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Hamiltons großer Traum

"Warum kein Rennen in der Steilwand?"

Lewis Hamilton & Stirling Moss - Steilwand Monza - 2015 Foto: Wilhelm

Seit Lewis Hamilton mit Stirling Moss im Mercedes 196 durch die alte Steilwand von Monza gefahren ist, schwärmt er für den seit 1970 gesperrten Streckenabschnitt. Hamilton findet, dass man bei entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen auch heute noch Rennen in den Steilkurven fahren könnte.

30.04.2015 Michael Schmidt

Die Monza-Steilwand ist ein legendäres Stück Grand Prix-Geschichte. 1955 mit dem GP Italien feierlich eröffnet. Der Ovalkurs ist 4.250 Meter lang. Die Kurven haben einen Radius von 320 Metern und sind an ihrer steilsten Stelle um 38 Grad geneigt. Es ist dort unmöglich ohne Seil zu Fuß nach oben zu kommen.

Die Formel 1 und die Sportwagen fuhren den kombinierten Kurs. Die Zielgerade war mit Pylonen in zwei Hälften unterteilt. Bei Start und Ziel ging es auf der Außenbahn Richtung Curva Grande los. Nach einer Runde auf dem GP-Kurs führte die Parabolica auf die Innenseite der Zielgeraden und von dort in die erste Steilkurve. Die überquert in der Curva di Serraglio die GP-Strecke. Ausgangs der zweiten Steilkurve wurden die Autos auf der Außenbahn der Zielgeraden wieder ausgespuckt. Damit war die fast exakt 10 Kilometer lange Runde beendet.

1962 stoppte die Polizei das Training

Die Formel 1 fuhr 4 Mal auf dem kombinierten Kurs: 1955, 1956, 1960 und 1961. 1960 boykottierten die englischen Teams den GP Italien. Aus Angst, ihre zerbrechlichen, auf Leichtbau getrimmten Cooper, Lotus und B.R.M. könnten auf den Bodenwellen der Steilkurven auseinanderbrechen. 1962 stoppte die Polizei das Training zum Grand Prix. Der Veranstalter wollte das Oval mit einbinden. Die Behörden sagten nein. Aus Sicherheitsgründen.

Komischerweise fanden die 1.000 Kilometer-Rennen bis 1969 weiter auf dem Hochgeschwindigkeitsteil statt. Allerdings mit Schikanen vor der Einfahrt in die überhöhten Kurven.

Nach der Schließung des Ovals verwitterte die Anlage. Sie wurde erst 2014 wieder restauriert. Doch die neuen Betonplaten haben den Belag nicht ebener gemacht. Im Gegenteil. Stirling Moss sagte zu auto motor und sport: "Die Bodenwellen sind schlimmer als zu unserer Zeit. Und mir ist damals schon die Windschutzscheibe an meinem Stromlinien W196 gebrochen."

Problem der Steilwand sind die Bodenwellen

Lewis Hamilton hörte den Erzählungen des alten Meisters fasziniert zu. Um dann selbst mit einem W196 durch die Steilwand zu donnern. Der Engländer fuhr die Version mit offenen Rädern. Wie Karl Kling und Piero Taruffi beim letzten Einsatz der Silberpfeile 1955 in Monza. Juan-Manuel Fangio und Stirling Moss saßen in den Stromlinien-Karossen.

Hamilton war von seinem 180 km/h-Ritt in Schräglage so begeistert, dass er von Moss alles wissen wollte. Als er hörte, dass die Fahrer 1955 mit 250 km/h in den Steilkurven unterwegs waren, kam ihm eine Idee: "Es gibt eigentlich keinen Grund, warum wir diese Steilwand heute nicht auch fahren. Wenn Sie die Kurven neu asphaltieren und oben noch Zäune hin bauen, ginge es. Die Nascar macht es ja auch."

Mit leuchtenden Augen meinte er: "Könnt ihr euch vorstellen, was das für ein Rennen mit unseren Autos von heute gäbe? Eine unglaubliche Show." Für eine FIA-Abnahme würde es trotzdem nicht reichen. Die Strecke bräuchte am oberen Rand eine Mauer mit einer vorgelagerten Aufprallschutz ("safer barrier"). Diese Mauer vor der Mauer hat sich auf den US-Ovalkursen bestens bewährt. Das größte Problem ist der Streckenbelag. Da die Fahrbahn auf Stelzen steht, besteht die Gefahr, dass die Betonplatten mit der Zeit durchhängen.

So entstehen starke Bodenwellen, auf denen die modernen Autos alle aufsetzen würden. Wahrscheinlich könnte man die nötige Bodenfreiheit gar nicht einstellen, die man bräuchte, um sicher durchzukommen.

Und dann wäre der Rest der Strecke mit diesem Setup ein wahrer Eiertanz. Viel schneller als damals würden die Autos im Oval nicht werden. Der Winkel der Überhöhung war für Maximalgeschwindigkeiten von 285 km/h berechnet worden. Darüber wird es ein Ritt auf der Kanonenkugel.

Trotzdem, ein interessanter Einwand von Hamilton: Was meinen Sie: Wäre ein Abstecher ins Oval ein Hirngespinst oder einfach nur geil? Schreiben Sie uns.

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