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Hans Hermann feiert seinen 80. Geburtstag

Foto: Daimler-Benz

Hans Herrmann, einst neben Fangio das Küken im Mercedes-Silberpfeil-Team, feiert am 23. Februar seinen 80. Geburtstag. Gewonnen hat der Stuttgarter in seiner langen Karriere auf der ganzen Welt. Am liebsten aber sind ihm die Erfolge auf seiner Hausstrecke - der Solitude.

23.02.2008

Fast alle Fahrer haben eine Haus- oder Lieblingsstrecke: Michael Schumacher gewann am liebsten in Spa, Juan Manuel Fangio liebte den alten Nürburgring, und Hans Herrmann fuhr am liebsten auf der Solitude. Unmittelbar vor den Toren Stuttgarts gelegen, rund elf Kilometer Kurven bergauf und bergab; nur ein Abschnitt, den man als Gerade bezeichnen kann. In ihren besten Zeiten von mehreren hunderttausend Zuschauern besucht - wahre Volksfeste! In den Dreißigern und nach dem Krieg röhren meist Motorräder durch die Wälder, ab 1956 auch alles, was vier Räder hat - von den Tourenwagen bis zur Formel 1.

Stuttgarter Bub - Hans Herrmann bleibt seiner Heimat treu

In Stuttgart ist "der Hans" geboren und aufgewachsen. Er war schon früh fasziniert von dem, was sich da um die Solitude abspielte. Im Hof des Cafés, das seine Mutter betreibt, bastelt einer der Teilnehmer an seiner Rennmaschine; auf einem Foto sitzt der kleine Hans auf dem Sattel.

Nach dem Krieg findet er in zunehmend stärkeren Fahrzeugen Spaß am schnellen Fahren. Schließlich schafft er sich gezielt ein sportgeeignetes Auto an, einen Porsche 356 mit 1.500 ccm. 1952 erste Wettbewerbe, im Jahr danach Erfolge, die aufmerksam machen: Klassensiege bei der Mille Miglia und beim Eifelrennen. Resultat: Er wird von Porsche für einen Einsatz des neuen Rennsport-Typs 550 bei den 24 Stunden von Le Mans engagiert. Dort hätte es nicht besser laufen können: Klassensieg mit Partner Helm Glöckler, "ex aequo" mit der anderen Porsche-Mannschaft. Diese Wagen stellt das Werk eine Woche später bei einer Demo- Fahrt dem Publikum des Solitude-Rennens vor. So rollt Hans Herrmann zum ersten Mal mit einem Renngerät über diese Strecke.

War das eher Vergnügen, so wird es am gleichen Ort wenige Monate später Ernst. Probefahrten mit dem Mercedes-Benz 300 SL Prototyp, einem 215 PS-Donnervogel, unter den kritischen Augen des legendären Rennleiters Alfred Neubauer. Wie war es dazu gekommen? In Stuttgart-Untertürkheim bereitet man sich für die Saison 1954 auf die Rückkehr in den GP-Sport vor. In das Team soll neben einem Weltklasse-Ass (Fangio) und bewährten deutschen Piloten, Karl Kling und Hermann Lang, auch ein Nachwuchsmann aufgenommen werden. Deshalb werden im Juli vier Kandidaten auf den Nürburgring eingeladen: darunter - zu seiner größten Überraschung - der junge Stuttgarter.

Nachwuchstalent Herrmann fährt am schnellsten im 300 SL

Herrmann erzielt dort die beste Zeit und wird für die Mannschaft vorgeschlagen. Im Oktober lässt sich Mercedes die Solitude-Strecke einen Tag lang für Testfahrten sperren - damals ging das noch. Der offizielle Motorradrekord steht bei 4:58 Minuten. Und schon wieder - der Jüngste fährt die schnellste Runde! Hans Herrmann: "Ich sehe heute noch, wie mir ein Monteur eine Tafel mit "4:52" entgegenhält." Neubauer lässt es sich nicht nehmen, Presseberichte zu lancieren: "Mercedes fährt neue Solitude-Bestzeit."

