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Hamiltons Pole-Geheimnis

Rosbergs Setup und der Kopf

Lewis Hamilton - Nico Rosberg - Mercedes - GP Spanien 2016 - Qualifying - Samstag - 14.5.2016 Foto: xpb 71 Bilder

Lewis Hamilton hat sein Pech abgestreift. Nach Motorproblemen in Shanghai und Sochi und einem verlorenen ersten Trainingstag in Barcelona schlug der Weltmeister mit einer Superrunde und der Pole Position zurück. Das Geheimnis der Wende? Wir verraten es Ihnen.

14.05.2016 Michael Schmidt

Lewis Hamilton konnte wieder strahlen. Das Pech der letzten Rennen hatte ihm zugesetzt. Dazu die Ungewissheit, ob das Motorproblem nicht wieder auftritt. Teamchef Toto Wolff gibt zu, dass der Grund immer noch nicht gefunden ist: "Alle unsere Verdachtsmomente haben sich nicht bestätigt." Niki Lauda spielt den Optimisten: "Auf dem Prüfstand hat unsere neue MGU-H schon 3.500 Kilometer problemlos abgespult."

Auch das Barcelona-Wochenende begann für Lewis Hamilton mit Sorgen. In seiner schnellsten Runde am Freitag fehlten ihm sieben Zehntel auf Nico Rosberg. Der Titelverteidiger kämpfte mit der Balance seines Dienstfahrzeuges. Damit waren auch seine Rennsimulationen wenig aussagekräftig. Die Probleme gingen Hamilton an die Nieren: "Wir drehten uns im Kreis. Ich wusste nicht, wo ich anfangen und aufhören sollte, und habe mich mit dem Setup verrannt. Es war ein verlorener Tag."

Die Superrunde kam wie aus dem Nichts

Erst im dritten Training konnte der Engländer wieder Hoffnung schöpfen: "Plötzlich hatte ich wieder das Gefühl, mit dem Auto verbunden zu sein." Das Geheimnis der wundersamen Wandlung lag in Details. Die Hamilton-Truppe passte die Bodenfreiheit und die Rollsteifigkeit der Aufhängung den Werten von Nico Rosberg an. Der WM-Spitzenreiter hatte auch dann noch die Nase vorn, wenn auch nicht mehr so deutlich. Im dritten Training trennten 0,126 Sekunden die Mercedes-Piloten, im Q1 waren es 0,212 Sekunden. Zugunsten von Rosberg.

Die Wende kam im Q2. Da zauberte Hamilton wie aus dem Nichts eine Runde auf dem Asphalt, die sechs Zehntel unter der von Rosberg lag. "Das kam schon ein bisschen überraschend, dass Lewis so viel Zeit finden konnte. Aber mit ihm musst du immer rechnen", meinte Rosberg. Und was hat Hamilton zwischen den beiden Trainingsrunden geändert? "Nichts", verraten die Ingenieure. "Das war allein der Kopf. Lewis hat eine Superrunde rausgehauen, und plötzlich wusste er: Es geht."

Rosberg hofft auf Start und Strategie

Da konnte Hamilton nicht einmal mehr ein Fehler im ersten Versuch des Q3 aus dem Konzept bringen. Der Champion verbremste sich vor Kurve 10. "Das wäre schon die Pole gewesen", ist sich Hamilton sicher. Toto Wolff präzisiert: "Es wäre eine hohe 1.21er Zeit geworden." Als es im letzten Versuch ums Ganze ging, schaffte Hamilton glatt 1.22,000 Minuten. 28 Hundertstel besser als Rosberg, 1.6 Sekunden schneller als die Trainingsbestzeit im letzten Jahr. "Es war wie ein Ass im Tennis, nachdem du den ersten Aufschlag verschossen hast. Wenn du in Barcelona gewinnen willst, hast du nur eine Option. Du musst vorne losfahren", strahlte der Mann vom ersten Startplatz.

Rosberg nahm die Niederlage sportlich: "Lewis war heute einfach schneller. Aber die Punkte gibt es morgen. Ich habe zwei Chancen. Beim Start und über die Strategie." Da für das Rennen eigentlich nur die Reifenmischungen soft und medium in Frage kommen, kann Rosberg den Teamkollegen nur mit der Reifenabfolge austricksen. Doch der vierfache Saisonsieger warnt: "Wir werden hier einen tierischen Reifenverschleiß sehen. Das gibt es schon Möglichkeiten." Dann stichelt Rosberg: "Ich weiß nicht, ob Lewis so viel Vertrauen in seine Starts hat."

Der neue Gegner heißt Red Bull

Mercedes überraschte sich diesmal selbst. Der Vorsprung auf Red Bull betrug knapp sieben Zehntel. Doch auf diesem Platz hatte man eigentlich Ferrari erwartet, und das mit deutlich geringerem Vorsprung. Ferrari verlor 1,1 Sekunden auf die Silberpfeile. Auf einer Strecke, auf der sie gewinnen wollten, wenn man die Worte von Präsident Sergio Marchionne als Maßstab nimmt. Wolff schließt aus dem ungewöhnlich großen Abstand zu Ferrari, dass dort etwas mit der Abstimmung dramatisch schief gelaufen sein muss. "Ferrari war den Rest des Wochenendes viel stärker. Zu unseren Stärken zählt, dass wir mit steigenden Temperaturen öfter als die anderen das richtige Setup treffen."

Mercedes übte bereits im dritten Training mit einer Abstimmung, die auf über 40 Grad Asphalttemperatur zugeschnitten war. Ferrari hatte sein Auto am kühleren Vormittag offenbar auf die herrschenden Bedingungen optimiert und sich in die Irre leisten lassen. Das war ein Grund, warum Sebastian Vettel am Samstagmorgen um ein Haar die Silberpfeile geschlagen hätte. Mit den steigenden Temperaturen rutschten die roten Autos nur noch ohne Grip herum. Und das von der ersten Kurve weg. "Was für eine zu hohe Oberflächentemperatur auf den Reifen spricht", wagten Mercedes-Ingenieure eine Ferndiagnose.

Der neue Gegner der Silberpfeile heißt Red Bull. Der GPS-Vergleich zeigte, dass Max Verstappen in den schnellen Kurven knapp vor den Mercedes-Piloten liegt. In den langsamen Kurven herrscht Gleichstand. Bei Richtungswechseln hat Mercedes die Nase vorn. Und natürlich auf den Geraden. In der Ausgeglichenheit sieht Toto Wolff die Qualität der Silberpfeile: "Wir haben mit unserem Paket einen guten Mix aus Motor und Chassis geschafft. Der dritte Sektor zeigt, dass wir nicht nur auf der Geraden schnell sind." Nico Rosberg unterstreicht das: "Wir schaffen es, auf jeder Strecke vorne dabei zu sein. Bei den anderen ist es ein Auf und Ab. Das zeigt unsere Kompetenz."

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