. Doch es lief nicht alles normal. Lewis Hamilton stolperte über seine eigenen Füße und hätte dabei Nico Rosberg fast mitgerissen.

Es begann damit, dass Hamiltons Überlegenheit vom Vortag geschrumpft war. Im dritten Training schlug der Weltmeister seinen Teamkollegen nur noch um 0,25 Sekunden. „Das Auto war nicht mehr ganz so gut wie am Freitag. Ich konnte nicht mehr dort bremsen, wo ich es noch am Tag vorher konnte.“

Ab dann ging alles schief. Hamilton landete im Q1 im Notausgang von Kurve 15 und im Q2 im Sturzraum von Kurve 7. Kein Problem. Der zweite Versuch trug den Engländer immer eine Quali-Runde weiter. Sein Auto hatte genug Reserven. Im Q3 setzte sich die Misere fort. Wieder schoss der Mercedes mit der Startnummer 44 in die Auslaufzone von Kurve 15. Und wieder musste alles beim letzten Versuch klappen.

Kleiner Stoß, große Wirkung

Weil an der Unfallstelle die gelben Flaggen geschwenkt wurden, musste auch Rosberg seinen Versuch abbrechen, eine Abkühlphase einlegen und es in der vierten fliegenden Runde noch ein Mal probieren. Zum Glück lag er jetzt vor Hamilton. Denn der visierte die Kurve 11 in der Stadttor-Passage so eng an, dass er mit dem rechten Vorderrad hängenblieb. „Ich habe zu früh eingelenkt. Es war nur ein kleiner Stoß, er hat aber gereicht, das Rad abzubrechen. Schade, weil ich schon viereinhalb Zehntel unter der Bestzeit lag“, gab Hamilton zum Besten.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Rosberg bis zur Ziellinie noch 15 Sekunden Zeit. Doch die Rennleitung schwenkte die rote Flagge erst, als der WM-Spitzenreiter schon drüber war. Force India-Teammanager Andy Stevenson ärgerte sich: „Warum warten die mit der roten Flagge so lange? Es war klar, dass der Mercedes am Streckenrand steht und abgeschleppt werden musste. Was sollte sich in den 15 Sekunden da noch ändern? Wenn das Q3 regulär abgebrochen wird, gehört Perez die Pole Position.“

Mercedes-Teamchef Toto Wolff kann Force Indias Ärger verstehen. „Da haben wir echt Glück gehabt. Aus Sicht des Promoters wäre es wahrscheinlich das bessere Rennen gewesen, wenn Nico nicht auf die Pole fährt. Dann wären ein Ferrari und ein Red Bull in der ersten Reihe gestanden und wir mit zwei Autos weiter hinten.“

Hamilton ist nicht auf Sicherheitsrunden kalibriert

An die Adresse von Hamilton gab es keinen Vorwurf. „Jeder von uns hat mal einen schlechten Tag“, kommentierte Wolff. „Wenn einem Rennfahrer das auf einem Stadtkurs passiert, der keinen Fehler verzeiht, dann hat das dramatische Folgen.“

Gegenfrage: Hätte Hamilton nach den vielen Fehlern nicht eine Sicherheitsrunde einlegen sollen? Sie hätte immer noch zu Platz 2 gereicht. Dazu Wolff: „Lewis ist nicht so kalibriert. Auch wenn er in der Zwischenzeit schon vier Zehntel vorne liegt, nimmt er es nicht easy. Er weiß, dass er ein super Auto hat, und er weiß, dass sein größter Gegner der Teamkollege ist.“

Nico Rosberg hätte aus seiner dritten Pole Position in diesem Jahr viel Genugtuung ziehen können, gemessen an dem, was vorgefallen war. Die Kritik an seiner Kritik an der Sicherheit der Strecke. Der verbale Schlagabtausch mit Hamilton, der seine Gegner damit provozierte, nur 8 Runden im Simulator geübt zu haben und auf einen Streckenrundgang zu verzichten.