Der Schwabe hat jetzt ein mehr als erfolgreiches Jahr hinter sich: im Porsche Deutscher Meister in der Klasse der Rennsportwagen bis 1.500 ccm, mit einem Veritas zweiter Rang in der Meisterschaft der Formel 2. Er kann Neubauer das Zugeständnis abringen, im folgenden Jahr für zwei Teams starten zu dürfen - Porsche und Mercedes. Eine Blitzkarriere: Nach ersten Versuchen im privaten Serienwagen sitzt Herrmann nur zwei Jahre später am Steuer der Silberpfeile.

Im Februar 1954 wieder Streckensperrung auf der Solitude, bei dieser Gelegenheit röhren neben Rennprodukten aus Stuttgart-Zuffenhausen zunächst wieder 300 SL. Die Zeitung berichtet: "Rundendurchschnitte bis zu 135 km/h (von Herrmann und Kling) gestoppt". Dann aber erscheint zum ersten Mal in der Öffentlichkeit ein Exemplar des neuen Formelwagens W 196 mit der Aufsehen erregenden Stromlinienkarosserie.

Blitzkarriere im internationalen Motorsport

Er erlebt alle Höhen und Tiefen einer Rennfahrerkarriere. Beachtliche Leistungen im Formel 1-Team, wieder Deutscher Meister bei den Rennsportwagen, dritter Gesamtrang bei der Carrera Panamericana. Im Mai 1955 ist ihm mit dem Mercedes-Benz 300 SLR sogar fast der Sieg in der Mille Miglia gelungen.

Drei Wochen danach kommt es im Training für den Grand Prix in Monaco fast zur Katastrophe. Durch einen Bremsdefekt donnert sein Bolide in eine Steinbalustrade. Es ist unerhörtes Glück, dass Herrmann den Einschlag überlebt. Mit schweren Hüftverletzungen liegt er wochenlang im Krankenhaus und muss anschließend erst mühsam wieder gehen lernen - die Saison ist für ihn vorbei. Am Ende des Jahres zieht sich Mercedes aus dem Rennsport zurück. Was jetzt?

Er kehrt 1956 zu Porsche zurück. Doch während er zuvor ziemlich unangefochten der Spitzenfahrer war, machen jetzt auch andere Piloten Ansprüche geltend: Richard von Frankenberg, Wolfgang Graf Berghe von Trips. In diesem Jahr veranstaltet der ADAC erstmals seit 1950 wieder ein Wagenrennen auf der Solitude.

Dieser Lauf für Sportwagen bis 1,5 Liter verspricht Spannung. Drei deutsche Firmen treten an. Porsche mit drei Werkswagen, Borgward hat einen neuen Motor entwickelt und präsentiert zwei Fahrzeuge, und dann die AWE aus dem anderen Deutschland, das damals von den Bundesrepublikanern meist als Ostzone bezeichnet wird. Sie schicken sogar fünf Wagen. Die Kollegen aus dem sozialistischen Nachbarstaat haben den Flitzern aus Stuttgart-Zuffenhausen oft das Siegen schwer gemacht.

Herrmann siegt auf der Solitude

Aber Konkurrenz hin oder her - am Tag vor dem Rennen geht eine Gruppe von Fahrern gemeinsam ins Schwimmbad. Da ein knappes Ergebnis zu erwarten ist, vereinbart das Porsche-Team: Wer nach der Hälfte der 14 Runden vorn liegt, soll von den Stallkameraden nicht mehr angegriffen werden. Als Schnellster im Training kann sich Herrmann sofort an die Spitze setzen und einen Vorsprung herausfahren. Hinter ihm von Trips und von Frankenberg, dem Edgar Barth (AWE) hart auf den Fersen ist.

Herrmann zum Ablauf nach der siebten Runde: "Auf einmal merke ich, wie mir von Trips immer näher rückt. Da meine Bremsen nachgelassen haben, kann ich das kaum verhindern. Schließlich überholt er mich sogar am Glemseck. Doch gelingt es mir, noch am Kurvenausgang wieder vorbeizuziehen und dann auch als Erster durchs Ziel zu gehen. Da war der Ehrgeiz bei ihm doch stärker als die gemeinsame Absprache." Trotzdem ein schönes Gefühl: das erste Rennen auf der Heimatstrecke - ein Sieg.

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