Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Button und Hamilton bei McLaren

Das Geheimnis einer perfekten Ehe

Lewis Hamilton  und Jenson Button Foto: xpb 68 Bilder

Das McLaren-Duo Lewis Hamilton und Jenson Button geht 2012 in seine dritte gemeinsame Saison. Viele Experten hätten der Ehe eine kürzere Halbwertszeit vorhergesagt. Doch für McLaren ist die Paarung ideal. Hamilton und Button ergänzen sich perfekt.

19.09.2011 Michael Schmidt

Die letzte wichtige offene Frage im Formel 1-Karussell ging leise über die Bühne. McLaren zog seine Option auf Jenson Button. Der 31-jährige Brite fährt damit 2012 in seinem dritten Jahr für McLaren und weiter mit Lewis Hamilton im Team. Als Button im Dezember 2009 für McLaren unterschrieb, da sagten Kritiker dem gerade zum Weltmeister gekürten Engländer ein schnelles Ende seiner Karriere voraus. Nie und nimmer würde er gegen das Alphatier Hamilton bestehen können. Die Experten prophezeiten entweder Buttons Untergang oder ein Ende im Streit.

Weder das eine, noch das andere ist passiert. Die Ehe Button-Hamilton funktioniert wie selten eine Paarung zwischen zwei Top-Piloten zuvor. Dabei liegt genügend Zündstoff in diesem Aufeinandertreffen. Beides Engländer, beide Weltmeister. Der eine ein Spätzünder, der andere ein Senkrechtstarter. Button stellte sich einem Fahrer, der nicht nur als der schnellste im Feld gilt, sondern bei McLaren seit zwölf Jahren eine Art Familienmitglied ist. Eigentlich gute Voraussetzungen zum Scheitern.

Button nur im Training langsamer

Doch Button ist immer noch da. Besser denn je. Im WM-Klassement liegt er mit 167 zu 148 Punkten vor seinem Teamkollegen. Nach Siegen steht es zwei zu zwei. Da lässt sich der eindeutige Rückstand im Trainingsduell mit drei zu zehn verschmerzen. Auch im letzten Jahr ging der Kampf um die besten Startplätze mit 13 zu sechs klar an Hamilton. "Im Training ist mir Lewis überlegen", gibt Button unumwunden zu. "Ich bin zwar von den Rundenzeiten her näher dran an ihm als im letzten Jahr, doch auf eine Runde ist er wirklich schwer zu schlagen. Da hätten auch andere ihre Probleme."

Buttons Stunde schlägt im Rennen, weil er seinen Kopf einsetzt, wenn dem Kollegen wieder mal der Gaul durchgeht. Und weil er beim Überholen kompromissloser vorgeht als viele denken. Siehe Budapest, als er Hamilton in einem Pingpong-Spiel um die Führung niederrang. Siehe Spa, als er von Startplatz 13 auf Rang drei nach vorne fuhr. Siehe Monza, als er Michael Schumacher mit einem Killerinstinkt überholte, den man eigentlich eher Hamilton zutraut.

Button hat gegen Hamilton noch andere Trumpfkarten in der Hand. Er hält seine Reifen besser in Schuss, er fährt taktisch klüger, er kann ein Rennen besser lesen, und er macht weniger Fehler. Button profitiert nicht nur von den Reifen, die ihn für seinen sanften Fahrstil belohnen. Der Weltmeister von 2009 sitzt jetzt tiefer und komfortabler im Cockpit und fühlt sich eins mit dem Auto. Das war 2010 noch nicht so. Button unterschrieb für McLaren, da war der MP4-25 schon gezeichnet.

Hamilton muss aggressiv fahren

Buttons wichtigster Pluspunkt: Er hat gelernt, Niederlagen zu akzeptieren. Sein Stallrivale will manchmal nicht einsehen, dass sein überragendes Talent nicht ausreicht, das technische Manko seines Autos wettzumachen. Hamilton fährt immer auf Angriff. Auch wenn es aussichtslos ist. Wenn er einen Gang zurückschalten muss, rollt er uninspiriert im Feld herum. Ein gezähmter Hamilton aber ist nicht authentisch.

Wenn Hamilton im Rennen zuvor unangenehm aufgefallen und in die Kritik geraten ist, dann versucht er anschließend superkorrekt zu fahren. Man spürte in Monza förmlich, dass er sich im Duell mit Schumacher zur Zurückhaltung zwang. Die Dreher von Budapest und der Crash von Spa waren noch im Hinterkopf. Normalerweise schaut Hamilton einem Konkurrenten nicht 26 Runden lang in den Auspuff. Da reißt der Geduldsfaden schon früher.

Zwei Nummer-eins-Piloten bei McLaren

Teamchef Martin Whitmarsh sagte nicht ohne Grund: "Die größte Leistung unserer Fahrer war heute, wie diszipliniert sie mit ihrem Frust umgegangen sind. Sie hatten ein Siegerauto, mussten aber lange warten, bis sie es zeigen konnten."

Für McLaren ist die Fahrerkonstellation ideal. Sie haben zwei Superstars im Team, die sich vertragen. Auch nach eineinhalb Jahren im Löwenkäfig. "Ich bin die Nummer eins im Team", sagt Button selbstbewusst. Er weiß aber auch: "Lewis sieht sich selbst ebenfalls als Nummer eins. Wir haben also anscheinend zwei Nummer-eins-Fahrer."

Denen, die aus der Kollision von Montreal den Beginn eines Stallkrieges stricken wollten, erteilte Button eine Absage: "Sorry, es gibt immer noch keine Probleme zwischen Lewis und mir." Für Button war die Kollision in Montreal eine Art Befreiungsschlag. Als Hamilton sich vor dem McLaren-Kommandostand vorbeiquetschen wollte, machte Button die Tür zu. Die Botschaft an den Aggressor lautete: Ich gebe nicht immer nach. Button weiß: Hamilton versteht diese Sprache.

Respekt zwischen Hamilton und Button

Hamilton und Button kommen wahrscheinlich deshalb so gut zurecht, weil sie so verschieden sind. Der eine respektiert den anderen für seine Stärken. Anders als 2007, als Fernando Alonso plötzlich merkte, dass mit Hamilton ein unerwünschter und unerwarteter Konkurrent im Team heranwuchs. Statt seinen Erfahrungsvorsprung auf der Strecke umzusetzen, versuchte Alonso den Jungstar mit Psychospielchen hinter den Kulissen auszutricksen. Und trickste sich dabei selber aus. Hamilton war damals schon ziemlich ausgefuchst. Bei Button läuft Hamilton dagegen ins Leere. Der Landsmann bietet keine Angriffsfläche.
 
Es müsste schon zu einer rennentscheidenden Kollision kommen, um einen Keil zwischen die McLaren-Piloten zu treiben. Auf den Rennstall aus Woking kommt die eigentliche Nagelprobe wahrscheinlich erst Ende 2012 zu. Dann läuft Buttons Vertrag aus und muss neu verhandelt werden. Button soll derzeit nicht einmal ein Drittel dessen verdienen, was Hamilton einstreicht. Das wird McLarens Nummer 1B sicher kein viertes Jahr akzeptieren.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden