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Hamilton von 2 auf 3 Stopps

So funktionierte der Mercedes-Taktiktrick

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Spanien 2015 - Rennen - Sonntag - 10.5.2015 Foto: Wolfgang Wilhelm 70 Bilder

Zwei Drittel des GP Spanien fuhr Sebastian Vettel mit Kurs auf Platz 2. Doch dann brachte Mercedes Lewis Hamilton mit einer Strategieänderung an dem Ferrari vorbei. Die Entscheidung, Hamilton mit drei statt zwei Stopps fahren zu lassen, fiel in Runde 16.

10.05.2015 Michael Schmidt

Mercedes-Teamchef Toto Wolff sprach nicht von einem Doppelsieg. "Wir haben heute Platz 1 und Platz 1 gewonnen. Dass Hamilton trotz eines schlechten Starts und trotz eines verunglückten ersten Boxenstopps noch auf Platz 2 fuhr, zählt wie ein Sieg." Möglich gemacht hat es die Strategie-Truppe unter der Leitung von James Vowles.

Hamilton fiel schon beim Start auf Platz 3 hinter Sebastian Vettel. Nach ein vergeblichen paar Versuchen, in den DRS-Bereich des Ferrari zu kommen, klagte Hamilton am Funk: "Ich schaffe es nicht. Auf der Strecke komme ich nicht an Vettel vorbei." Wenn das Vollgastier Hamilton aufgibt, wer hätte es dann möglich gemacht? Für die Mercedes-Strategen stand schnell fest: Wir bringen Hamilton nur durch den früheren Boxenstopp vorbei. Im Fachjargon "undercut" genannt.

Verpatzter Stopp bei Hamilton

Doch der Unterschnitt in Runde 13 funktionierte nicht. Hamilton stand 5,3 Sekunden an der Box. Links hinten war sich der Mechaniker nicht sicher, ob die Radmutter festgezogen war. Er löste die Radmutter und hämmerte sie ein zweites Mal fest. Mercedes genießt dank seiner Dominanz den Luxus, dass Sicherheit Vorrang hat. "Bei uns gilt die Devise, dass wir weder einen Ausfall noch eine Strafe wegen eines schlecht montierten Rades riskieren. Lieber stehen wir ein paar Sekunden länger in der Box", erklärt ein Ingenieur.

Ferrari reagierte prompt, holte Vettel an die Box und blieb damit vor dem zweiten Silberpfeil. Drei Runden nach Hamiltons Boxenstopp entschieden die Strategen am Kommandostand: Wir gehen von zwei auf drei Stopps. "Weil das bei unserem Speed von den Risikostrategien her die sicherste Variante war, Ferrari doch noch zu überrumpeln."

Hamilton bekam von der Box die Anweisung, Vettel zu hetzen. Der Ferrari-Pilot sollte sich den weichen Reifensatz im Mittelabschnitt so früh wie möglich kaputtfahren, für den Fall, dass Ferrari seiner Zweistopp-Strategie treu bleiben würde. Hamilton hätte dann bessere Chancen, auf der harten Reifenmischung im dritten Stint Zeit wie auf Vettel aufzuholen, solange der noch die strapazierte zwei Garnitur über die Runden bringen musste.

Und genau das passierte. Hamilton verkürzte den Rückstand nach seinem zweiten Stopp in der 32. Runde bis zu Vettels zweiten Boxenhalt im 40. Umlauf von 22,9 auf 10,3 Sekunden. Das reichte dann, um bis zu Hamiltons finalen Reifenwechsel in der 51. Runde 23,2 Sekunden Vorsprung auf den Ferrari herauszufahren. Als Hamilton aus der Boxengasse beschleunigte, hatte Vettel schon 10 Wagenlängen Rükstand.

Zwei Stopps für Ferrari am schnellsten

Auch der zweite und dritte Stopp des WM-Spitzenreiters waren nicht rekordverdächtig. Sie lagen über 3 Sekunden. Weil in beiden Fällen der Frontflügel verstellt werden musste. Für die harten Reifen einen Klick runter, für die Medium-Sohlen wieder einen Klick rauf. Hamilton flog. Seine schnellste Rennrunde von 1.28,270 Minuten lag um 2,5 Sekunden unter dem Bestwert seines Gegners.

Nach dem Rennen kam die Frage auf, ob Ferrari mit Vettel nicht der Taktik von Hamilton hätte folgen sollen. Mercedes hätte es so gemacht. "Für Ferrari gab es nur das Risiko beim Undercut mit den harten Reifen. Die bringen wir schneller auf Temperatur. Hätte Lewis die harten Reifen eine Runde früher draufgemacht, hätte er bei einem perfekten Boxenstopp und einer perfekten ersten Runde den Unterschied ausmachen können."

Vettel winkte ab. "Irgendwann hätten sie uns erwischt. Wir konnten nicht immer darauf hoffen, dass bei Hamilton etwas schief läuft. Für uns waren zwei Stopps definitiv die beste Lösung." Die Strategie-Experten liefern die Erklärung: Drei Stopps waren auf dem Papier zwar 5 Sekunden schneller als zwei, aber nur dann, wenn des Auto den Speed von Mercedes hat und diese theoretische Rechnung auch umsetzen kann.

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