Doch Rosberg ließ sich darauf nicht ein: „Ich werde weiter meine Bedenken äußern, wenn ich glaube, dass sie berechtigt sind. Die Boxeneinfahrt ist immer noch am Limit. Und wenn Lewis die Strecke nicht abläuft, ist das seine Sache. Er macht das, was ihm guttut. Und ich mache mein Ding.“

Auch Toto Wolff hält Theorien für übertrieben, die fehlende Vorbereitung hätte Hamiltons Crashfestival begünstigt. „Wäre er dann am Freitag so überlegen gefahren? Lewis war auch in der Qualifikation im ersten Sektor mega-schnell. Vielleicht hatte er danach zu viel Selbstvertrauen.“ Hamilton glaubt nicht, dass er zu gierig war. „Ich war einfach zu spät auf der Bremse.“

Mercedes gewinnt nicht nur auf der Gerade

Hamilton ist vom 10. Startplatz jetzt auf Schadensbegrenzung aus. „Das GP2-Rennen hat gezeigt, dass alles möglich ist. Ich habe ein gutes Auto und einen hohen Speed. Wenn ich es schaffe Fehler zu vermeiden, kann ich noch weit nach vorne kommen.“ Wie in Monte Carlo und Montreal hofft er, dass die Vorzeichen trügen. „Da hatte ich am Sonntag auch ein schlechtes Gefühl, und am Ende habe ich doch gewonnen.“

Rosberg will seinen Teamkollegen als Gegner nicht ausschließen: „Lewis hat schon oft gezeigt, dass er von Platz 10 vorfahren kann. Baku ist die einfachste Strecke zum Überholen. Aber mein größter Gegner wird am Sonntag das Durcheinander sein, dass diese Strecke produzieren wird. Ich rechne mit Safety-Car-Einsätzen, VSC-Phasen, Unfällen. Bei den Unterbrechungen und Re-Starts wird es schwierig, nicht den Rhythmus zu verlieren.“

Rosbergs schnellste Trainingszeit von 1.42,758 war das Produkt einer Verlegenheitsrunde. „Die erste Q3-Runde war besser, aber ich musste sie wegen Lewis abbrechen. Die Zeit bin ich dann mit Reifen gefahren, die schon vier Runden alt waren. Im Q2 habe ich eine Zeit von 1.42,5 Minuten geschafft. Rechnet euch aus, wo ich mit einer normalen Runde gelandet wäre. Die anderen haben gezeigt, dass die Strecke immer schneller wurde.“

Die Mercedes fuhren in Baku in einer Klasse für sich. Toto Wolff tut sich schwer, das zu erklären. „Wir wissen es nicht. Die Speedmessungen zeigen, dass wir auf der Geraden nur einen kleinen Teil gewinnen.“ Das bestätigte auch Sebastian Vettel. „Wir büßen hauptsächlich in den langsamen Kurven ein.“

Wolff führt es auf den optimalen Mix zurück: „Motorleistung, Fahrbarkeit, mechanischer Grip und die perfekte aerodynamische Effizienz für diesen Typ Strecke.“ Dazu kommt noch gutes Reifenmanagement. „Wir haben aus Singapur 2015 gelernt. Es ist nicht so, dass wir unbedingt zwei Aufwärmrunden für die Reifen gebraucht hätten. Aber generell haben wir mit dieser Taktik noch mehr aus den Reifen rausgeholt.“

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Mit Glück hat das nur wenig zu tun. Es ist völlig egal, dass ROS die pole bereits kurz vor dem Abbruch holte. Er hätte sie danach in den verbleibenden 2:07 Minuten genauso geholt, mit einer aus seiner Sicht relativ gemütlichen Runde. Mercedes hätte ihn nur relativ weit vorne in der pit lane hinstellen müssen.

F1 regulations 18. Juni 2016, 20:04 Uhr
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