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Hamilton verschenkt Pole Position

"Es fühlte sich nicht gut an"

Lewis Hamilton - GP England 2014 Foto: xpb 79 Bilder

Lewis Hamilton war der Frust anzusehen. Der Engländer hatte seinen letzten Qualifikationsversuch ohne Not abgebrochen. Nico Rosberg blieb auf dem Gas und stellte seinen Mercedes auf die Pole Position. Hamilton rutschte noch auf Platz 6 ab. Möglicherweise ein WM-entscheidender Fehler.

05.07.2014 Michael Schmidt

Drei Minuten vor Trainingsende schien alles klar. Lewis Hamilton stand mit 1.39,232 Minuten auf der Pole Position. 180 Sekunden später war sie der Lokalheld wieder los. Hamiltons Zeit wurde noch von fünf Kollegen unterboten. Schlimmer noch: Teamkollege Nico Rosberg stellte seinen Mercedes in letzter Sekunde auf den besten Startplatz. Und Hamilton musste sich an die eigene Nase fassen, dass es so weit kam.

Die Vorgeschichte war ein Krimi. Gleich nach dem ersten Versuch in Q3 hatte einsetzender Regen die Strecke zwischen Becketts und Club wieder eingeseift. Also der komplette letzte Sektor. Drei Minuten vor Schluss hörte der Regen auf. Sieben Fahrer rückten noch einmal aus. Die Toro Rosso-Fahrer und Daniel Ricciardo mussten sich fragen lassen, warum sie vorzeitig aus ihren Autos stiegen. Es gab nicht viel zu verlieren.

Fahrer überstimmen Ingenieure

In der Mercedes-Box ging es hoch her. Die Ingenieure zweifelten, ob es Sinn macht, auf der rutschigen Strecke noch einmal beide Autos zu riskieren. Beide Mercedes lagen zu dem Zeitpunkt an der Spitze. "Die Tendenz war da, in der Box zu bleiben", schilderte Rosberg die entscheidenden Sekunden. "Ich habe den Jungs gesagt: Wenn wir jetzt drinbleiben, haben wir gar keine Chance uns zu verbessern." Das sah auch der Kommandostand ein. Niki Lauda lobte: "Es war eine Entscheidung unserer Fahrer rauszugehen. Sie haben den Ingenieuren Druck gemacht und gesagt: Lasst uns nicht nichts tun."

Weil Mercedes so spät ausrückte, wurde es richtig eng, rechtzeitig vor Trainingsende noch über die Ziellinie zu kommen. Bei Hamilton waren es 2,2 Sekunden, bei Rosberg in seinem Schlepptau nur 1,2 Sekunden. "Ich konnte das Rot auf der Ampel noch erkennen, als ich über dem Strich war. Mein Ingenieur hat mir die Sekunden runtergezählt, und ich war mit der Situation nicht zufrieden, weil ich Lewis im Getriebe steckte. Ich wusste, dass ich hinter ihm Abtrieb verlieren würde, aber was sollte ich machen? Ich musste an ihm dran bleiben, um die Linie zu schaffen. Und ich war wild entschlossen, mit ihm die ganze Runde so zu fahren."

Hamilton brach eine Kurve zu früh ab

Der erste Sektor war für alle Vabanque-Spieler ein Ritt auf der Rasierklinge. Hier zeichnete sich noch nicht ab, dass später eine Bestzeit nach der anderen aufgestellt würde. Es war stellenweise nass, besonders in den Kurven 4 und 5. Hamilton verbremste sich in Kurve 4. Rosberg hing immer noch im Windschatten, verlor also auch Zeit.

Auf der Geraden zwischen Kurve 5 und 6 brach Hamilton den Versuch plötzlich ab und ließ Rosberg vorbei. "Es fühlte sich nicht gut an. Ich war 1,5 Sekunden langsamer als bei meinem ersten Versuch, und konnte mir nicht vorstellen, dass ich meine Zeit noch verbessern würde. Keiner hat mir gesagt, dass die Kurven im dritten Sektor schon wieder abgetrocknet waren. In der Aufwärmrunde davor, waren sie noch nass."

Die Ingenieure konnten ihre Fahrer nicht informieren, denn Nico Hülkenberg lag als Spitzenreiter im Club der Aufrechten nur 15 Sekunden vor den Mercedes. Er hatte Sektor 3 noch gar nicht erreicht. Hätte Hamilton nur eine Kurve länger mit seiner Entscheidung gewartet, wäre er vermutlich auch Vollgas weitergefahren. "Ab Kurve 6 hast du gespürt, dass der Grip kommt", berichtete Hülkenberg.

Während Hamilton den Fuß vom Gas nahm, zog Rosberg durch. Der erste Sektor war mit 30,0 Sekunden um sieben Zehntel langsamer als sein Versuch zuvor. "Okay, wir waren langsamer als beim ersten Mal. Trotzdem hat es mich überrascht, dass Lewis aufgegeben hat. Ich dachte auch schon, dass es eine armselige Runde wird, hatte aber im Hinterkopf, dass der dritte Sektor beim ersten Versuch extrem langsam war und ich dort vielleicht noch viel Zeit gutmachen kann."

Drei Fehler in Folge für Hamilton

Tatsächlich lagen in den letzten vier Kurven noch 4,5 Sekunden Zeitgewinn drin. Teamchef Toto Wolff verteidigte Hamilton: "Keiner konnte ahnen, dass da noch so viel Zeit drin liegt." Andererseits musste sich der große Kämpfer Hamilton fragen lassen, warum er so früh den Kopf in den Sand gesteckt hat. "Ich habe nicht aufgegeben. Es schien mir nur aussichtslos. In der Runde davor war es gerade in den letzten Kurven noch viel zu nass", meinte der WM-Zweite einsilbig.

Hamilton war der Ärger anzusehen. Wieder war ihm in der Qualifikation ein Fehler unterlaufen. Zum dritten Mal in Folge. Und das zur dümmsten Zeit. Rosberg hat einen Lauf, und Hamilton wollte den vor seinem heimischen Publikum unterbrechen. Sind das erste Anzeichen dafür, dass der Weltmeister von 2008 im Nervenkrieg den Kürzeren zieht? Wolff will daraus keinen Trend ablesen. "Wir haben das gleiche über Nico gesagt, als Lewis vier Mal in Folge gewonnen hat. Da galt er als unschlagbar. Du darfst Fahrer dieses Kalibers nie abschreiben."

Hamilton stapelt für sein Heimrennen tief. "Für mich wird es ein Fall von Schadensbegrenzung. Bis ich auf Platz zwei auftauche, wird Nico schon über alle Berge sein. Da hilft es mir auch nicht viel, dass wir hier in Silverstone wieder ohne Sorgen um die Bremsen und den Elektromotor fahren können." Rosberg widerspricht, dass ihm mit seiner Pole Position eine kleine Vorentscheidung im Kampf um den Titel gelungen sei: "Es ist ein kleiner Schritt, um in Silverstone zu gewinnen. Mehr nicht."

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